Donnerstag, 8. August 2013

Der Ganztagsarbeiter - Fest des hl. Johannes Maria Vianney, Pfarrer von Ars

der hl. Johannes Maria Vianney, Pfarrer von Ars
Kirche St. Gallus, Merzhausen bei Freiburg
"Hört gut zu, meine Kinder", belehrte er seine Gemeinde von der Kanzel herab, "es hat nichts mit Tugend zu tun, wenn ihr die halbe Nacht im Gebet verbringt, während ihr doch am anderen Tag arbeiten müßt. Ihr wacht morgens nur schläfrig auf, arbeitet tagsüber schlecht und ärgert euch über jede Kleinigkeit".
Die Geistlichkeit dagegen, so meinte er, sollte all ihr Denken und ihre ganze Zeit dem Himmel widmen.
"Besuche bei den Konfratres sind noch kein Grund zum Kartenspielen", sagte er einem Priester im Beichtstuhl.
"Ja, Vater, aber was sollen wir denn anfangen, wenn wir eine Gesellschaft haben?"
"Gebt keine Gesellschaften".
"Ja, Vater, wenn mich nun aber ein Konfrater bittet, zu ihm zu kommen und seine Beichte zu hören?"
"Hören Sie seine Beichte an und gehen sie dann gleich wieder fort".
"Schon gut, Vater, ich verspreche ihnen, das Kartenspielen aufzugeben, wenn Sie für mich beten wollen".
"Jetzt langt's mir aber", sagte der Pfarrer und schloß das Gitterfenster.
Jesuiten und Väter vom Kostbaren Blut, die Bridge spielen, halten das sicherlich für ein hartes Wort und fragen sich wohl, was der Pfarrer wohl zu Totowetten gemeint haben würde. Der Pfarrer von Ars hätte von Totowetten genau so viel gehalten wie von Streitgesprächen über "Schöpferische Literatur" oder von Passionisten, die Manhattens trinken. Der Pfarrer war ein Ganztagsarbeiter an der Bekehrung von Seelen, und er meinte, daß alle übrigen Geistlichen es ebenfalls sein müßten.
Bruce Marshall: Der Pfarrer von Ars. Köln und Olten (2) 1959. S. 62 f.

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