Dienstag, 27. August 2013

Mosoch und Cedar

Auf einem der vielen Schlachtfelder der Lebens - Detail vom
Kriegerdenkmal auf dem Kirchhof von Beitnau im Schwarzwald
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Vor Anfechtungen ist man nirgends sicher. Jüngst betete ich die Vesper, als mich plötzlich einige Gedanken überfielen ... Warum mache ich das eigentlich? Was soll das bringen? Ist das nicht alles Humbug? Selbsttäuschung? Soll es wirklich ein Gegenüber geben, das sich von diesem Blabla angesprochen fühlt? Zielt nicht alles in Leere? Und so weiter. Einflüsterungen, mit denen man sich hin und wieder herumschlagen muß; manchmal halten sie sich eher leise im Hintergrund, diesmal aber bekam ich eine geballte Ladung ins Ohr geblasen.
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Schön wäre es, hätte ich ein Plan parat, wie man solcher Augenblicke Herr wird. Doch da ist bereits der erste Haken dran: Aus eigener Kraft geht da wenig. Hätten so viele unzählige Martyrer so viele unzählige Qualen erdulden können, ganz aus sich allein heraus und ohne zu wanken, ohne zu fallen? Sicher nicht - es hat schon seinen Grund, warum uns manches Zeugnis des Blutes übermenschlich scheint. 
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Ich will hier nicht die Teufeleien des Zweifels auf eine Stufe stellen mit dem Zeugnis, das die Martyrer ablegten. Aber in beiden Fällen können nicht wir die Fäden ziehen, sind nicht wir die Herren der Herausforderungen, sondern wir sind auf die Hilfe eines ganz anderen Herrn angewiesen: des Kyrios Jesus Christus.
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Zur Hilfe kam er mir durch einen Psalm der Gebetshore, der die aktuelle Stimmungslage auf- und abfing. Es war Psalm 119:
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Zum Herrn rief ich, als ich gedroschen ward,
und er erhörte mich.
Rette, Herr, meine Seele vor falscher Lippe,
vor trügerischer Zunge!
Was soll ich dir antun, was dir zufügen,
trügerische Zunge?
Geschärfte Pfeile des Kriegers
und glühende Ginsterkohlen!
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Wehe mir, der ich in Mosoch weile
und wohne in den Zelten von Cedar!
Zu lange schon haust meine Seele mit denen,
die den Frieden hassen,
denn wenn ich vom Frieden rede,
so rüsten sie zum Krieg.
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Mit einem Mal schien mir der Glaube weit weniger unwirtlich als der Alltag, der mich umgab: Mosoch ... Cedar ... später habe ich in einem Kommentar nachgeblättert, was hinter diesen Namen stecke? Orte der Verbannung, Orte, in denen man sich nicht beheimaten kann: Wild die Moscher zwischen dem Schwarzem und dem Kaspischem Meer, wüst die Gefilde der Nachkommen Ismaels in Cedar, feindlich die einen wie die anderen.
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Damit sei nicht der Weltverdrossenheit das Wort geredet. Aber es gibt vieles um uns herum und an uns selbst, was nicht so ist, wie es sein sollte. Und manchmal stürmt dies geradezu feindlich auf uns ein, wendet sich gegen uns selbst: Mosoch und Cedar.
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Zum Herrn rief ich, als ich gedroschen ward,
und er erhörte mich ...

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