Donnerstag, 19. September 2013

Das Kreuz bei der Wahl

Von einem zivilgesellschaftlich (womöglich etwas heiß gelaufenen) Zeitgenossen weiß der Herr Alipius (hier). Es geht um die verflossene Landtagswahl in Bayern, wohl auch um deren Ergebnis, gewiß aber um dessen Anfechtung - denn, und das stelle man sich vor! In einem katholischen Pfarrheim! Das als Wahllokal diente!! Da hing ein Kreuz!!! Und wie wir alle wissen, zwingt das Kreuz nicht nur jeden anständigen Menschen auf die Knie, sondern läßt ihn, im Fall des Falles und bei Wahlen, ein weiteres Kreuz an der rechten Stelle machen, herkömmlich mithin bei der CSU. Wahrhaft eine subtile Manipulation der Wähler!
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Das zwingt nebenher zur Frage, ob es überhaupt noch angehen kann, Wahlzettel mittels Kreuzen zu markieren? Man stelle sich etwa den freigeistig-aufgeklärten Wahlhelfer vor, der nach 18 Uhr Kreuze zählen muß, so wie andere Erbsen! 
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Und als wäre es nicht genug, daß im Fall jener jüngsten Landtagswahl die meisten Kreuze bei der CSU landeten, was zweifelsohne den Kreuzen in Schulen und Pfarrheimen und an Wegen und auf Türmen geschuldet ist und womöglich sogar dem, das man im Rücken hat - auch bei der SPD: ein Kreuz. Bei den Grünen: ein Kreuz. Bei den Piraten: ein Kreuz. Bei den Violetten: Ein Kreuz. Bei der Linken: ein Kreuz. Ja selbst bei der MLPD: ein Kreuz! Was für ein Kreuz! Allein bei der Partei Bibeltreuer Christen mag das noch hinnehmbar scheinen, und doch dominiert es rauf und runter die Parteilandschaft auf dem Wahlzettel: das Kreuz! 
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Es wundert mich, daß noch kein freigeistig-aufgeklärter Wahlhelfer auf die Barrikaden stieg, um das Ende dieser Kreuzzeichen zu fordern ... Aber vielleicht zeigt sich hier, wie selbst freigeistig-aufgeklärte Zeitgenossen bis ins Mark kreuzmäßig manipuliert sind, daß noch niemandem diese subtile Religionspropaganda aufgefallen ist, dieser Kreuzzug, der via Abstimmungszettel in die Wahlurnen marschiert, ungeschminkt und hinterfragt von keinem Menschenkind und keinem Kindskopf.
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Doch genug zu den Befindlichkeiten unserer freigeistig aufgeklärten Zeitgenossen - betrachten wir die Frage lieber sub specie æternitatis: Könnte man das Kreuz auf dem Wahlzettel nicht als eine Art Exorzismus nutzen? Also im Sinne einer dem hl. Antonius zugeschriebenen Beschwörung, die Papst Sixtus V. in den Sockel des Obelisken vor Sankt Peter hämmern ließ: Ecce Crucem Domini! Fugite partes adversæ! - "Seht das Kreuz des Herrn! Verzieht euch, feindliche Rotten!" Ich höre den Einwand: Schön gedacht, aber damit fiele eine Stimme an eine Partei, die man garantiert nicht wählen möchte. Ich antworte: Der Wahlzettel hat genug Parteien im Angebot, die zu exorzieren wären, so daß man am Ende ungültig wählte, was manchem als beste Wahl ankommen mag.
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Aber kehren wir zuletzt nochmals zu jenem Kreuz im Pfarrheim zurück, aufgrund dessen die erwähnten Wahlen anzufechten seien. Bei der letzten Landtagswahl hierzulande empfing mich ein Wahlhelfer mit einem Buch, das, wer weiß? ... nicht nur dem Zeitvertrieb dienen mochte. Womöglich sollte es mich daran erinnern, eine Partei mit zukunftsorientiertem Bildungskonzept zu wählen? In der Regel also eine linksrotgrüne Soße.
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Und das Wahllokal erst! Die Schule eines Brennpunktstadtteils, deren dekorative Atmosphäre an multikulturelle Anstrengung gemahnt, die Fakt ist und nicht abwählbar. Obendrein erinnere ich mich der Tafel im Wahlraum, einladend aufgeklappt und unübersehbar mit (gewiß ganz zufällig) ausgewählten Schlagworten (Erderwärmung, Klimawandel usw.) beschriftet! Noch am selben Abend hatten wir den ersten grünen Ministerpräsidenten in der Geschichte des Landes an der Backe.
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Irgendwo hing übrigens, glaube ich jedenfalls, sogar noch ein Kreuz, eines von den recht schlicht stilisierten Kreuzen ohne Korpus. Wer wollte sich da noch wundern, daß unser erster grüner Ministerpräsident, allda und so gewählt (wenn auch nicht von mir), Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken ist?
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Ob ich diese Wahl wohl noch anfechten kann?
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... Fugite partes adversæ!

Kommentare:

dilettantus in interrete hat gesagt…

Du solltest ganz ruhig sein: Die meisten machen schließlich ein Andreaskreuz!

Andreas hat gesagt…

... eine Folge von Weltbildern in Schräglage, die meinen Namenspatron das Leben gekostet haben ...

Wolfram hat gesagt…

Ein "fait divers", der eigentlich gar nicht hätte stattfinden dürfen: der Kläger hat in dem Pfarrheim schon so sehr (verbal) herumrandaliert, daß er lebenslanges Hausverbot dort genießt.
Stellt sich eher die Frage, warum die Wahlleitung diesen geistigen Querschläger, der ja als solcher bekannt war, erstens überhaupt und zweitens dann speziell in einem Wahllokal, in dem er Hausverbot genießt, als Wahlhelfer beruft. Aber darauf könnten nur der Wahlleiter und der liebe Gott antworten, und letzterer beruft sich in solchen Fällen meist aufs Beichtgeheimnis. ;)