Montag, 5. August 2013

In Maria gesammelt

Odo Casel OSB
... Jungfräulichkeit ist also in erster Linie Hingabe an das göttliche Pneuma, ungeteilt und ohne Abstrich, ist Brautschaft des Logos. Eine solche pneumatische Brautschaft muß ganz rein sein. Deshalb fließt aus der ungeteilten Hingabe die Reinheit der Seele und des Leibes. "Du läßt deinen Frommen nicht schauen die Verwesung" (Ps 15, 10). Aber die Jungfräulichkeit ist nicht etwa in erster Linie körperliche Reinheit. Nein, sie ist in erster Linie Demut und völliger Gehorsam gegen Gottes Pneuma. Alles andere fließt nur daraus.
Jede Sünde gegen die Demut, jeder Stolz, jeder Ungehorsam, jede Selbstsucht, jede Lieblosigkeit richtet sich auch gegen die jungfräuliche Reinheit, gegen die Gemeinschaft mit Gott. Deshalb nennt die Heilige Schrift den Hochmut gegen Gott "fornicatio" - Unzucht, Ehebruch -, weil ja die Schöpfung sich dadurch von ihrem Herrn und Bräutigam trennt und fremden Buhlen nachläuft. Durch diese Unzucht aber, durch ihre Gottvergessenheit und ihre Gottlosigkeit fielen die Menschen in die Verwesung und in den Tod.
Maria war die reinste Jungfrau, weil sie die demütigste Jungfrau war. Das heilige Pneuma konnte nur ein Gefäß überschatten und erfüllen, das sich ihm ganz rein darbot, ihm ganz geöffnet war. In Maria sammelt sich die ganze demütige Hoffnung des Alten Bundes auf den Messias, all jener, die das Heil nicht in eigener Kraft, sondern in Gott erwarteten.
In ihr war die Kirche vorgebildet, die aus der Wüste dieser Welt emporsteigt, gestützt auf ihren Geliebten. So war keine Faser an ihr, die nicht Gott ausschließlich gehörte. "Ich bin meinem Geliebten zu eigen, und seine Zuneigung gilt mir" (Hld 7, 10).
 Odo Casel OSB: Ansprache am Fest der Assumptio B.M.V. (1929) in: Mysterium der Ekklesia. Von der Gemeinschaft aller Erlösten in Christus Jesus. Mainz 1961. S. 408.

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