Sonntag, 4. August 2013

Das Problem als Lösung?

Nebst dem schier unvermeidlichen Pater Anselm Grün als geistlichem Leiter ist Wunibald Müller für das Recollectio-Haus bei der Abtei Münsterschwarzach verantwortlich; in der Einrichtung werden Priester für eine Weile betreut und therapiert, die aus der Spur geraten sind; Müller gilt als Fachmann für vielerlei Fragen rund um priesterliches Selbstverständnis. Bereits längere Zeit spricht sich der Therapeut für die Integration von Homosexuellen in die Priesterschaft aus und regt überdies an, Frauen stärker in die kirchliche Arbeit einzubeziehen.
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Im zunehmenden Mangel an - in seinen Augen - geeigneten Kandidaten sieht Müller nun (was bereits hier und hier zur Sprache kam) einen Fingerzeig Gottes - denn was wohl will uns der Herr sagen, da er ja offenkundig keine Arbeiter in seinen Weinberg senden mag? O-Ton Müller:
Ist es nicht so, daß es jetzt höchste Zeit wird, daß man auch Männer zulässt, die heiraten dürfen, und daß man danach auch Frauen zulässt. (...) Dann würde auch ein ganz anderes Bild von der Priesterschaft ausgehen.
Über die fachlichen Qualifikationen von Wunibald Müller kann und will ich nicht urteilen; wenngleich ich den Eindruck nicht loswerde, daß man sich in der Welt der Psychiater, Psychotherapeuten und Psychoanalytiker ohnehin gerne hin und wieder gegenseitig Inkompetenz bescheinigt. Mir aber fehlt der Ein- und Überblick. Die Hake aber, die Müller hier schlägt, ist, das glaube ich beurteilen zu können, billig.
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Hier nämlich handelt es sich um jenen Wahnsinn, dem der Dichter Methode bescheinigt. Und die sieht so aus: Erst läßt man alles vor die Hunde kommen, um dann eine Option anzupreisen, die zufällig ganz der eigenen Agenda entspricht, mit der man zuvor schon viel zugrunde gerichtet hat - eine Strategie, derer sich die Deformationsfront immer wieder gerne bedient.
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Seien wir ehrlich: Daß sich immer weniger junge Männer für das Priesteramt entscheiden, hängt doch damit zusammen, daß es kaum eine Pastoral gibt, die schlummernde Berufungen weckt und in der Fläche fördert - was aber gerade in unseren Zeiten, in welcher der Ruf Gottes vom Krach der Welt mehr denn je übertönt wird, höchst notwendig wäre. Im weniger schlimmen Fall wird einfach nichts in diese Richtung konsequent unternommen; schlimmer noch ist es bestellt, wenn die Priester vor Ort ihre Unzufriedenheit mit der Ekklesia mittels Memoranden und in der Verkündigung zelebrieren. Wer, bitte, möchte alsdann bei so einem Verein anheuern, selbst wenn er eine gewisse Neigung verspürte, in der sich womöglich tatsächlich Gottes Ruf entbergen könnte? 
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Komme mir jetzt bitte keiner mit dem Einwand, es gäbe doch Beratungsstellen! Berufspastoral beginnt in den Gemeinden, in Katechese und Verkündigung und - nicht zuletzt - im Gebet und vor allem in der Feier der Heiligen Mysterien. Es versteht sich von selbst, daß damit mehr gemeint ist, als daß im Pfarrbüro die Telefonnummer einer Beratungsstelle hinterlegt ist, irgendwo am Ausgang ein verstaubtes Plakat zum Thema hängt und der Priester die Anbetungsstunde für geistliche Berufe, wenn es sie überhaupt gibt, einigen treuen Omas überläßt. Warum auch sollte der Herr Arbeiter in seinen Weinberg senden, wenn man faktisch drauf zu pfeifen scheint?
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Ich möchte die oben benannte Strategie noch an einem anderen Beispiel demonstrieren. Neulich las ich irgendwo, man solle doch endlich die gemeinsame Eucharistie erlauben, da die Menschen ohnehin keinen Unterschied mehr erkennen würden in der Spendung der heiligen Kommunion und der Darreichung des Abendmahles. Diese These ist leider keineswegs steil, aber trotzdem dreist. Vor allem "katholische" Theologen untergraben schließlich seit Jahrzehnten die Glaubenslehre und halten die Leute dumm. Dumm wie Brot eben, möchte man beinahe hinzufügen - angesichts der Materie des Altarsakraments und dem, was darüber vermittelt wird. Um eines deutlich zu sagen: Es geht mir nicht darum, den Menschen einzubläuen, was uns von den Protestanten trennt, sondern ihnen das je Eigene zu vermitteln, was in unserem Fall nicht mehr und nicht weniger ist als das testamentum Domini. Umso haarsträubender nimmt sich die Forderung aus, man solle doch auf dem aktuellen theologischen Niveaulimbo jetzt schleunigst gemeinsame Sache machen.
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Angesichts der Untätigkeit des Episkopates trotz all dieser Umtriebe brauchen wir eines nun sicher nicht: eine Stärkung der Ortskirche aus dem Geist der Kollegialität der Bischöfe. Da bewahre uns Gott vor!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Warum sollte ein junger Mann Priester werden, wenn es anständige berufe gibt?

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Thema verfehlt. Setzen. Sechs. ;-)

Braut des Lammes hat gesagt…

Ein prima Beitrag, danke.