Mittwoch, 24. Juli 2013

Der katholische Jugendliche und die katholische Jugend

Frischer Wind tat jüngst in der Tagespost den Brief eines Jugendlichen auf (hier) und Eugenie von Ut in omnibus jazzte das zu einer Art "Aufstand der katholischen Jugend" hoch (hier) - was Unsere Freche Frau fragwürdig fand (hier), der Geistbraus alsdann ein freches Haar in der Suppe sah und zu Großkalibern griff (hier). Business as usual, möchte man beinahe meinen.
.
Unsere Freche Frau liegt natürlich nicht ganz daneben, wenn sie darauf hinweist, daß ein katholischer Jugendlicher noch keine katholische Jugendbewegung ist. Ein Schwalbe macht noch keinen Sommer. Selbst wenn man die Jugendlichen in den Blick nimmt, die in kirchlich-traditionsfrohen Jugendbünden organisiert sind, so wird man nur dann von der katholischen Jugendbewegung sprechen können, wenn zweifelsfrei feststeht, daß der BdkJ alles mögliche sein mag, nur nicht katholisch. Lassen wir das mal - stellen aber fest, daß es katholische Jugendbünde abseits der BdkJ-Linie gibt, die man nicht einfach unter den Teppich kehren kann, auch wenn sie an Zahl und Mitgliedern nur mit einem sehr überschaubaren Bruchteil der im BdkJ versammelten Organisationen aufwarten.
.
Nebst der im benannten Scharmützel schwelenden Frage "Wer hat wieviel / wer bietet mehr?" kann man aber auch fragen "Wer arbeitet eigentlich zukunftsorientiert?" - eine Frage, die jenseits aller Zahlenspiele keine geringe Rolle spielt. Also: Wie tief konnte der Glaube durch katholische Jugendarbeit Wurzeln schlagen? Haben sie jene tieferen Schichten erreicht, die auch dann Wasser führen, wenn der Glaube sich in der Wüstenei der Welt bewähren und bezeugen soll? Oder wurden nur einige löchrige Zisternen gegraben? Um eines dabei klarzustellen: Das Ziel der katholischen Jugendarbeit kann sich nicht darin erschöpfen, sozial interessierte Zeitgenossen, Menschen mit Zivilcourage oder gute Demokraten zu formen. Katholische Jugendarbeit bedeutet zuerst einmal, darauf hinzuarbeiten, daß der Mensch auch als Erwachsener in einer engen Beziehung zu Gott und der Kirche lebt. Alles andere, so gut und so schön und so richtig es auch immer sein mag, ist davon fruchtbringend abzuleiten, die Liebe zum Mitmenschen inbegriffen.
.
Stehen Gott und die Kirche im Zentrum der katholischen Jugendarbeit, dann bedarf es auch keiner Event-Gottesdienste, in denen Gott vor allem als Projektionsfläche für Hoffnungen und Wünsche vorgeführt wird. Wird das Wesentliche vermittelt, dann bedarf es all der jugendtümelnden liturgischen Verrenkungen nicht. Im Text von Odo Casel OSB, den ich erst gestern hier in Erinnerung gerufen habe, heißt es zu Recht:
... die Hingabe an Christus und die Kirche erschließen den Zugang zu den christlichen Mysterien.
Hier sind natürlich auch Katechese und Verkündigung gefragt. Wie zielorientiert wird dies angegangen und was sind die Inhalte? Ein Vergleich ... nehmen wir an, in einer Pfarrei treffen sich die Jugendlichen zur Gruppenstunde, auf dem Programm stehen die Themen Liebe und Partnerschaft und das ganze Programm würde darin bestehen, sich gemeinsam drei Folgen Verbotene Liebe anzuschauen - aus Sicht vieler Jugendlicher gewiß nicht die unattraktivste Art, die Zeit zu verbringen. Würde man das machen? Natürlich nicht. Geht es aber um die Heilige Liturgie, um die Feier des Mysteriums der Erlösung, dann ist kein Einfall zu billig und kein Witz zu banal, um die Anwesenden bei der Stange zu halten - bis sie sich von dem Ringelpiez, der ihnen in der Kirche und als Kirche vorgegaukelt wird, in der Regel irgendwann verabschieden, innerlich und manchmal auch äußerlich.
.
Wie gesagt, Katechese und Verkündigung sind hier gefragt - aber man kann, um sinngemäß eine Formulierung eines weiteren Memorandums aus den Reihen des Freiburger Diözesanklerus (diesmal gegen die Neuübersetzung des Missale Romanum) aufzugreifen, eben nur vermitteln, wovon man selbst überzeugt ist. Angesichts der katholischen Jugendarbeit in Deutschland wirft das - fasst man das Wesentliche in den Blick - häufig kein günstiges Licht auf die Verantwortlichen.
.
Eine Schlußnotiz noch zur Frage, ob ein katholischer Jugendlicher die katholische Jugend vertreten kann? Dies scheint mir so zutreffend oder falsch, wie meinethalben ein selbstreferenzielles Zentralkomitee für die deutschen Katholiken sprechen kann oder etwa eine selbsternannte "Kirchenvolksbewegung" für das Kirchenvolk.

Kommentare:

Kleinkaliberbraus hat gesagt…

"Unsere Freche Frau"

*rofl*

bauen wir ihr ne Kirche?

Simplicius hat gesagt…

Ich dachte doch tatsächlich, ganz ohne Witz, dass es sich bei der frechen Frau um einen Satireblog handelt, der manch "fortschritts"-katholische Ansichten veralbert. Deswegen hatte ich ihn auch zuerst auf meiner eigenen Blogliste verlinkt. Und so ganz sicher bin ich mir immer noch nicht, ob das nicht der Fall ist?!?

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Gottes Wege sind unerforschlich - vom Kirchenbau würde ich übrigens eher absehen ...

"Komm, bau ein Haus, das ..." *pfeif*