Sonntag, 26. Mai 2013

Vom Geheimnis zum Mysterium - der Eine Dreifaltige Gott

Der Eine Dreifaltige Gott - Deckenbild von Johann Pfunner
im Chor der Pfarrkirche St. Alexius zu Herbolzheim
 
Der Eine Dreifaltige Gott ist ein Geheimnis - und womöglich jenes, das den menschlichen Geist am meisten herausfordert. Das mag zum einen daran liegen, daß andere Geheimnisse im Gefüge des Glaubens uns eingängiger scheinen, weil sie in Bildern, die wir archetypisch nennen, vorausgezeichnet worden sind, etwa die Sehnsucht nach einer Speise, die wirklich den Hunger überwindet, die Sehnsucht nach Wasser, das wahrhaft und umfassend zu reinigen vermag, die Sehnsucht nach dem von Makel und Schuld bewahrten Menschen. 
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Der Eine Dreifaltige Gott aber steht dem menschlichen Empfinden entgegen, da wir uns Natur und Wesen und Person nur in einer geradezu eindimensional zu nennenden "Einheit" vorstellen mögen, insofern das eine Wesen über die eine Natur in einer einzigen Person verfügt. 
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Die Ekklesia wiederum nimmt diese Begriffe, Wesen - Natur - Person, auf und versucht, diese im Blick auf Gott in das richtige Verhältnis zueinander zu setzen; jedoch gewinnt man, blättert man ein wenig in der Dogmengeschichte, den Eindruck, es gehe dabei vor allem darum, abzuklären, wie man sich den Einen Dreifaltigen Gott nicht vorstellen soll, als darum, diesem Gott in die Karten zu schauen und seiner Existenzform auf den Grund zu gehen. Bilder wurden gezeichnet und Vergleiche gezogen, nicht Weniges wurde alsbald wieder verworfen, die Unzulänglichkeit des Erkannten immer wieder betont.
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Als betende Ekklesia bekennt sie zuletzt mit Paulus - und man könnte das beinahe als trinitarische Formel lesen - mehrfach in der Liturgie des heutigen Hochfestes: "O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte, wie unerforschlich seine Wege!" (Röm 11, 33): Der Reichtums im Vaters, die Weisheit im Gekreuzigten, der der erhöhte Kyrios ist, die Erkenntnis im Heiligen Pneuma - und all das gleich-ewig vernüpft in jener Tiefe, in welche menschlicher Geist nicht schauen kann: - verknüpft "nicht in der Einzigkeit einer Person, sondern in der Dreifaltigkeit einer Wesenheit" (Präfation des heutigen Festes).
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Das Geheimnis des Einen Dreifaltigen Gottes erschließt sich nicht dem Verstand, wohl aber dem Glauben, indem es vom "theologischen" Geheimnis übergeht in das Mysterium, in welchem sich die Liebe Gottes uns Menschen mitteilt, sich an uns vollzieht und von uns beantwortet wird, sofern wir uns von diesem Mysterium erfassen lassen. So werden wir, wie es die deutsche Mystik einst auszudrücken versuchte, immer weiter, immer tiefer in Gott "eingebildet", nehmen Anteil am Leben Gottes und an seiner sich stets verströmend überströmenden Liebe.

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