Sonntag, 16. Juni 2013

Netze lösen und hinaus auf die hohe See

Der Regel entsprechend streicht die Magnificat-Antiphon des vierten Sonntags nach Pfingsten ein Wort aus dem Evangelium (Lk 5, 1-11) heraus. Lukas berichtete uns, wie Petrus und seine Gefährten nach einem vergeblichen Fischzug von Christus, nachdem dieser zum Volk gesprochen hatte, aufgefordert werden, erneut auf den See Genesareth auszufahren. Die Antwort des Petrus rahmt das Magnificat ein:
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Fischzug - Glasfenster
in der Pfarrkirche 
St. Georg, Freiburg 
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Præceptor, 
per totam noctem 
laborantes
nihil cepimus:
in verbo autem tuo
laxabo rete.
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Lehrer,
die ganze Nacht hindurch 
haben wir gearbeitet
und nichts gefangen.
Aber auf dein Wort hin
werde ich das Netz auswerfen.
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Betrachtet man dieses Wort, das uns die betende Ekklesia heute Abend nochmals in den Mund gelegt hat, einmal abseits der großen Themen wie dem reichen Fischzug, der sich auf das Wort des Kyrios hin alsdann ereignete und der verheißendes Sinnbild ist für das Apostolat der erstberufenen Jünger wie überhaupt der Christen, dann erwischt mich dieses Wort auch im Blick auf ganz persönliche Lebenssituationen und gelegentliche Krisenstimmungen.
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Wie oft sitzt man abends da, läßt den Tag nochmals vor dem geistigen Auge vorbeiziehen und stellt fest, wie wenig man von dem erreicht hat, was man doch als wichtig erkannt und sich vorgenommen hatte, in geistlichen wie in zwischenmenschlichen Fragen! Wie oft die gleiche Leier, die gleiche Ernüchterung, der gleiche Fehler, die gleiche Nachlässigkeit, die gleiche Unterlassung, die gleiche Sünde; das leichtfertig nicht recht gesammelte Gebet, die laue Liebe, das bloße Lippenbekenntnis, die Trägheit des Herzens, die Schwäche des Fleisches, die unterdrückte und verspielte Gnade und und und ... Es gibt Tage, da sitzt man da und könnte nicht einmal ehrlichen Herzens - wie Petrus - behaupten, man habe ... in diesem Fall an sich selbst ... "gearbeitet". 
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"Herr, gehe weg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch" - dieses andere Wort des Petrus ist mir dann manchmal näher als die Worte aus der Magnificat-Antiphon. Gott aber will nicht, daß wir uns in die Ecke verkrümmeln. Duc in altum heißt es ebenfalls im Evangelium dieses Sonntags, "fahre hinaus auf die hohe See", mache dich nochmals auf, stelle dich erneut den Wellen und Wogen und Verwerfungen im Leben, seien sie um dich herum oder in dir selbst!
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In verbo autem tuo laxabo rete - "auf dein Wort hin werde ich das Netz auswerfen" antwortet Petrus, obgleich ihm die ganze Mission sinnlos vorkommt: "Die ganze Nacht haben wir gearbeitet und nichts gefangen" ... auf das Wort Christi aber, durch den Logos, wendet sich das Geschick, gegen alle Erwartung, gegen alle Frustration.
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Bei der Wendung laxabo rete mußte ich überdies noch an eine andere Sache denken. Wörtlich übersetzt sagt Petrus, er werde auf Jesu Wort hin "das Netz lösen" - vielleicht können wir dies in einem übertragenen Sinn auch auf die Netze und die Verstrickungen unseres Lebens beziehen ... daß wir diese lösen sollen und lösen werden, indem wir immer wieder neu anfangen und mit der uns Tag um Tag geschenkten Gnade mitwirken.

Kommentare:

sophophilo hat gesagt…

Meine Assoziation: "... sed tantum dic verbo et laxabitur rete meum." (stimmt das? mein aktives Latein is SO schlecht ;))

Nein, ich war nicht bei Herder... nur ab und an schau ich mal nach Neuerscheinungen, ansonsten ziehts mich da nich sonderlich hin.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Mein Aktiv-Latein steht auch nicht gerade in der Blüte, aber die Variante sollte richtig sein - bei Herder sah ich jemanden, den ich bereits in St. Martin gesehen hatte, aber ich war mich nicht sicher, zu recht, wie's ausschaut.