Samstag, 29. Juni 2013

Und auf die Piusbrüder ...

... bin ich aktuell ebenfalls nicht gut zu sprechen, nachdem diese gerade drauf und dran sind, die "erklärte" Rolle rückwärts in eine ominöse Kirche des "Ewigen Rom, der Lehrerin der Weisheit und Wahrheit" (Erzbischof Marcel Lefebvre) zu vollziehen, als ob man die Ekklesia , den mystischen Leib Christi, in ihrem glaubenden - wie auch den Glauben bezeugenden - Selbstvollzug aufspalten könnte in ein konkretes gruseliges Heute und ein unkonkretes glorreiches Gestern (oder meinethalben auch Morgen). Letztlich untergräbt man, gute Absichten hin oder her, die Glaubwürdigkeit der von Christus gestifteten Institution. Es gibt keine Gleichzeitigkeit der Kirche in zwei Varianten; es kann auch keine geben: Die Catholica ist eine - heute, gestern und morgen.

Und obendrein tritt man in diesem Zusammenhang Odo Casel OSB ans Schienbein. Denn, so steht in jenem Passus dieser Erklärung aus Anlass des 25. Jahrestages der Bischofsweihen vom 30. Juni 1988 (hier), der sich mit der Liturgie beschäftigt, zu lesen, verwische und verdunkle die ordentliche Form des römischen Ritus "in der Tat ..."
... den Opfer- und Sühnegedanken des eucharistischen Opfers. Dahinter verborgen steht in diesem Ritus die neue und falsche Theorie des Ostergeheimnisses (Mysterium pascalis [sic!]). Beides zerstört die katholische Spiritualität, die auf dem Opfer unseres Herrn auf Kalvaria begründet ist. Diese Messe ist von einem ökumenischen und protestantischen, demokratischen und humanistischen Geist durchdrungen, der das Opfer des Kreuzes zum Verschwinden bringt.
Wer die Mysterienthoeologie Casels ohne einen Hauch von Selbstzweifel zuerst vom Tisch wischt, um sie danach auch noch als offenbar systemimmanente Ursache diverser soziologischer Prädikate zu buchstabieren, der hat nicht nur Casel nicht verstanden, sondern der beleidigt auch die Liturgie der Väterzeit.

Kommentare:

Simplicius hat gesagt…

Ohne die "Erklärung zum 25. Jahrestag..." in irgendeiner Weise verteidigen zu wollen (und die Konklusion im zitierten Abschnitt ist natürlich hanebüchen), so wurde gerade Casels Verständnis der Väter auch in früher Zeit lebhaft diskutiert bzw. kritisiert. Mangels Sachkenntnissen kann ich mir da kein Urteil erlauben, aber wie du schon sagst, die Mysterientheorie einfach so hinfortzuwischen, zeugt nicht von einer tieferen Beschäftigung mit der Materie.

Was die Piusbruderschaft anscheinend überhaupt nicht versteht, ist das grundsätzliche Anliegen Odo Casels, die durch den Ritus bezeichnete und bewirkte sakramentale Gnade in einen möglichst realen Zusammenhang mit Christus nicht nur im allgemeinen, sondern auch mit der geschichtlichen Heilstat Christi zu bringen - und eben mit dem sakramentalen Ritus nicht nur einen psychologisch-erinnerungsmäßigen Zusammenhang mit Christus im allgemeinen herzustellen. Und dies sollte doch im Sinne der FSSPX sein - sollte man zumindest meinen...

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Natürlich war Casel umstritten (man kann da etwa an die Kontroverse mit Söhngen denken). Gewiß wird man Casels Väterinterpretation heute nicht mehr bis in jede Haarspitze folgen können, unzweifelhaft ist Casels Auffassung des antiken Mysterienwesens in diversen Punkten heute überholt. Auch kann nicht von der Hand gewiesen werden, daß bei Casels Kyrios der Christus der synoptischen Evangelien seltsam unbedeutend bleibt.

Man wird manches gegen Casel - der ja in dieser Sache ein echter Pionier war - einwenden können; das Fundament der Mysterientheologie wird meines Ermessens dadurch aber keineswegs erschüttert - den darauf errichteten Bau gilt es an der ein oder anderen Ecke, sagen wir einmal, schlicht ein wenig neu zu justieren, ohne daß dies den Wesenskern verletzen würde.

Simplicius hat gesagt…

Da gebe ich dir absolut Recht - und nicht nur, weil ich einen neuen Artikel "contra Simplicium" befürchte ;-)

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Erwecke ich derzeit so sehr den Eindruck, auf dem Kriegspfad zu sein?
*grübel*

Wolfram hat gesagt…

Man kann Casel leider nicht zugutehalten, die lutherische Theologia Crucis verstanden zu haben - bestenfalls, sie nicht gekannt zu haben, aber wie kann er sich dann ein Urteil erlauben? Die zwinglianischen Abwege (Luther über Zwingli: "er hat einen anderen Geist") stehen nicht für die Protestanten sui generis!

Allerdings lehrt die Schrift, daß Christus genau einmal geopfert wurde, ohne Notwendigkeit der Wiederholung. Die Messe hat demnach, will sie nicht gegen die Heilige Schrift gehen und damit gegen den Heiligen Geist, die Spannung auszuhalten zwischen der Einmaligkeit des Christustodes und -opfers, die jedwede Wiederholung ausschließt, und der Vergegenwärtigung, die uns in der eucharistischen Feier an den Tisch Christi lädt, wo er gerade mit den Jüngern zu Tische liegt, die uns mit dem Lieblingsjünger unters Kreuz stellt oder auch mit Petrus in den Hof des Hohenpriesters, und die uns auch als Schächer neben Christus am Kreuz hängen läßt, mit der Wahl, ihn zu lästern oder zu ehren.
Und wer dies Kind mit Freuden umfangen, küssen will, muß vorher mit ihm leiden groß Pein und Marter viel, danach mit ihm auch sterben und geistlich auferstehn, ewigs Leben zu erben, wie an ihm ist geschehn.
(Daniel Sudermann nach Joh. Tauler, cf. Rom.6)

Pax Christi vobiscum!

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Mhh, mir ist jetzt nicht ganz klar, auf was genau Du anspielst, wenn Du von einem Urteil Casels zur lutherischen Kreuzestheologie sprichst? Beziehst Du Dich da auf Casels Buch vom "Mysterium des Kreuzes"?

Ansonsten wird in der Heiligen Messe natürlich nichts "wiederholt" im Sinne irgendeiner Ergänzung oder Vervollständigung, sondern in der Tat wird das Kreuzesopfer Jesu im Kultmysteriums vergegenwärtigt.

Wolfram hat gesagt…

Bei der Relektüre deines Eintrags bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich das Zitat vom "protestantischen, demokratischen und humanistischen Geist" (auf das ich mich beziehe) richtig zugeordnet habe, vielleicht ist es gar nicht von Casel, sondern von seinen Kritikern?

In dem Fall habe ich freilich das falsche Ziel angeschossen; die Kritik an sich bleibt aber aufrecht.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Da haben wir aber kräftig danebengelesen ;-) ... die Piusbrüder fallen in der oben zitierten Erklärung mit diesem Verdikt (u.a.) über Casel her, den sie für den "protestantischen, demokratischen und humanistischen Geist" in der ("neuen") Messe mit verantwortlich machen; was ziemlicher Humbug ist.

Wolfram hat gesagt…

Gut. Also Irrtum meinerseits, tant mieux.

Und das Geschreibsel der Piusisten ist zweifacher Humbug, einmal wegen Casel und einmal, weil sie von Dingen reden, von denen sie keine Ahnung haben.
Das kommt dabei heraus, wenn man in postmoderner Manier nur nachblökt, statt selbst zu denken...