Freitag, 19. Juli 2013

Gehört zusammen: Caritas und Kerygma

Der hl. Vinzenz von Paul -
Glasfenster in der Pfarrkirche
St. Etienne, Mulhouse, Elsaß
"Kommt ihr in eine Stadt und nimmt man euch auf, so esst, was euch vorgesetzt wird. Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt ihnen: Das Reich Gottes ist nahe" (Lk 10, 8 f.) - mit diesen Worten schließt das Evangelium der Messe am heutigen Fest des hl. Vinzenz von Paul, das von der Sendung der siebzig Jünger durch Jesus berichtet.
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Zwei Pole scheinen mir diese Sendung zu bestimmen: Zum einen die Caritas, die tätige Liebe: "Heilt die Kranken" - damit sind wir übrigens ganz nahe am Lebensmotto des hl. Vinzenz von Paul "Liebe handelt". Diesem nun ebenbürtig ist das Kerygma, die Verkündigung: "Das Reich Gottes ist nahe". Beides gehört bei Christus zusammen.
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Von Zeit zu Zeit hört man aus "reformbewegten" Kreisen den Vorwurf, lehramtstreue Katholiken kümmerten sich nur um Orthodoxie, Liturgie, die Sittenlehre und dergleichen mehr, während die Liebe ("soziales Engagement") auf der Strecke bleibe. Ob der Vorwurf zurecht besteht, sei dahingestellt - in diesem Punkt gelegentlich das Gewissen zu erforschen ... wird jedenfalls kein Fehler sein (daß man den Vorwurf ebenso gut umdrehen könnte, soll hier ebenso wenig tiefer erwogen werden wie der Umstand, daß einmal im Monat nach der Messe Dritte-Welt-Kaffee zu verkaufen ein soziales Engagement darstellt, das man durchaus auch steigern kann).
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Und die Verkündigung des Reiches Gottes? Das Reich Gottes, dies zu betonen ist heute leider besonders notwendig, wächst in und mit der Ekklesia, aber auf keinen Fall gegen sie oder außerhalb. Und es muß vor allem mit der Ekklesia verkündet werden! Das Evangelium deutet die Herausforderung dieser Verkündigung an: "Macht euch auf! Ich sende euch wie Lämmer unter die Wölfe!" (Lk 10, 3); das apostolische Engagement scheint nicht minder aufreibend als das soziale. Den Kopf aber sollen wir nicht hängen lassen, auch wenn die Lage manchmal schier aussichtslos scheint. Der hl. Vinzenz ermuntert uns:
Wenn ihr nicht die ganze Welt befriedigen könnt, so soll euch das keinen Kummer bereiten; denn unser Herr selbst hat es nicht getan. Wie viele haben sich gefunden und werden sich noch finden, die an seinen Worten und Werken etwas zu tadeln haben?

Kommentare:

Wolfram hat gesagt…

Im Lesen dieses Blogeintrags komme ich nicht umhin, mir zu denken: tous les mêmes, sie sind doch alle dieselben.
(allzumal Sünder, die des Ruhmes mangeln, den sie vor Gott haben sollten... dixit Paulus)

Meine lieben lieberalen [sic] Geschwister denken genau so über die Pietischte und anderen Betbrüder und Chorälesinger.
Vorsicht ist geboten, die Balken hängen tief und können leicht ins Auge gehen. Und mit Sankt Johanne Apostolo sowie Sankt Jacobe (hoffentlich stimmt das Latein) möchte ich sagen, wenns Glauben stimmt, stimmt auch das Sozialengagement, aber wenns Glauben nicht stimmt, ist alles Sozialengagement für die Recyclingtonne, und wenn die tätige Nächstenliebe fehlt, dann stimmts auch beim Glauben nicht.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

"Einheit in der Unzulänglichkeit" - das wäre doch mal ein neuer ökumenischer Ansatz ... ;-)