Donnerstag, 16. Mai 2013

Hier muß ich Guardini widersprechen ...

... cum grano salis jedenfalls - dieser Tage nahm ich Romano Guardinis Buch Besinnung vor der Feier der Heiligen Messe wieder einmal in die Hand - insgesamt ein, wie ich finde, sehr anregendes Buch, auch wenn es seinerzeit für Irritationen sorgte, da man im zweiten Teil ("Das Wesen der Heiligen Messe") angesichts der Betonung des Herrenmahls den Opfercharakter der Feier nicht hinreichend gewürdigt fand. Der erste Teil trägt die Überschrift "Die Haltung" und hebt mit einem Kapitel über "Die Stille" an. Guardini rät, äußerlich wie innerlich still zu werden und spart auch Kritik an der Unruhe nicht aus, die etwa durch Husten und Rumrutschen in der Kirchenbank entstehen kann:
Der eine sagt: "Ich kann das Husten nicht bezwingen", der andere: "Ich kann nicht ruhig knien" - wenn sie aber in einem Konzert oder Vortrag sitzen und werden gepackt, dann vergessen sie alles Husten und Rücken, und im Saal entsteht jene Stille, die zum Schönsten gehört, was es überhaupt gibt: der Raum des Lauschens, worin die schönen und wahrhaft wichtigen Dinge hervortreten ... Nein, man muß die Stille ernstlich wollen und sie sich auch etwas kosten lassen.
Nun ja. Ich erinnere mich an einen Abend, der mich, schon länger her, in die Bayerischen Staatsoper führte. Auf dem Programm stand Bellinis Belcanto-Preziose I Puritani und auf der Bühne Edita Gruberova, was so ziemlich die schönste Kombination war, derer man vor einigen Jahren habhaft werden konnte. Ich war gepackt! 
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Das änderte freilich wenig daran, daß mir ausgerechnet vor "O rendetemi la speme - Qui la voce", der großen Soloszene der Elvira, eine Kröte in die Gurgel sprang. Wer auch nur halbwegs Ahnung von dieser Oper hat und Edita Gruberova nicht für eine böhmische Hausfrau hält, der ahnt, wie oberhochnotpeinlich es ist, ausgerechnet jetzt von einem Hustenreiz heimgesucht zu werden. Da würde man die Stille, die den "Raum des Lauschens" schafft, nicht nur ernstlich wollen, sondern beinahe schon das Leben dafür hingeben - die Umhersitzenden würden einem andernfalls ohnehin spätestens in der Pause lynchen, bekäme man den Reflex nicht unter Kontrolle. Irgendwie ist mir das dann auch gelungen; aber so einfach, wie sich das Guardini ausgemalt hat, war es nicht!
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Hier kann man sich einen Eindruck von dieser Szene verschaffen ... und wer wissen will, wie grandios sich die Gruberova ins Zeug werfen konnte, sollte sich vor allem auch die Cabaletta "Vien diletto" (ab 5:02) anhören:
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