Dienstag, 15. Oktober 2013

Einige Gedanken zum Video von der Inquisitionssafari

Das umstrittene Video (hier) mit der Aussage über seinen Upgrade-Flug von Bischof Tebartz-van Elst läßt mich, sagen wir einmal, etwas ratlos zurück. Ratlos nicht jener mutmaßlichen oder vermeintlichen oder tatsächlichen Falschaussage wegen, sondern ob des Gesprächsverlaufs. 
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Auf die konkrete Frage, ob er First Class geflogen sei, antwortet Tebartz-van Elst zuerst einmal: 
Business Class sind wir geflogen.
Nun macht bekanntlich der Ton die Musik, und in meinen Ohren klingt die Antwort eher affirmativ als abwiegelnd. Der Eindruck ist nicht von der Hand zu weisen, als ob sich der Bischof in diesem Moment nicht hinlänglich bewußt war, daß es zwischen Business Class und First Class einen Unterschied gibt. 
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Danach sagt er kurz etwas, was nicht recht verständlich ist, um dann zu betonen: 
Wir kamen um 3.30 Uhr dort an und ich hatte um halb Sieben die Messe dort mit den Schwestern. 
Klingt das nun nicht wie eine Rechtfertigung - mithin wie eine Bestätigung! - für den Wechsel in die höhere Klasse? In jene Klasse, die der Spiegel First Class nennt und die vom Bischof womöglich - im Eifer des Gefechts meinetwegen - mit der Business Class identifiziert wird? 
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Ist das nun eine überspitze Interpretation von Wortlaut und Tonfall? Vielleicht - doch andererseits: Die Bahn zum Beispiel quartiert ihre First Class Passagiere bekanntermaßen gerne in ausgesuchten Bahnhöfen in sogenannten Business Lounges ein. Ich selbst - zugegeben ganz ohne Flugerfahrung - habe lange Zeit gedacht, Business und First Class seien ein und dieselbe Sache. Beide Begriffe können also durcheinander geraten, zumal, wenn man von einem Spiegel-Team überrumpelt wird, bei dem man bereits ahnt und fürchten muß, daß es sich auf Inquisitionssafari befindet.

Daß Tebartz van-Elst später - soweit er sich noch an Einzelheiten dieses Interviews "zwischen Tür und Angel" und Domglocken erinnern konnte - alsdann guten Glaubens war, den Reportern eine wahrheitsgemäße Auskunft erteilt zu haben, scheint mir keinesfalls ausgeschlossen. Damit ist das Gegenteil natürlich längst nicht widerlegt, aber auf der erreichten Eskalationsstufe scheint es mir höchste Zeit, einen alten Rechtsgrundsatz erneut in Erinnerung zu rufen: In dubio pro reo - im Zweifel für den Angeklagten. Es wäre nicht das erste Mal, daß sich ein unglücklich agierender, aber schuldloser "Beschuldigte" allein auf diesen Satz noch stützen kann.
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Notabene: Ein kleiner Dank an Tiberius, der mich durch einen Hinweis auf einen Beitrag von Andreas Püttmann (hier) bewogen hat, diese Gedanken hier ein- und gegebenenfalls zur Diskussion zu stellen.

Kommentare:

Jürgen Niebecker hat gesagt…

Economy, Business und First Class… man kann schon mal durcheinander kommen.

Es gibt Flieger, wie manche Ferienflieger, die haben nur Economy Class; andere Flieger haben zwei Klassen wie z.B. Economy und Business oder Economy und First Class und es gibt auch Flieger in denen es drei Klassen gibt.

Mal ein Beispiel aus eigener Erfahrung.
Ich flog mal einen "Gabelflug" (von Punkt A nach B und von C [über D] zurück nach A) und zwischen den verschiedenen Abschnitten flog ich mit einer Gesellschaft in der es keine Economy Class gab. Ich hatte aber Economy gebucht. Es war ein Kooperationsflug und so flog ich mit meinem Economy Class Ticket in der Business Class. — Schön war's!

Ester hat gesagt…

Eben!
Ich habe nämlich auch keine Ahnung vom Fliegen und bin, wenn ich mal geflogen bin immer mit Billigfliegern geflogen, und dachte auch immer die "normale" Flugklasse sei Economy und die Business class sei die "Erste Klasse".
Wäre man wohlwollend würde man aus dieser Antwort des Bischofs herauslesen, dass er echt keine Ahnung vom Leben der obersten Zehntausend hat, so wie die meisten von uns, Jedoch wir wissen doch seit Dan Brown, die Kirche besteht nur aus bösen Menschen!

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Danke für den Beitrag!
Ich habe es genauso empfunden, als ich mir dieses "Beweisvideo" angesehen habe.
Ich blicke weder bei den ganzen Flugklassen, noch bei der Bahn, noch bei Handytarifbezeichnungen oder den "Kaffee-zum-Weggehen" Schnicklefatzereien durch.
Wenn man mich so blöd angerumpelt hätte, wäre es mir sicherlich genauso ergangen wie Seiner Exzellenz!

Anonym hat gesagt…

Was auch interessant ist: Die Reaktion des Fragenden auf die umstrittene Antwort ist ein m oder weniger selbstzufriedenes "Ja". Er scheint seine Annahme, dass erste Klasse geflogen worden sei, mit dieser Antwort bestätigt zu sehen.