Samstag, 13. April 2013

Von den Mietlingen

Vernehmt aber, daß auch die Mietlinge notwendig sind. Viele nämlich, die in der Kirche zeitliche Vorteile suchen, predigen dennoch Christus und durch sie wird die Stimme Christi gehört, und es folgen die Schafe, nicht dem Mietling, sondern der Stimme des Hirten durch den Mietling. Hört, wie der Herr selbst die Mietlinge zeichnet: "Die Schriftgelehrten" sagt er, "und die Pharisäer sitzen auf dem Stuhl des Moses; was sie sagen, tut, was sie aber tun, tut nicht" . Was anders habe ich gesagt als: Durch die Mietlinge hört die Stimme des Hirten? Sitzend nämlich auf dem Stuhl des Moses, lehren sie das Gesetz Gottes, also lehrt Gott durch sie. Sollten sie aber das Ihrige lehren wollen, so hört nicht darauf, tut es nicht. Denn gewiß suchen solche das Ihrige, nicht das, was Jesu Christi ist; kein Mietling jedoch hat es gewagt, dem Volk Christi zu sagen: Suche das Deinige, nicht das, was Jesu Christi ist! Denn was er Böses tut, das predigt er nicht vom Lehrstuhl Christi aus; da fügt er Schaden zu, wo er Böses tut, nicht da, wo er Gutes sagt. Pflücke die Trauben, meide den Dorn! (St. Augustinus: In Johannis Evangelium Tractatus 46, 6).
Ob das der hl. Augustinus heute auch noch so sagen würde ... angesichts des einen oder anderen unserer zeitgenössischen Theologen ...?

Kommentare:

Simplicius hat gesagt…

Die Theologen sitzen glücklicherweise nicht auf dem Stuhl des Moses, sondern erheben nur den Anspruch, im Kreis der Stühle zu sitzen - und von jenen ist weder im Evangelium, noch im Augustinus etwas zu lesen ;)

ed hat gesagt…

hm, ich finde das Wort Mietling in religiösen Dingen schon sehr interessant, bin mir aber nicht sicher, ob ich es vollkommen verstehe.
Ist darunter jemand zu verstehen, der Geld für die Verbreitung oder Ausübung des GLaubens nimmt, dann mag uns das seltsam vorkommen, weil wir Glaubensangelegenheiten für Gewissens- und Überzeugungssache halten sowie eine mangelhafte (niedere) Intention zugrunde legen, da der eigentliche Beweggrund das Geld ist.
Das kann sowohl bei Theologen, als auch bei Geistlichen der Fall sein.
Jedoch möchte ich da eine Lanze für die Mietlinge brechen, denn so mancher mag aus falschem Verlangen geistliche Würden empfangen haben, konnte sich jedoch durch die Kirche prägen lassen und noch zum Guten wandeln (Ignatius von Loyola scheint mir hier ein positives Beispiel zu sein, wie auch Augustinus selbst).
Außerdem haben Mietlinge auch immer einen "Mieter", also einen Auftraggeber, in dessen Kompetenz es dann auch liegt, Sorge dafür zu tragen, dass nicht der Ihrige Wille, sondern der des Stuhles Mose/Christi gelehrt wird,- ansonsten keine Bezahlung....