Sonntag, 23. Juni 2013

Euro-Flanke am Opferkerzenstock

"... leider geht's nicht ohne Geld" steht zwar so direkt nicht in den hochhirtlichen Formbriefen, die Pfarrer an Zeitgenossen senden sollen, die aus der Kirche ausgetreten sind - manchmal scheint aber Klartext fällig, wie in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist zu Saig im Schwarzwald. Ein "Lichtlein" entzünden, ohne dafür zu löhnen? "Gott schaut Dir zu!" Nun gut, das Opfer im Wort Opferkerze soll sich ja bemerkbar machen. Aber bezog sich das nicht ohnehin mehr auf den Mesner, der alle Tage die Wachsreste der fromm dargebrachten Kerzen wegkratzen mußte?
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Schließlich wurden weiland richtige Opferkerzen mit Wachsschaft  und offenkundig eingebauter Tropfneigung feilgeboten, heute hingegen findet man mehrheitlich aufgepeppte Teelichtlein vor. Dafür war die Opferkerze traditioneller Provenienz in der Regel für 50 Pfennig zu haben; heute werden 50 Cent "erbeten" - typische Euro-Flanke, sag ich da nur. Daß die Stiftung Warentest noch nicht drauf angesprungen ist, mag beinahe verwundern ... "Kleinere Kerze für den doppelten Preis" oder so. Oder Report: "Zappenduster ohne Kohle - Wie die Kirche ihre Gläubigen bei Opferlichtern abzockt". Christian Weisner von Wisiki, wer möchte es bezweifeln, würde bereitwillig Rede und Antwort stehen ...
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Ich habe gestern trotzdem ein Lichtlein angezündet und vorneweg selbstverständlich die erbetene Summe erbracht; jetzt hoffe ich natürlich, daß Gott in jenem Augenblick, als der fünzigfache Cent in den Kasten sprang, nicht eben woanders hingeguckt hat ... ;-)

Kommentare:

Simplicius hat gesagt…

Sorry, für alte-Messe-Molche ist die Gültigkeit der Opfergabe nur mit Bienenwachskerzen nach altem Reglement gegeben (s. Antwort 12345689 der Kommission Ecclesia Dei vom 30. Februar). Nachkonziliare Paraffin-Teelichter sind nicht gestattet, die Seelen bleiben im Fegefeuer und du erwirkst 30 Tage Bußzeit, abzuleisten in Familien- und Erstkommuniongottesdiensten ;-)

Johannes hat gesagt…

Aber richtig gut machen würde sich das Schild erst in einer Kirche protestantischer Sortierung!

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Ich will sofort meine Kohle zurück!

Braut des Lammes hat gesagt…

Bei uns hat man den Gläubigen die Möglichkeit genommen, Kerzen selbst zu stiften und anzuzünden, mit der Begründung, diese würden zu stark rußen. Stattdessen dürfen sie jetzt vor Ort, außer natürlich Sonntags und der Geschäftszeiten, potthäßliche Kerzen von uns kaufen. Ob das Fortschritt ist…?

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Och, vor einiger Zeit habe ich in einer protestantischen Kirche auch schon so eine Kerzenarmatur gesehen ... hier in der Region ist es überwiegend der Fall, daß man entweder eines der zum Verkauf stehenden Lichtlein opfert. Wer hingegen "Fremdkerzen" stiftet, schleppt meistens irgendeine dekorierte Riesenkerze an ... :-)

Martina Baro hat gesagt…

Als nebenamtliche Mesnerin habe ich schon so manches Pfund Kerzenwachs von diversen Haltern, Böden, Stühlen und anderem Kirchenmobiliar gekratzt. Wer mir in dieser Disziplin gleich getan hat, weiß, wovon ich spreche!
Den Ruß dieser Kerzen kann leider nur eine komplette Innenrenovation entfernen, den sich eine Gemeinde allenfalls alle vierzig Jahre erlauben kann. Danach die Kerzen auszusuchen, die möglichst ruß- und kleckerarm sind, ist das gute Recht der Gemeindepfarrer, die ihrem Bischof und seiner Finanzverwaltung über die sorgsame Verwendung der Mittel Rechenschaft schuldig sind. Solche Kerzen sind gut, dafür gutes Geld zu zahlen, ist Pflicht denen gegenüber, die sie herstellen und vertreiben, auch sie verdienen ihren Lebensunterhalt auf anständige Weise.
Wahr zu nehmen, das eine gute und qualitätsvolle Dienstleistung ihre Wertschätzung auf Dauer nicht allein aus einen feuchten Händedruck speist, ist eine Frage des persönlichen Anstandes bei katholischen und andersgläubigen Pyromanen, die an die Wirksamkeit ihrer Gebete allein im Zusammenhang mit einem Rauchopfer glauben, beklagenswerte taktile Fixierung in Verbindung eines nicht vorhandenen Gottvertrauens!