Dienstag, 17. September 2013

Ein römischer Rüffel?

Eine sonderbare Sache: Papst Franziskus hat das Rücktrittsgesuch, das der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch nach gewohntem Prozedere mit Erreichen des 75. Lebensjahres eingereicht hat, angenommen. Sonderbar, weil Zollitsch den Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz innehat, gesundheitlich nicht angeschlagen scheint und sich gewisser Popularität erfreut, nicht zuletzt bei jenem Teil des Diözesanklerus, der es auf "Reformen" abgesehen hat - aber nicht nur dort. Im Normalfall würde man ihn ohne Einschränkung vorläufig im Amt belassen, zumindest solange, bis sich die Bischöfe einen neuen Vorsitzenden wählen - was in sehr absehbarer Zeit auf dem Programm steht.
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Sonderbar also, weil - außer einer kirchenrechtlichen Regelung, welche Rom ohnehin immer wieder locker handhabt - kein zwingender Grund vorzuliegen scheint, den Rücktritt direkt und so rasch anzunehmen, wie nun geschehen; zumal Zollitsch gehofft hatte, er könne noch einige Projekte zu Ende führen, ehe die Cathedra des Freiburger Münsters neu besetzt werde. 
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Dies freilich kann Zollitsch tun - aber "nur" als Diözesan-Administrator. Was kann das bedeuten? Auch den Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz wird Zollitsch bis zur regulären Wahl im Mai kommenden Jahres behalten. Als Diözesan-Administrator, wohlgemerkt. Streng genommen kann Zollitsch auf diözesaner wie auf nationaler Ebene seine Agenda noch eine Weile ohne Abstriche fortführen. Er behält sogar persönlich den Titel "Erzbischof" - aber er ist nicht "der Erzbischof von Freiburg".
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Warum beläßt man das nicht, wie bislang etwa der nochmals deutlich ältere Kardinal Meisner als Kölner Erzbischof belassen wurde? In der Annahme der Rücktritts wird man schwerlich etwas anderes sehen mögen als einen römischen Rüffel. 
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Träfe dies zu, so ließe sich weiter die Frage stellen, ob dieser nur aufgrund diverser Initiativen des ehemaligen Freiburger Erzbischofs (zu denken wäre an die regelrecht mißratene Diözesanversammlung) erfolgt ist, oder ob damit weitere Phänomene des deutschen Katholizismus und das Selbstverständnis der deutschen Bischöfe (deren oberster Vertreter Zollitsch nun einmal ist) ins römische Visier geraten sind (Stichwort Dialogprozess und dessen Lenkung).

Kommentare:

sophophilo hat gesagt…

Beliebt gemacht hat er sich mit der Diözesanversammlung jedenfalls nicht in Rom, das war seit jenen Geschehnisse hinter den Kulissen unüberhörbar. Man darf gespannt sein.

Anonym hat gesagt…

Zollitsch weiter im Amt zu belassen,
das hätte noch gefehlt.
Viator fidelis

Anonym hat gesagt…

Deuten kann ich das jetzt auch nicht, aber angesichts dessen, daß Bischof Zollitsch selbst unm seinen Geburtstag rum die Werbetrommel für eine längere Amtszeit rührte, möchte man schon hoffen dürfen, daß Franziskus not amused ist über die Zustände in Freiburg und diesen ganzen Dialogprozeßschmus...?

Admiral hat gesagt…

Korektur: er ist "Apostolischer Administrator" und nicht Diözesanadministrator. Letzterer wird vom Domkapitel gewählt und nicht vom Papst bestimmt.

Näheres dazu mit weiteren Erläuterungen gibt es bei Stanislaus.

Andreas hat gesagt…

Gewiß, Admiral, ein Unterschied, der mir aber auf die Vermutungen, die ich geäußert habe, nur von geringem Einfluß scheint ...