Samstag, 1. Juni 2013

Transsubstantiation: Die Kunst, katholische Glaubenssubstanz hinter sich zu lassen?

Einmal mehr eine Blüte in Sachen Glaubensvermittlung und Verkündigung unter besonderer Berücksichtigung des unermüdlichen Einsatzes der katholischen Fakultäten an deutschen Universitäten. Diesmal mit Prof. Dr. Clemens Leonhard, Direktor des Seminars für Liturgiewissenschaft an der Universität Münster, den DRadio Kultur (hier) vorab zum Eucharistischen Kongress in Köln befragte:
Moderator: Wie kann man denn gerade jungen, modernen Menschen erklären, dass nach der Wandlung in der Hostie und dem Wein am Altar Jesus Christus real präsent sein soll?
Kurzer Zwischenruf - die Frage klingt für mich etwas tendenziös in Richtung: Wie könne man "jungen, modernen Menschen" einen alten verfrömmelten Muckefuck weismachen? Sollte mein Verdacht zutreffen, dann ist Leonhards Antwort sehr aufschlussreich ...
Leonhard: Ich weiß nicht, ob ich das jungen Menschen erklären will. 
Aha. Wenn ich fragen darf: Sind die zu doof dazu? Oder ist das zu erklärende Faktum zu doof? Letzteres scheint der Fall zu sein, denn nun wird der "Muckefuck" nach allen Regeln der Kunst historisch-kritisch dekonstruiert:
Leonhard weiter: Ich denke, diese Stelle, dass man ihnen zeigen kann, wie die Kirchengeschichte sich an verschiedenen Traditionen, die vor allem aus dem Neuen Testament kommen, abgearbeitet hat. Und wie in der Kirchengeschichte über Präsenz und Real nachgedacht wurde. 
Ich wäre mir allerdings nicht ganz sicher, ob die "jungen, modernen Menschen" beim theologischen Proseminar auf Dauer am Ball blieben.
Leonhard weiter: Und wenn ich mir verschiedene Epochen dieses Nachdenkens über Real und Präsenzen ansehe, dann komme ich von einem sehr dinglichen Verständnis weg, das mich zwingt zu sagen, wenn ich die Hostie breche, breche ich ein Stück Fleisch Christi.
Etwas brachial formuliert, fürwahr. Aber in der Tat, es tummeln sich, mehr oder minder, möchte man sagen, Leonhard zum Trost, einige Vordenker auf dem Markt, die bei einem "dinglichen Verständnis" ebenfalls mehr oder minder das Weite suchen: Berengar von Tours, Martin Luther, Ulrich Zwingli, Jean Calvin, Edward Schillebeeckx ... und so weiter. Nun ja, alles Figuren, die mit dem katholischen Dogma mehr oder minder auf Kriegsfuß standen und deswegen nur für einen minder katholischen Theologen als Referenz erster Güte taugen mögen.
Leonhard schlußendlich: Und mit diesem historischen Blick auf eine Vielfalt von Deutungen dessen, wie Eucharistie gefeiert wird, würde ich dahin kommen wollen, auch mit jüngeren Menschen über Realpräsenz Christi in der Eucharistie nachzudenken, aber ich würde mich weigern, eine kurze Formel dafür abzugeben.
Kann man eigentlich von einem katholischen Theologen mit missio canonica nicht einmal mehr erwarten, daß er zumindest die Lehre der Kirche kurz referiert und dabei womöglich jene bekannt "kurze Formel" von der Transsubstantiation in den Mund nimmt, und sei es nur um der Information willen? Oder daß er sich gar Gedanken macht, wie man dies "jungen Menschen" vermitteln könnte? 
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Dazu erfordert es so etwas wie "Glauben" ... so stellt sich mir einmal mehr die Frage, warum Menschen unbedingt katholische Theologie lehren müssen, wenn sie an gewissen fundamentalen Inhalten nicht partizipieren können und um den heißen Brei herumreden müssen, weil sie Roß und Reiter nicht nennen mögen.

Kommentare:

Richard Dorn hat gesagt…

Ich bin enttäuscht über den Professor! - Mit solchen Antworten hätte ich meine "missio canonica" nicht bekommen.

sophophilo hat gesagt…

Ich für meinen Teil würde es auch tunlichst vermeiden, in so einer Situation "Transsubstantiation" zu donnern. DIESES Zögern kann ich verstehen. Auch eine bloße Information sollte m.E. einen möglichst hohen Anteil an Verstehbarem enthalten.
Dass Leonhard es gleich auf das "Dingliche" runterbricht kann ich nur als einen offenen Affront gegen die Lehre der Kirche werten; nichts hindert ihn daran, die Eucharistie, gut augustinisch, ekklesiologisch zu deuten, fern ab vom kruden Dingelingding. Auf der Schiene ließen sich typische Reizworte und Unverständlichkeiten vermeiden...

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Ich sagte auch nicht, er solle donnern - und ein Sender, der zwei Stunden lang auch schon mal "die geplante Obsoleszenz von Haushaltsgeräten" thematisiert (was nicht uninteressant war), dürfte den Hörern ggf. auch das Wort "Transsubstantiation" zumuten können ... ;-)

clamormeus hat gesagt…

Wie ich "jungen, modernen Menschen" die Realpräsenz gewisser deutscher Theologen unter dem Eikett "katholisch" erklären sollte, wüßte ich auch nicht so recht.
Was ich davon halte,könnte ich dagegen locker in einer kurzen Formel unterbringen. Auch die Begründung würde nicht lange dauern.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Wie sähe denn diese Formel aus ...?

Ich meinesteils überlege ja schon die ganze Zeit ... also nehmen wir mal an, ich wäre an der Uni und benötigte noch dringend einen Schein über eine regelmäßig besuchte Vorlesung, etwa bei Prof. Dr. Clemens Leonhard, hätte aber so garkeine Zeit für sowas ...

Es müßte doch reichen, wenn eine möglichst ansehnliche Zahl der Kommilitonen bezeugen würde, daß ich zwar nicht leibhaft vor Ort gewesen wäre, aber in ihrem Glauben stets als anwesend erfahren worden sei. Sollte mir der Schein dennoch verweigert werden, müßte ich mich doch auf das Kerygma der Gemeinde berufen können, oder ... *grübelgrübel* ?!?

clamormeus hat gesagt…

Hier noch eine andere Möglichkeit,kriminalistisch ermitteln :-)

http://einfachentfachend.wordpress.com/2013/06/02/erneut-verdacht-auf-realprasenz/

Simplicius hat gesagt…

Ich weiß nicht, was denn nun "junge Menschen" sein sollen. Aber muss man da immer auf Sekundär- und Tertiärsymbole bzw. Erklärungen zurückgreifen? Kann man denn junge Menschen und deren Verstand nicht ernst nehmen? Wer erklärt denn heute die Eucharistie so, dass in der Kommunion jeder ein triefend blutiges Stück Fleisch in die Hand gedrückt bekommt? Transsubstantion. Christus schenkt sich uns in seiner Substanz. Ist das wirklich so dinglich?

Wie dem auch sei, genug die Fragezeichentaste in Anspruch genommen, mir ist da spontan auch gerade mal was eingefallen :-D

Die Realpräsenz ist wie eine Smartphone-App. Einmal wurde sie vom Entwickler von Grund auf programmiert; dieses Original gibt es aber nur einmal. Damit alle Menschen an den Vorteilen dieses Programmes Anteil haben, können sie sich auf aller Welt, heute und in der Zukunft, diese App herunterladen. Das Original wird dadurch nicht vermindert.
Und das Smartphone sieht deswegen nicht anders aus. Es fühlt (riecht, schmeckt) sich auch nicht anders an. Aber trotzdem hat es ganz neue und andere Eigenschaften bekommen, die es vorher nicht hatte . . . *duckundweg*

Wolfram hat gesagt…

Einspruch, Euer Gnaden:

von Transsubstantation war in dem Gespräch nicht die Rede, sondern von Realpräsenz. Und die wird von Luther ja gerade gegen Zwingli hochgehalten, ist das doch der einzige Punkt, in dem 1529 in Marburg keine Einigung gefunden werden konnte... Und die seinerzeit noch nicht zum Dogma erhobene Transsubstantationslehre (das kam in Trient) hat Luther deshalb abgelehnt, weil sie ein Eingriff ins göttliche Mysterium sei - nicht aber, ob sie wahr sei oder nicht.

(An anderer Stelle schlage ich mich gerade - bildlich gesprochen - mit Leuten herum, die ins göttliche Mysterium eingreifen wollen, weil sie die praedestinatio ad aeternam damnationem so weit führen, daß Jesus Christus nur für wenige gestorben ist... kann man denn nicht Gott überlassen, was Gottes ist?)

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Abgelehnt! ;-)

Es geht ja darum, daß ein katholischer Theologe die katholische Position (die sich natürlich auch historisch im Nachdenken, wie auch unter Wechsel und Streit, weiter entfaltet hat) zumindest einmal vortragen sollte. Die Namen illustrieren nur Positionen, die letztlich mit der katholischen Auffassung in wesentlichen Punkten (des Was und/oder Wie) nicht konform gehen. Die Transsubstantiation scheint mir Leonhard implizit anzusprechen, wenn er eine "kurze Formel" im Gespräch über die Realpräsenz ausdrücklich ablehnt; der weitere Kontext scheint mir dies auch nahe zu legen ...

Wolfram hat gesagt…

Jedenfalls ist nach vatikanischer Aussage (1999) die im Detail unterschiedliche Auslegung der (nicht zur!) Realpräsenz in den Elementen des Altarsakraments nicht kirchentrennend.
Und wendet man die Methode an, die O.H.Pesch beschreibt: Unterschiedliche Formulierungen und lehrmäßige Auslegungen sind dann nicht kirchentrennend, wenn beiderseits nicht behauptet und bestritten wird, was die jeweils andere Seite aus Gewissensgründen bestreiten oder festhalten muss., Methode, die durch den damaligen Präfekten der Glaubenskongregation Joseph Kardinal Ratzinger ausdrücklich validiert wurde, dann kommt man zu dem Schluß: Luther bestreitet (hier) nicht, was Rom festhält, und behauptet (hier) nicht, was Rom verwirft.

Und weil ich keine Zeit habe, das weiter zu vertiefen, ich muß morgen von einer katholischen Kanzel einer Trauergemeinde das Evangelium verkündigen, sei hier noch ein Leergeplänkel auf dem Fußballplatz verlinkt:
http://www.mathias-braun.de/index.php?id=137

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Im Rahmen des lutherisch-katholischen Gesprächs liegt der Knackpunkt in der Fortdauer der Gegenwart des Kyrios im Zeichen des Brotes - und in der Frage nach dem Amt in der Kirche; beides ist aber in der sakramentalen Struktur des Katholizismus engstens mit der Eucharistie verbunden. Dies scheint mir doch eklatant genug, um Luther oben mit aufzuführen - da kommt man auch mit der Pesch'schen Formel nicht mehr weiter ... ;-)

Nette Stimmung im Stadion ...