Donnerstag, 4. Juli 2013

Es waren einmal einige Fischlein

"Fischlein" und Brote - in der
Evangelischen Kirche Hinterzarten
Manchmal könnte ich mir in der "alten Messe" die Haare raufen. Das passiert zwar selten, kommt aber vor. Nicht der heiligen Liturgie direkt, sondern gewisser Begleiterscheinungen wegen.
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Der vergangene Sonntag, der sechste nach Pfingsten, wartete mit dem Evangelium von der Speisung der Viertausend auf (Mk 8, 1-9). Was nun soll die Vielen, die drei Tage lang bei Christus ausharrten, sättigen? 
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Sieben Brote und - wir nähern uns dem Elend - pauci pisciculi. Piscis ist der Fisch, pisciculus ist ein kleiner Fisch und pauci pisciculi sind "wenige kleine Fische". Aus den "wenigen kleinen Fischen" wurden alsdann, als das Evangelium deutsch vorgetragen wurde, "einige Fischlein". 
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Lieber Gott! Ich bin ja dankbar für all die Schotts und Bomms dieser Welt, auch wenn deren Textfassungen in extremen Fällen bald 100 Jahre auf dem Buckel haben. Aber noch viel dankbarer bin ich, daß ich hinreichend Latein gelernt habe, um nicht restlos diesen uns Heutigen manchmal fürchterlich verschmockten Übersetzungen ausgeliefert zu sein; zuweilen anhören muß ich sie mir trotzdem. 
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Wenn hier nun von "Fischlein" die Rede ist, dann stehen mir sofort die Jünger vor Augen, die zu Jesus kommen und sagen: "Guck mal, hier haben wir noch ein paar niedliche kleine Fischlein" - wo doch eher gemeint ist: Et habebant pisciculos paucos - "sie hatten auch wenige mickrige Fische": mickrige Makrelen sozusagen, die nie und nimmer dazu taugen, auch nur vier hungrige Mäuler satt zu bekommen, geschweige denn viertausend. 
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Der heiligen Liturgie etwas angemessener würde man sagen: "sie hatten auch einige kleine Fische". Aber bitte keine "Fischlein" - da könnte man In illo tempore auch gleich mit "Es war einmal" übersetzen. Manchmal wünsche ich mir schon, man würde die ein oder andere Übersetzung im Bereich der außerordentlichen Form des römischen Ritus endlich ein wenig auf Vordermann bringen ... man muß nicht immer alles hüten und bewahren, nur weil es "alt" ist.
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Das gilt, am Rande bemerkt, übrigens auch für pauci superorthodoxi, die noch immer der Überzeugung sind, sie erbrächten Unserer Lieben Frau einen ganz besonderen Ehrenerweis, wenn sie diese "gebenedeit unter den Weibern" heißen ...

Kommentare:

Simplicius hat gesagt…

Erst nehmen uns die Modernisten die Weiber, und jetzt auch noch die süßen kleinen Fischlein :-(

(Technisch gesehen wird das Diminutiv [und das ist es ja im Lateinischen und Griechischen] in unseren schönen Sprache nun mal mit den Endsilben -chen und -lein angezeigt. Aber sinnvoller ist natürlich Deine Übersetzung.)

Braut des Lammes hat gesagt…

Das gilt, am Rande bemerkt, übrigens auch für pauci superorthodoxi, die noch immer der Überzeugung sind, sie erbrächten Unserer Lieben Frau einen ganz besonderen Ehrenerweis, wenn sie diese "gebenedeit unter den Weibern" heißen ...
Ja, genau, danke.

clamormeus hat gesagt…

...und das waren keine Hechte oder so ne Öschis ne, eher so Sardellenzeugs, magersüchtig wie drei Topmodels...

nun ja ob Frau oder Weib, man sollte halt einig sein, mir würde es schon reichen wenn man "gebenedeit" auch [ɡəˌbeneˈdaɪ̯t] betont, statt daß man so akzentuiert voll auf die Beene hinzielt...;-)

Aber ich versteh Deinen Unmut bestens, mir fiele noch einiges mehr ein zu vermeintlichen Traditionen, zu viel für jetzt.

PS: danke bei der Gelegenheit für den Heimsuchungspost!!

Geistbraus hat gesagt…

also als ich meine (lutherische) Mutter mal zu Weihnachten mit in die Alte Messe nahm, beschwerte sie sich über die "moderne" Bibelübersetzung, die da verwendet würde...

Alles ist relativ...

...und: Kewin is back!!

Simplicius hat gesagt…

Als ich mal in der Schweiz einen Rosenkranz vor der Messe mitgebetet habe, musste ich fast laut losprusten. "...jetzt und in der Stunde unseres Absterbens!" Für den Rest des Rosenkranzes und Teile der Messe habe ich nur noch schwarze Füße und lepröse Gliedmaßen vor mir gesehen...

Wolfram hat gesagt…

Simplicius hat schon recht: es ist ein Diminutiv. Genau wie ichthydia (gr.). Und der deutsche Diminutiv ist nun mal -lein. Oder -chen, was (meiner unschuldigen Vermutung nach) mehr aus dem Niederdeutschen kommt, das -lein mehr aus dem Oberdeutschen... aber Fischchen, wiewohl existent, ist blöd auszusprechen. In meiner sauerländischen Heimat wären es Fischskes (sg: Fischsken) gewesen...

Aber du hast natürlich recht, das kann man so nicht (mehr?) sagen:
Und er fragte sie: WIe viel habt ihr Brote? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem Volk, daß sie sich auf die Erde lagerten. Und er nahm die sieben Brote und dankte und brach sie und gab sie seinen Jüngern, daß sie dieselben vorlegten; und sie legten dem Volk vor. Und hatten ein wenig Fischlein; und er dankte und hieß die auch vortragen. Sie aßen aber und wurden satt und hoben die übrigen Brocken auf, sieben Körbe. Und ihrer waren bei viertausend, die da gegessen hatten; und er ließ sie von sich. (Luther, rev.1912)

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Wer schiebt mir denn da einen Luther unter ... !?! ;-)

Die "Stunde unseres Absterben" ist bis heute lebendig (?) in gewissen Schweizer Kreisen (waren wir etwa bei den Piusbrüdern zur Messe?),ebenso wie die Bitte "für uns arme Sünder" ...

... wobei das dann alles derart Oldschool ist, daß es schon wieder postmodern wirkt.

Eugenie Roth hat gesagt…

Über den Ausdruck "Weiber" hat man mich aufgeklärt, dass "Frau" das gebärfähige weibliche Wesen sei, "Weib" jedoch weibliche Wesen jeden Alters.
Da kann ich dies verkraften ... auch wenn ich (auch aus dem "weiblichen" Grund) den Rosenkranz lieber alleine und auf lateinisch bete.
So lernt man ganz nebenbei (und leider etwas langsam) Latein (((-;

Wolfram hat gesagt…

Das ist nett gesagt, Eugenie, aber meines Wissens falsch:

Frau ist in alten Zeiten, wie Herr, der Ehren- und Adelstitel des verheirateten weiblichen Wesens, entsprechend dem französischen Dame und Seigneur (und dem englischen Lady, manchmal auch Dame, und Sir). Das weibliche unverheiratete Wesen heißt Fräulein.

@PSS: Luther war guter Katholik, besser als die Päpste seiner Zeit...
Weib steht auch fürs Eheweib gleich welchen Alters.

Der Ehrentitel hat aber eine Banalisierung erfahren, und heute spricht man von Frau, wo man zu Luthers Zeiten Weib sagte, und von Dame, wo man seinerzeit Frau sagte. Aber noch Goethes Gretchen stellt fest: ich bin kein Fräulein! (sprich: keine Adlige.)

Braut des Lammes hat gesagt…

Zudem ist ein Mädchen kein Weib und war es auch nie…

Wolfram hat gesagt…

Tss, in meinem Kommentar ist eine Zeile, die eigentlich am Schluß stehen sollte, in die Mitte gerutscht!

Und die Braut hat völlig recht.