Sonntag, 15. September 2013

Seine Stunde - Ihre Stunde

Maria unter dem Kreuz - Detail eines mittelrheinischen
Flügelaltars des "Meisters des Hausbuchs" aus der 
Zeit um 1480; Augustiner-Museum, Freiburg
Ist von den Sieben Schmerzen Unserer Lieben Frau die Rede, die im Blickpunkt eines Festes zu Ehren der Schmerzhaften Mutter Maria stehen (das heute zu feiern wäre, würde es nicht vom 17. Sonntag nach Pfingsten hintangestellt) - wendet sich also der Blick diesen Sieben Schmerzen zu, dann bündeln sich diese Schmerzen in einem Bild, das seinerseits ein Teil der Siebenzahl dieser schmerzensreichen Imagination ist: Das Bild der unter dem Kreuz stehenden Gottesmutter. 
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Als weitere schmerzhafte Stationen im Leben Mariens ruft das Fest auch die Darstellung Jesu im Tempel mit der Prophezeiung Simeons ins Gedächtnis, ferner die Flucht nach Ägypten, die Suche nach Jesus im Tempel, die Begegnung auf dem Kreuzweg, die Kreuzabnahme und die Grablegung. Maria unter dem Kreuz aber ist das mächtigste und am meisten anrührende dieser Bilder: Die Mutter, die ohnmächtig anschauen muß, wie ihr eigenes Kind in den Tod gequält wird.
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Diese Bildmächtigkeit findet einen liturgisch ebenso bemerkenswerten wie einzigartigen Ausdruck. Entgegen aller Regel sind die Worte des Introitus zur Feier der Heiligen Mysterien unmittelbar dem Evangelium (Joh 19, 25 ff.) entnommen; Worte des erhöhten Kyrios treten dabei an die Stelle der üblichen Psalmverse.
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Bei dem Kreuze Jesu standen seine Mutter
und die Schwester seiner Mutter,
Maria, die Frau des Kleophas,
Salome und Maria Magdalena.
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Jesus sprach: Frau, siehe da deinen Sohn.
Zum Jünger aber: Siehe da deine Mutter.
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Der Evangelist setzt damit den Schlußpunkt hinter alles, was er uns über Maria berichten möchte. Von da aus ist es interessant, auf jene Begebenheit einen Blick zurück zu werfen, bei welcher Johannes die Mutter Jesu in seinem Evangelium erstmals erwähnt - dies geschieht im Rahmen der Hochzeit zu Kana (Joh 2, 1-12): Der Wein ist ausgegangen. Maria ist es, die ihren Sohn auf die Verlegenheit der Brautleute aufmerksam macht - und sich übrigens auffällig sicher gibt, daß Jesus, immerhin nur Gast, der Not abhelfen kann: "Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut". Und dies, obschon sich der Sohn dem Hinweis zuvor noch brüsk verweigerte: "Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen".
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Es ist tatsächlich nicht die Stunde - die Stunde, seine Stunde, ist die Stunde von Golgatha: Die Stunde, in der Christus nicht nur Wasser bei Gelegenheit in Wein verwandelt, nicht hier einem Blinden das Licht gibt, da einem Lahme wieder auf die Füße hilft, dort einen Aussätzigen wieder ins Leben stellt, da einen Besessenen aus dem Griff des Bösen befreit, hier einen Toten aus dem Tod erweckt: Dies, Golgatha, ist die Stunde, in der er all das an uns allen tut, indem er sich für uns hingibt in den Tod und uns so das Leben in Fülle neu erschließt.
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Nun also ist seine Stunde gekommen, und wieder ist ihm Maria ganz nahe. Mit dem Jünger werden wir ihre Kinder: Und so ist es auch ihre Stunde. Sie nimmt Anteil am Leiden und Sterben ihres Sohnes und gebiert im Pneuma - und unter Schmerzen - uns als ihre Kinder.
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Ihre Fürsprache, so bittet die Ekklesia im Gabengebet den Kyrios,
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... erwirke uns Anteil am Lohn der Heiligen 
kraft der Verdienste deines Todes.

Kommentare:

Eugenie Roth hat gesagt…

OOOps?
Bei uns wurde 7Schmerzen gefeiert und jeweils 2 Gebete (du weißt schon wann) gesprochen ... ?

Andreas hat gesagt…

Eigentlich nur möglich, wenn die betreffende Kirche das Patrozinium dieses Festes hat. Ansonsten kann der Sonntag nur von einem Herrenfest verdrängt werden, das wenigstens die gleiche Rangordnung haben muß wie der Sonntag selbst.