Samstag, 13. Juli 2013

Klarheit statt Klittern

Ausgehend von der Entscheidung des Heiligen Vaters, während des WJT in Brasilien die Heilige Messe in portugiesischer Spreche zu feiern, erwägt¡Buen Camino! Sinn und Wert der lateinischen Kultsprache. Nur Kultsprache? Eben nicht, folgte man diesen Überlegungen - auch für die Integrität der Glaubenslehre ist Latein ein hoher Garant:
Die Sprachenzersplitterung ohne den Kitt des Lateinischen war und ist gefährlich für die Gemeinschaft der Universalkirche und den Inhalt des Glaubens. Häresien wurde immer über Sprachklitterung und Ungenauigkeit salonfähig und standfest gemacht.
Nun gut, vielleicht nicht "immer", aber in unserer Zeit immer wieder gerne. Eine der Strategien, die darauf verwandt werden, greift auf semantische Sperenzchen zurück und ließ sich jüngst im Rahmen der Blogozese beobachten: 
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Erst wurde in der Botschaft vom Kyrios, der einmal kommen wird, "Gericht zu halten über die Lebenden und die Toten" (iudicare vivos et mortuos), das strenge Wort iudicare in seiner deutsche Bedeutung "richten" wiedergegeben, um es von dort aus in allerlei Fabeleien aufzulösen - wie etwa "aufrichten" etc. Deutlicher kann man, möchte man meinen, eine wiewohl unbequem dünkende, aber verbindliche Glaubenslehre nicht "hinrichten".
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Die Erwägungen von ¡Buen Camino! sind hier zu finden.

Kommentare:

Braut des Lammes hat gesagt…

Na ja, also, ich mag lateinische Messen auch sehr gern, aber es ist mir noch nicht passiert, daß ich nicht genau hingehört hätte, weil ich nicht im Schott mitlese. Das Gegenteil dürfte sogar der Fall sein, das Lesen im Schott zöge mich innerlich ab. Die lateinische Messe mag ich deshalb, weil es Texte sind, die mir in meiner Muttersprache sehr vertraut sind. Daß uns die Liturgie in unserer Muttersprache „ein teutonisches Denken durch die deutsche Sprache“ aufzwängt, scheint ebenfalls einigermaßen subjektiv.

Erfahrungen mit Konzelebranten aus südamerikanischen Ländern und Angebote, gern die Messe auch auf Latein feiern zu wollen, haben hier übrigens regelmäßig das Ergebnis, daß diese das eigentlich nicht wollen, man hat das Gefühl, Latein ist ihnen ein böhmisches Dorf. Da der WJT nun aber einmal in Rio stattfindet… Man kann sicherlich viele gute Argumente finden, gerade Messen, bei denen die Teilnehmer polyglott zusammengesetzt sind, auf Latein zu feiern, aber so wichtig ist diese Entscheidung des Heilige Vaters nun auch wieder nicht, daß man sich darüber in Rage reden kann.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

In der Tat ist es keine Entscheidung, derentwegen man nun gleich wieder am Totenglöcklein der Liturgie ziehen müsste - freilich ist bei internationalen Begegnungen die Wahl einer bestimmten "aktuellen" Sprache immer problematisch. Nimmt man die Sprache des Gastgebers, auch wenn die meisten diese nicht verstehen? Nimmt man Englisch? Oder Spanisch mit Blick auf Latein- und Südamerika? Da hielte ich Latein schon allein deswegen für die beste Wahl.
Beim Papstbesuch in Freiburg beschwerte sich danach ein, sorry, Funktionskatholik über das lateinische Pater noster ... ich hätte, angesichts auch vieler Besucher aus dem Elsaß und aus Frankreich, noch mehr Latein eingebaut ... ;-)

Braut des Lammes hat gesagt…

Wem sagst du das – bei der Heiligen Messe im Olympiastadion war das Hochgebet lateinisch. Im Vorprogramm wurden die Teilnehmer eigens von einem Kleriker darauf hingewiesen, daß wir leider das lateinische Hochgebet „abgekriegt“ hätten. Also, da waren wir platt… (über die Formulierung, nicht über das Latein). Angesichts der vielen Polen etc. war Latein da übrigens wirklich die beste Wahl.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Vielleicht ist das auch ein Beispiel für besagtes teutonisches Denken durch die deutsche Sprache ...?!?

;-)

Braut des Lammes hat gesagt…

Nein, da hat sich wohl nur jemand versprochen… ;P

clamormeus hat gesagt…

@Braut des Lammes

Das mit dem "böhmischen Dorf" ist ja eines der Probleme. Von den unter 50 jährigen haben nur wenige je eine lateinische Messe erlebt.
Statt den Vorgaben des SC zu folgen, hat man das Latein als universelle und auch einigende Sprache des Kultus de facto getilgt; in Rage reden muß man sich ober den WJT nun tatsächlich nicht, aber man darf sich fragen, warum hier mit Benedikts akzeptierter Praxis gebrochen wird. Die Übertragungen der Messen "seiner" WJTs berührten sehr, gerade beim Credo und Paternoster, und gerade in einem Land, wo Kleriker so reagieren können, wie von Dir geschildert.

Wolfram hat gesagt…

Um aufs iudica me abzuheben (meine Meinung zum Lateinischen als Fremdsprache für alle dürfte dir bekannt sein): das ist der Beginn des 43. Psalmes (42. nach LXX und Vulgata), der Fortsetzung des 42. (41.) vom röhrenden Hirsch, welche Mendelssohn so vollmächtig in Musik gefaßt hat.
Und natürlich hat Luther übersetzt: "richte mich, Gott" - von Mendelssohn so übernommen. Der Sinn des hebräischen shaftheni ist da aber eben nicht "sitze über mich zu Gericht" (als Richter - iudex), sondern "schaffe mir Recht" (als Anwalt, Fürsprecher - Paraklet, vgl. Joh. und 1Joh).
Im Hebräischen ist diese Doppelbedeutung von "richten" und "Recht schaffen" geläufig, im Lateinischen kenne ich sie nicht.

Das krinai im Apostolicum derart umzudeuten, wie du es gefunden hast, ist allerdings eine ziemliche Delle im Niveau. Nur: der hilft keine lateinische Liturgie ab und keine griechische, solange die liturgische Sprache nicht auch verstanden wird. Dann müßte man eher das "zu richten die Lebenden und die Toten" neu formulieren in "um Gericht zu halten über die Lebenden und die Toten".

(Warum eigentlich ist man im Französischen von "resurrection des morts" zu "resurrection de la chair" gegangen, während man im Deutschen etwa zur gleichen Zeit von der Auferstehung des Fleisches zur Auferstehung der Toten ging?)

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Man könnte freilich sagen, daß "richten" bedeute, jemanden in die Wahrheit über sich selbst zu stellen - was zumindest in Konsequenz auch heißen kann, daß Recht verschafft wird (im Allgemeinen wie im personal Besonderen).

Wolfram hat gesagt…

Klingt verlockend. Damit aber tut man, was Heidegger seinerzeit vorgeworfen wurde: ein existierendes Sprachsystem mit neuen Bedeutungen versehen. Es würde zwar die Übersetzung aus dem Hebräischen einigermaßen zutreffend wiedergeben, aber von den Menschen wieder nicht verstanden werden. Und der Sinn der Sprache besteht nun mal darin, daß der Hörende das versteht, was der Sprechende ausdrücken will.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Womit wir (fast) wieder beim Titel dieses Eintrages angekommen wären ... ;-)