Montag, 27. Mai 2013

Zu wenig Figürchen und Eckchen

In einer Kirche muß man auch weinen können. In einer Kirche muß man sich auch vor anderen verstecken können. Die Tageshelle, die arenenhafte Winkellosigkeit der modernen Kirchen hat etwas Grausames. Wir hatten früher zuviel Dämmer und Schummer, zuviel Kapellchen, Figürchen und Eckchen, zuviel Privates in unseren Gotteshäusern - dafür haben wir jetzt zuwenig. Denn täuschen wir uns nicht: warum sagen denn die Leute, sie gingen in die Kirche, um richtig beten zu können und um sich Trost zu holen? Weil sie zuhause keinen Gebetswinkel mehr haben.
Alfons Kirchgässner: Selbstkritische Notizen eines Liturgen. In: Liturgisches Jahrbuch 1959.
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Über 50 Jahre später, nachdem man die Menschen nach allen Regeln der Kunst fortschrittlich katechetisiert hat, haben viele Zeitgenossen zuhause zwar noch immer keine Gebetswinkel (zumindest keine christlichen), aber sie gehen auch weit weniger in die Kirche, "um richtig beten zu können". Täten sie es, sie stünden oft vor verschlossenen Türen ...

Kommentare:

Eugenie Roth hat gesagt…

... leider, ja. Aber wenn der Küster damit rechnen muss, dass während seiner Abwesenheit mit den ausgelegten Schriften ein Feuerchen auf dem Altar gemacht wird usw.
Alles schon geschehen. ... leider ...

Alexander hat gesagt…

Männer weinen nicht.

Nicht in der Kirche. Nicht zu Hause.

Nirgendwo.

Niemals.