Mittwoch, 29. Mai 2013

Der Logos, der heute noch zu uns herabsteigt - Fronleichnam

Das eucharistische Mysterium - Wandbild des Abendmahles
in der Liebfrauen-Basilika, Zürich
Das ist das Mysterium der Mysterien, daß die Braut nun teilhaben darf an der obersten und heiligsten Handlung des Herrn, an seinem Liebesopfer, in dem er sich betätigt als Priester in Ewigkeit, als Heiland und Erlöser, in dem er sich heiligte, um die Kirche zu heiligen. Jetzt, als ewig Vollendeter und Geheiligter, feiert er im Mysterium seinen Tod und seine Auferstehung. Nicht braucht er noch einmal zu sterben; er ist ja der Verklärte; nicht bedarf er noch einmal der Auferstehung; denn er sitzt zur Rechten Gottes. Aber aus Liebe zu seiner Kirche feiert er all das - sein Sterben und Auferstehen - im Mysterium, damit die Kirche aller Zeiten von seinem Kreuze Heiligkeit ernten kann. 
Deshalb berichtet uns Methodius von Philippoi in herrlichen Worten von dem "Logos, der heute noch zu uns herabsteigt und in Ekstase liegt, wenn wir seines Leidens gedenken; denn anders könnte die Ekklesia die Gläubigen nicht empfangen und neugebären durch das Bad der Wiedergeburt, wenn nicht auch um dieser Willen Christus sich entäußerte und sich erfassen ließe bei der Wiederhinstellung seines Leidens und nochmals stürbe und vom Himmel käme und seinem Weibe, der Kirche, anhinge und aus seiner Rippe Kraft darböte, damit alle emporwachsen können, die in ihm gegründet sind, die Söhne des Taufbades, von seinem Gebein und Fleisch, das heißt von seiner Heiligkeit und Herrlichkeit empfangend" (Symposion III, 8).
Liebe zur Kirche also führt den Heiland zur Einsetzung dieses Mysteriums; Liebe aber treibt auch die Kirche, dieses Mysterium zu feiern. Denn im Mysterium ist ihr Gelegenheit gegeben, ihrem Bräutigam seine Liebe zurückzugeben. Sie feiert das Mysterium, sie feiert es mit ihm und er mit ihr.
Odo Casel OSB: Mysterium der Ekklesia. Von der Gemeinschaft aller Erlösten in Christus Jesus. Mainz 1961. S. 201 f.

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