Dienstag, 6. August 2013

Die Ekklesia auf dem Tabor

Christi Verklärung - Deckenbild im Presbyterium der Pfarrkirche
St. Bartholomäus zu Ettenheim in Baden
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Daß in Jesus Christus Gott selbst in seine durch ihre Sünde entratene Schöpfung hinabgestiegen ist, um sie von innen her zu richten und zu heilen, wird uns vor allem in jenen Ereignissen besonders deutlich, in denen sich das Leben Jesu mit einer Epiphanie verbindet. Die Wunder des Kyrios zählen dazu, in denen Jesus Tote zurück in dieses Leben ruft, Menschen an Seele und Leib heilt oder ihren Hunger stillt durch sein Wort, auf das hin selbst wenige Brote und Fische ausreichen, um der Menschen große Zahl zu sättigen. 
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Manchmal wird besonders deutlich, daß dieser Jesus nicht nur Mensch ist. Seine Sendung und sein Sein werden in besonderer Weise beglaubigt - einmal bei der Taufe, dann bei der Verklärung. Beide Male werden die Umstehenden Zeugen übernatürlicher Erscheinungen und hören eine Stimme vom Himmel: Dieser sei der geliebte Sohn, an dem der Vater sein Wohlgefallen habe. Vielleicht könnte man den Tod am Kreuz auch hinzurechnen - während Jesus seinen Geist in die Hände seines Vaters empfiehlt, bekennt ihn der römische Hauptmann als den Sohn Gottes, zerreißt der Vorhang im Tempel des Alten Bundes.
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"Wir waren ja Augenzeugen seiner Herrlichkeit", schreibt Petrus in einem seiner Briefe in Erinnerung an die Verklärung Christi auf dem Tabor, und fährt fort:
Er empfing von Gott dem Vater Ehre und Herrlichkeit, als von der erhabenen Herrlichkeit die Stimme auf ihn herabkam: "Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe". Diese Stimme haben wir vom Himmel erschallen hören, als wir mit ihm auf dem heiligen Berge waren. Überdies haben wir das zuverlässige prophetische Wort. Ihr tut gut, wenn ihr euch daran haltet. Es ist eine Leuchte, die einen hellen Schein in das Dunkel wirft, bis der Tag anbricht und der Morgenstern in euren Herzen aufgeht (2 Petr 1, 17-19).
Prophetisch auch die Bestätigung, die wir auf dem Tabor sehen: Moses und Elias beglaubigen die Sendung Christi. "Augenzeugen seiner Herrlichkeit" sind eben Petrus, dem die Ekklesia anvertraut werden wird, dann Jakobus, der erste Bischof der Urgemeinde von Jerusalem als deren Keimzelle, und Johannes, der Künder des fleischgewordenen Logos, der das rein Historische, das rein Zeitliche und Örtliche der Geschichte Jesu wie kein anderer unter den Evangelisten aufbrechen wird in den weiten Horizont einer vertikalen wie horizontalen Katholizität der Heilsökonomie. 
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Es ist die kommende Ekklesia, die in diesen drei Aposteln auf dem Tabor steht und die bis heute in der Feier der heiligen Mysterien die Herrlichkeit des Kyrios unserer Gegenwart entbirgt, denn je ...
...herrlicher Christus ist, desto herrlicher strahlt die Ekklesia, die all ihr Licht von ihm empfängt, wie der Mond durch das Sonnenlicht golden leuchtet. Je mehr wir Christus erkennen in seiner Glorie, der Glorie des Vaters, die ihm zukommt als dem Eingeborenen, desto mehr erkennen wir auch die Größe und Schönheit der Kirche; wir erkennen und schauen sie dann immer mehr in ihrer himmlischen Gestalt (...), so daß wir sie immer mehr in ihrer inneren Herrlichkeit lieben. "Omnis gloria eius filiæ regis ab intus - Alle Schönheit der Königstochter ist innen" (Ps 44, 14 Vulg.). Wir sehen immer mehr ihre Einheit. Sie ist kein Haufen von Individuen, sondern die eine Braut, durch das eine Haupt und das eine Pneuma zu einer übernatürlichen, mystischen Person zusammengefügt und erhöht (Odo Casel OSB).
Im auf dem Tabor verklärten Kyrios sehen wir also auch die Berufung der Ekklesia zur Herrlichkeit - was zugleich ein unmittelbarer Ruf an uns ist, diese Herrlichkeit wiederum in unserem Leben den Menschen zu spiegeln - auf daß der Morgenstern nicht nur in unseren Herzen aufgehe.

1 Kommentar:

Simplicius hat gesagt…

Mal wieder (man braucht es eigentlich gar nicht mehr zu sagen) eine ganz ausgezeichnete ekklesiologische Deutung des heutigen Festes.

Dazu noch zwei Verse aus dem Hymnus, den die Kirche heute in Teilen zur Vesper gesungen hat:

Hic rex priorum iudicum,
Rexere qui Iacob genus,
Dominæque rex ecclesiæ,
Templi et novelli et pristini.

Gaudete, quicquid gentium est,
Iudæa, Roma et Græcia,
Ægypte, Thrax, Persa, Scytha
Rex unus omnes possidet.


und, weil ich gerade schon dabei bin, das Kirchengebet aus dem ambrosianischen Ritus:

Illumina, quaesumus Domine,
populum tuum, et splendore
gratiae tae cor eorum semper
accende
: ut Salvatoris mundi,
aeterni luminis gloria famulante,
manifestata celebritas mentibus
nostris reveletur semper, et
crescat. Per eumdem Dominum...