Montag, 28. Oktober 2013

Christi Herrschaft - mehr als nur Eschatologie

Das Christkönigsfest wurde im Zuge der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil auf den letzten Sonntag des Kirchenjahres verschoben - dabei hatte man den ursprünglichen Festgedanken beschnitten und ihn auf seine eschatologische Komponente reduziert: Christus ist König als der kommende Kyrios. Sämtliche Motive, die an das soziale Königtum Christi gemahnen, wurden strikt eliminiert, entsprechende Strophen etwa im Vesperhymnus Te sæculorum Principem eliminiert. Seither ist in diesem Text zum Beispiel keine Rede mehr von der "ruchlosen Masse", welche sich dem Königtum Christi verweigert ("Wir wollen nicht, daß dieser herrscht"), und auch nicht davon, daß alles, bis hin zu Wissenschaft und Kunst, unmittelbar oder mittelbar in Christi Dienst stehe.
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Man mag die entsprechenden Formulierungen als überholt oder übertrieben betrachten. Aber beschreibt ein Satz vom Schlage "Wir wollen nicht, daß dieser herrscht" nicht Phänomene, die, zumindest in der westlichen Hemisphäre, mehr und mehr zum "guten Ton" gehören? Denken wir an die aktuelle französische Kirchenpolitik, die anstelle des Christentums einen radikalen Laizismus propagiert! Denken wir an die Medienkampagnen hierzulande, die zwischenzeitlich jedes Augenmaß vermissen lassen und quasi jährlich hochgekocht werden! Denken wir an den Hass in den Kommentarspalten, der sich allzu gerne und allzu oft von Ahnungslosigkeit befruchten lässt und weitere Ahnungslose infiziert!
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Freilich ... wo sich die Kirche nur als NGO auf sozialem beziehungsweise caritativem Terrain betätigt, da "darf" sie im Rahmen einer pluralistischen Gesellschaft dann auch ein bisschen Sinn "stiften" (wenn's sein muß und solange sich das in Grenzen hält). Wo sie aber ihrem eigentlichen Auftrag nachkommt, das Reich Gottes in der Welt heraufzuführen, dort brandet ihr zunehmend Ablehnung entgegen. Und doch ist genau das die Sendung der Kirche: Das Evangelium zu verkünden und so am Reich Christi zu bauen. Alles andere drumherum (Suppenküchen, Kleiderkammern, Kindergärten, Krankenhäuser und so weiter) ist nur die Folge - im Sinne konsequenten Handels - dieses Auftrages, aber nicht die Sendung selbst.
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Mit dem Verzicht auf die Proklamation des sozialen Königtums Christi gibt die Kirche unnötig ein zentrales Leitbild preis, dessen wir in den Wirren dieser Zeit und unter der Knute der Diktatur des Relativismus dringend bedürften.

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