Mittwoch, 14. August 2013

Kreuz and Crime

Heute kam ich in Kiechlinsbergen, einem Dorf im Kaiserstuhl, an gleich drei Sühnekreuzen vorbei. 
.
Sühnekreuze in Kiechlinsbergen
Es war - zum Glück - am hellichten Tag. Nachts aber muß man sich hüten, wenn man an diesen uralten Kreuzen vorübergeht, die von unsäglichen Verbrechen zeugen, die vor langer Zeit geschahen. Weh dem, der dann nicht selbst ein Kreuz schlägt und für die ruhelose Seele betet, die im Finstern am alten Stein seufzt - sei es nun die Seele eines Gemeuchelten, der ohne den Losspruch des Priesters starb und plötzlich neben einem schreitet, sei es nun die Seele seines Mörders, die seither am Kreuz umgeht und den Wanderer als Irrlicht mit ins Verderben zu reißen sucht.
.
Genug gespukt. Früher haben mich solche Sagen ungemein fasziniert, vor allem, nachdem mir ... wie alt war ich da, 12 Lenze? ... der "Regional-Klassiker" Schwarzwald-Sagen von Johannes Künzig in die Hände gefallen war; doch zurück zu den Sühnekreuzen von Kiechlinsbergen.
.
Tote gab's tatsächlich in deren Vorfeld. Sühnekreuze zählen zu den mittelalterlichen Rechtsdenkmälern und wurden seitens eines Täters in Absprache mit den Hinterbliebenen eines Opfers zur Wiedergutmachung gesetzt - in der Regel war all dem ein Totschlag im Affekt oder im Rahmen einer Fehde vorangegangen; gemeiner Mord hatte hingegen die Todesstrafe zur  Das Kreuz selbst sollte die Vorübergehenden zum Gebet für das Opfer und dessen Seelenheil ermuntern. Gegebenenfalls hatte der Täter auch eine Meßstiftung zu fianzieren oder unternahm eine Wallfahrt. Die unter Kaiser Karl V. erlassene Halsgerichtsordnung setzte ab 1533 diesen privaten Absprachen weitestgehend ein Ende.
.
Die Kreuze selbst sind in der Regel niedrig und robust behauen. Fehlstellen rühren nicht nur von Verwitterung und Alter her, sondern auch von der Annahme, daß der "Kreuzstaub" hilfreich gegen allerhand Zauber sei; bei Bedarf wurde er von manch Altvorderen den Kreuzen abgeschabt. Einziger Schmuck sind mitunter eingemeißelte Symbole, die auf die Tatwaffe oder den Beruf des Opfers schließen lassen. Bei einem der Kiechlinsberger Sühnekreuzen ist ein Rebmesser zu erkennen, bei einem weiteren eine Rebschere - wahrscheinlich war das jeweilige Opfer ein Weinbauer.

Kommentare:

Anni Freiburgbärin von Huflattich hat gesagt…

Schade. Die Schwarzwald Sagen von Künzig scheint es nicht mehr zu geben. Weder bei Gutenberg.de noch bei google books sind sie aufzufinden.
Und 20 € für eine gebrauchte Schwarte sind mir dann doch zu viel.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Ich hatte das Buch damals aus der Stadtbibliothek - zeitweilig quasi als "Dauerleihgabe" ... ;-)