Samstag, 24. August 2013

Zu Ida Friederike Görres

.
Wie schon gesagt, (be-) suchte ich gestern das Grab der katholischen Publizistin Ida Friederike Görres auf dem Freiburger Bergäcker-Friedhof (bei dieser Gelegenheit habe ich übrigens auch das Grab von Gustav Siewerth gesichtet). Die ganze Sache hatte Elsa, genau genommen, nicht erst hier angekurbelt (nun auch hier), sondern bereits durch ihren Artikel im Vatican magazin vom Mai dieses Jahres (S. 60 f.) sozusagen vorbereitet, in welchem sie im Rahmen der Reihe "Geistliche Paare" über die Korrespondenz zwischen der Grande Dame des deutschen Katholizismus und dem damaligen Tübinger Theologen Joseph Ratzinger schrieb. Dieser Beitrag nun half mir von einem gewissen Vorbehalt, den ich zuvor gegen die Görres hegte, die mir - ein ohnehin recht verengter Blickwinkel - zu sehr ein Kind der Konzilszeit zu sein schien mit all der damit verbundenen Aufbruchs-Empathie, die uns heute so oft fad und fragwürdig ankommt. Nun aber las ich bei Elsa:
Das Zweite Vatikanische Konzil machte sie zunächst - wie viele - äußerst hoffnungsfroh und erwartungsvoll. Doch wenige Jahre später stellte sie in einem Aufsatz mit dem gleichnamigen Titel ernüchtert fest, dass ein "Abbruchkommando in der Kirche" am Werke sei: "Das Konzil war große, verheißungsvolle Aussaat - jetzt sehen wir viel Bestürzendes aufwachsen, Giftiges, das die erste Frucht zu ersticken droht".
Bemerkenswert auch die Würdigung, die Joseph Ratzinger nach ihrem Tod entfaltete. Wieder aus dem Artikel von Elsa:
In seiner Gedenkrede beim Requiem für Ida Friederike Görres im Freiburger Münster am 19. Mai 1971 stellte Ratzinger (...) die Frage, ob es möglich sei, in dieser schweren Stunde zu danken, weil uns "mitten in der Wüste von Konformismus und verlegenem Schweigen eine Stimme genommen worden ist, die in dieser Situation der Kirche unersetzlich scheint?" Ausführlich zitiert er zu diesem Anlass aus ihrem kurz zuvor erschienenen Buch "Im Winter wächst das Brot", würdigt ihre tiefe Gläubigkeit, aber auch ihr Fragen und Ringen um die Wirklichkeit der Kirche, das vielleicht in nicht wenigen Teilen sogar seinem eigenen ähnlich war. (...) Die Rede schließt: "Wir können danken - zutiefst weil wir wissen, dass sie uns gar nicht genommen ist, nur gleichsam ihre Stelle gewechselt hat in der Communio sanctorum, in jener alle Zeiten umspannenden und über alle Grenzen hinweg lebendigen Kirche, an die sie geglaubt und für die sie gelebt hat".
Der Grabstein von Ida Friederike Görres zeigt einen Engel mit einem Schwert in der Hand, womöglich der hl. Erzenegel Michael, darüber der alte Sinnspruch Cave Adsum - "Hüte dich! Ich bin hier". Es wäre interessant zu wissen, ob diese Gestaltung im Leben der Görres irgendwo konkret rückgebunden ist oder was die Nachgeborenen zu diesem Stein bewogen haben mag. Ich fand mich an das responsoriale Offertorium der Totenmesse (Domine Jesu Christe) erinnert, das leider nach dem Konzil entsorgt wurde. Nachdem zuerst in manigfachen und mächtigen Bildern die Gefährdungen imaginiert werden, die der Seele des Verstorbenen drohen und vor denen der "König der Herrlichkeit" sie bewahre, heißt es über die Seele:
Nun aber geleite sie dein Bannerherr, der heilige Michael, und stelle sie in das heilige Licht!
"Hüte dich! Ich bin hier" - eine Warnung, die uns Verheißung ist.
.

Kommentare:

sophophilo hat gesagt…

Ja, sie fehlte uns wirklich. Hätte sie noch weiteres Vergleichbares geschrieben wie jenes Buch, das erwähnt wurde, sie hätte vermutlich Gehör gefunden...

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Mhh, wenn Du da mal zum Grab hingehst und es ohne großen Aufwand machbar sein sollte, dann würde ich fast bitten, einen Stecken mitzunehmen und etwas Schnur, um das Rosenstöckchen etwas hochzubinden. Ich fürchte nämlich, daß die sonst nur auf der Erde rumhängen ...