Mittwoch, 1. Mai 2013

Von den ausgebreiteten guten Händen

Nun breite deine Hände aus ... - Marienbild in der

Friedhofskapelle zu Niederwinden im Elztal
Als kleiner Junge quengelte ich bei meiner Mutter lang genug, bis sie mir einen Lourdes-Bildband kaufte, den ich irgendwo gesehen hatte. Denn damals, so Anfang der Achtziger muß es gewesen sein, gab es im letzten großen Freiburger Kino der damaligen Zeit, der Harmonie mit ihrem ein und einzigen Fünfziger-Jahre-Saal samt Rang und einer Leinwand, die wie eine Theaterbühne daherkam, eine Reihe, in der Woche um Woche ein alter Spielfilm gezeigt wurde - darunter irgendwann auch die Hollywood-Verfilmung von Franz Werfels Das Lied von Bernadette, die mich damals schwer beeindruckt hat. Ins Kino eingeladen hatte mich Frau Sennerich (vgl. hier) - und danach wollte ich so schnell wie möglich nach Lourdes. Weil das aber nicht ganz so einfach war, mußte wenigstens der bereits erwähnte Bildband her. Leider finde ich ihn nicht mehr; keine Ahnung, wo er abgeblieben ist.
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Auf dem Einband stand jedenfalls groß und breit, und das Wort faszinierte mich, der Satz: "Nun breite deine Hände aus". Erst viel später lief ich diesem, wie sich herausstellte, Zitat erneut über den Weg; es handelt sich ursprünglich um eine Textzeile des Altenberger Wallfahrtsliedes von 1935 - "Nun Brüder, sind wir frohgemut": 
Mehr als nur ein Marienlied, sondern auch ein Bekenntnis wider den Geist der damaligen Zeit, wenn etwa vom "dunklen Bann", von Sünde und Leid die Rede ist, die wir "aus der Zeit" tragen, um am Ende dem herrschend verstiegenen Führeranspruch mit einer Bitte an Unsere Liebe Frau zu begegnen: "Und führe uns in aller Zeit / mit deinen guten Händen, / um Gottes große Herrlichkeit / in Demut zu vollenden".
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Es gehört für mich zu den schönsten Marienliedern. Was gäbe ich darum, könnte ich auch heute noch so unbefangen und unangefochten auf die ausgebreiteten Hände Mariens schauen und in sie hineinlaufen, wie ich das mit zehn oder elf Jahren noch konnte ... Vielleicht wird es mir in diesem Monat wieder etwas besser gelingen ... wohlklingend für die Ohren konnte ich zu diesem Lied leider nur eine Hörprobe (hier) ausfindig machen.
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Nun, Brüder, sind wir frohgemut, 
so will es Gott gefallen.
Die Seelen singen uns im Blut;
nun soll ein Lob erschallen.
Wir grüßen dich in deinem Haus,
du Mutter aller Gnaden.
Nun breite deine Hände aus,
dann wird kein Feind uns schaden.

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Es lobt das Licht und das Gestein 
gar herrlich dich mit Schweigen.
Der Sonne Glanz, des Mondes Schein
will deine Wunder zeigen.
Wir aber kommen aus der Zeit
ganz arm in deine Helle
und tragen Sünde, tragen Leid
zu deiner Gnadenquelle.
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Wir zünden froh die Kerzen an,
dass sie sich still verbrennen,
und lösen diesen dunklen Bann,
dass wir dein Bild erkennen.
Du Mutter und du Königin,
der alles hingegeben,
das Ende und der Anbeginn,
die Liebe und das Leben.
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Laß alle Lichter hell und gut
An allen Straßen brennen!
Gib allen Herzen rechten Mut,
dass sie ihr Ziel erkennen!
Und führe uns in aller Zeit
mit deinen guten Händen,
um Gottes große Herrlichkeit
in Demut zu vollenden.

1 Kommentar:

Braut des Lammes hat gesagt…

Vor allem den zweiten Vers liebe ich sehr, der vom schweigenden Lob der Schöpfung spricht.