Dienstag, 10. September 2013

Forderungen

Das Vorwort zu einem Sammelband mit Radiopredigten von Hans Urs von Balthasar, gerade einmal eine Buchseite füllend, war so ziemlich die einzige geistliche Nahrung, die ich gestern Abend, schon mit angezogener Bettdecke, noch zu mir nehmen konnte. Trotz Müdigkeit blieb ich bei dem unten angeführte Zitat eine Weile hängen - es ist eine Not der Zeit, sich diese Gedanken immer wieder bewußt zu machen und die nötigen Schlüsse daraus zu ziehen ...
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... Schlüsse, die man, ehe man sie als Erwartungen seinen Mitmenschen zumisst, freilich zuerst und vor allem als Forderung an sich selbst sehen sollte.
Wie man nichts von Christus verstehen kann ohne das Mysterium der Trinität, nichts von der Kirche ohne den Glauben an Gottheit und Menschheit Christi, nichts von den Sakramenten ohne das Brautgeheimnis zwischen Christus und der Kirche, so auch nichts vom christlichen Leben (oder von der Moral) ohne den christlichen Glauben (oder das Dogma): Orthopraxie - Orthodoxie.
Hans Urs von Balthasar: Du krönst das Jahr mit deiner Huld. Radiopredigten durch das Kirchenjahr. Einsiedeln (2) 2000. S. 9.

1 Kommentar:

Wolfram hat gesagt…

Das gehört eingerahmt über den Schreibtisch jedes Ethik- oder Morallehrers...

und ist das nicht der Denkfehler des politischen Engagements der römischen Kirche? Orthopraxie ohne vorangegangene Orthodoxie? Gewissermaßen rechts vom Pferd gefallen, wo die EKD gern links herunterfällt und meint, Orthopraxie sei unnötig...