Dienstag, 14. Mai 2013

Der neue Gotteslob-Kreuzweg - Piusbrüder unzufrieden

Auch die Piusbruderschaft konnte zwischenzeitlich einen Blick in einen Vorabdruck des neuen Gotteslob ergattern (hier). Moniert werden zum Beispiel Strichzeichnungen, von denen ich auch nicht recht weiß, was ich davon halten soll - insgeheim hoffe ich, es handelt sich nur um Platzhalter für eine bei der Drucklegung dieser Kostprobe noch nicht endgültig entschiedene Gestaltung. Der bislang kommunizierte graue Einband des Buches läßt freilich nicht unbedingt hoffen. Warten wir ab.
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Ziemlich bescheuert finde ich hingegen diesen Kommentar auf pius.info, der sich mit der Kreuzwegandacht des neuen Buches auseinandersetzt, die offenbar zu jeder Station einige Betrachtungspunkte ("Meditationen") bietet, diese aber mehr anreißt als ausformuliert, was auch durch den abgesetzten Druck unterstrichen wird.
... Die Meditation zu diesem Kreuzweg besteht in unvollständigen Versatzstücken: "Jesus vor Pilatus. Ecce homo – Seht da, der Mensch! Spottfigur im Spottgewand. Aller Ehren beraubt. Ecce homo. Ohne Ansehen. Er schaut mich an." Haben die über Jahrzehnte im Gebrauch befindlichen Gotteslob-Ausgaben (gemeint sind wohl die vorkonziliaren Gesangbücher; pss) der Diözesen in Deutschland vor dem vielgerühmten "Aufbruch in die Moderne" nicht eine Vielzahl von herrlichen Kreuzwegandachten geboten? Soll diese Bruchstück-Version der große Fortschritt sein?
Ja, liebe Piusbrüder, möchte man rufen: Im Vergleich zu den ehrwürdigst ausformulierten Betrachtungstexten ("Herr Jesus, wie sehen wir dich vor dem ungerechten Richter stehen, den ungerechten Urteilsspruch vernehmend, und bitten, du mögest und wollest ...") , die man so praktisch und schmerzfrei - vor allem beim öffentlichen Vorbeten - herunterleiern kann, im Vergleich also mit perfekt vorgekauten Bildern gerät man hier doch ein wenig ins Stolpern wie der Herr unter dem Kreuz, wird gar zum Nachdenken gedrängt - wer weiß?
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Doch nehmen wir an, die Rede von "unvollständigen Versatzstücken" wäre rechtens -  wie wäre es alsdann, um dies in Anlehnung an Kol 1, 24 (hier) zu formulieren, ihr ersetztet durch eigene Gedanken, was eurer Meinung nach hier am Leiden Christi noch fehlt?
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Jesus vor Pilatus - erste Station des Kreuzweges in der
Pfarrkirche Christkönig, Titisee im Schwarzwald

Jesus vor Pilatus.

Ecce homo – Seht da, der Mensch! 
Spottfigur im Spottgewand. 
Aller Ehren beraubt. 
Ecce homo. 
Ohne Ansehen. 
Er schaut mich an.

Kommentare:

ankerperlenfrau hat gesagt…

Danke für diesen Beitrag. Gebets- und Betrachtungsbücher, die nur der Demonstration der auserlesenen "Frömmigkeit" ihres Autors dienen sind ein Graus (und waren schon immer ein Graus). Alle großen und zeitlosen Gebete der Kirche, der Heiligen und Beter lassen genug Raum für die Betrachtung des Beters: sie sind NIE geschwätzig! Zwischen Frömmigkeit und wortreicher Frömmigkeitsdemonstration ist halt ein himmelweiter Unterschied!

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Nun ja, so streng würde ich da kein Verdikt sprechen wollen - die alten Kreuzwegandachten hatten und haben auch ihren Wert und ihre Berechtigung. Mir ging es vor allem darum, daß man nicht alles, was neu ist, gleich runterputzt, nur weil es sich nicht in die gewohnten Bahnen fügt und übliche Erwartungen unterläuft - zumal ich diese Lösung mit "Versatzstücken" sehr gelungen finde, soweit man das aufgrund dieses Auszuges sagen kann.

ankerperlenfrau hat gesagt…

Ich habe das auch eher etwas prinzipiell gemeint. ;-)
Es fällt mir jedoch schon viele Jahre und durch das Studium vieler alter Gebetstexte auf, daß es diesen signifikanten Unterschied schon immer gab: das sprachliche Ausdeuten und Definieren bis keine "Lücke" für die eigene Betrachtung bleibt, das Überschwemmen mit (gutgemeinten) Worten und die Kunst des "Weglassens": die großen und zeitlosen Gebete der Kirche (auch Kreuzwegbetrachtungen siehe Guardini) lassen den Beter frei und seiner Seele "Luft". Da mag man hoffen, daß das neue Gotteslob viel Unvergängliches versammelt hat.

Braut des Lammes hat gesagt…

Ich befürchte, das sind keine Platzhalter, das ist die von Bischof Homann angekündigte moderne Kunst, auf die man "neugierig" hinschauen soll, wieder und immer wieder. Huh!
(Braut des Lammes: Oje…).

Ab und zu haben die Piusbrüder tatsächlich recht.

Braut des Lammes hat gesagt…

Nachtrag: sorry, also mir kommt das vor wie ein Gedicht von Kurt Marti.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Die Strichzeichnung scheinen allerdings auch mir unter aller S... also, ähhh, "Süßigkeit". Manche Bischöfe sollte man zwingen, zur ikonographischen Seite solcher Inhalte fundierte (also nicht: beliebig erfabelte) Deutungen zu liefern. Die würden wahrscheinlich rasch die Waffen strecken ... ;-)

ankerperlenfrau hat gesagt…

Für die Strichzeichnungen habe ich schon eine Strategie: ich werde sie mit Andachtsbildern überkleben und sie damit zu Platzhaltern "degradieren"....

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Sehr gute Idee! Danke!

Für unsere "außerordentlichen" Messen in Basel verwenden wir leider auch ein ziemlich gruseliges Buch, aus irgendeinem Selbstverlag frommer Seelen. Das ist zwar optisch verträglich, aber man kann sich bei Kirchenliedern fast schon drauf verlassen, daß irgendwelche seltsamen Textvariaten bevorzugt wurden. Die Auswahl ist ohnehin etwas, na ja, schleimig.

Noch gruseliger finde ich allerdings das offizielle katholische Schweizer Gesangbuch, aber optisch sind da - zum Trost - wenigstens einige Kirchenfensterbilder von Chagall eingebaut.

Braut des Lammes hat gesagt…

Das ist eine prima Idee, Anke. Endlich ist überkleben mal kreativ! ;)