Sonntag, 11. August 2013

Der Christ in der Welt

Einige grundsätzliche Gedanken zu Stellung und Aufgabe des Christen in der Welt - ein Auszug aus einem Vortrag über das Sakrament der Firmung von Alfred Delp SJ, der mir auch heute sehr aktuell scheint. Eigentlich müßte man diesen Text hören, von einer Kanzel etwa, um nicht nur den Anspruch der Aussage zu erfassen, sondern auch der Intensität der Sprache gewahr zu werden. Zur Sache:
Es hängt für uns Christen viel, ja fast alles davon ab, daß wir mit unserem Christentum zurechtkommen in der Welt, in der wir leben, in der Wirklichkeit, wie wir sie erleben. Daß wir uns durch unsere Religiosität, unsere Frömmigkeit nicht in ein Ghetto des Daseins verdrücken und erschrecken lassen und flüchten. 
Es hängt für uns wirklich fast alles davon ab, daß wir das alte Bewußtsein wieder gewinnen von dem, was wir sind, daß wir wieder ernst nehmen die Worte Gottes, die an uns ergangen sind, und die Taten Gottes, die an uns geschehen sind, damit wir in der Welt uns nicht fremder fühlen, als wir sein müssen; und damit wir in der Welt und im brausenden Geschehen des Lebens nicht klein uns fühlen oder gar klein sind, da wir doch groß sind; daß man uns doch anspürt, daß wir wissen und glauben und daran halten, daß Christus das große und endgültige Wort ist aus dem Herzen Gottes in die Welt hinein und daß wir Repräsentanten sind; daß wir deswegen im Leben zu stehen haben als die Erfüllten, als die Sicheren, als die Menschen, die innerlich gegründet sind und um ihren Grund auch wissen; als die Menschen, die auch dann noch stehen, wenn ringsum alles nach Halt greift und ins Wanken gerät.
Wenn wir hier sprechen von einer siebenfachen Not der Welt und des Lebens, dann ist das keine Schlechtmacherei des Daseins oder Kritisiererei am Leben. Es ist einfach ein Spüren und Einsehen, daß alles, was wirklich ist, heim will zur Heimat des Wirklichen und daß es diese Heimat nicht in sich findet und daß deswegen der letzte Herzschlag alles dessen, was lebt, Frage ist und Suchen ist und daß wir dastehen sollen als die Träger der Antwort, als die Menschen, die durch ihr Dasein Antwort sind.
Alfred Delp SJ: Zwischen Welt und Gott [Sammlung verschiedener Text herausgegeben durch Paul Bolkovac SJ]. Frankfurt am Main 1957. S. 122.

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