Donnerstag, 25. April 2013

Diözesanversammlung - eine neue Runde Dialogsabbel?

Die Planung teilweise geradezu klandestin, der Auftakt ein Ärgernis: Seit heute veranstaltet das Erzbistum Freiburg einen auf drei Tageswenden angelegten Dialogrummel, "Diözesanversammlung" geheißen: "Christus und den Menschen nah" lautet die Parole, als ob dies der geschlechtslose und amorphe Funktions-"katholizismus" deutscher Nachkonzilsprägung tatsächliche einzulösen vermöchte.
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Ich gebe zu: Mein Blickwinkel ist gewiß nicht der am besten geeignete, um diese Veranstaltung mit jenem Gleichmut zur Kenntnis zu nehmen, der es auch ermöglicht, das Gute daran zu entdecken. Die Veranstalter selbst scheinen aber auch keinen Wert darauf zu legen, daß man diesen Mumpitz mit einem Vorschuß an Abwarten und Zuschauen begleitet.
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Denn zuerst sammelte man - vorab kaum einsehbar - einen Katalog zeitgeistiger Erwartungen samt kruder Forderungen zusammen, ließ alsdann einen emeritierten Weihbischof vom Typ everybody's darling über dieselbe Kollekte drüberbürsten und gibt die so aufbereiteten Ergüsse jetzt in die Debatte. Doch noch ehe man diese lostritt, holt man sich zwei Universitätstheologen aus dem Memorandistenlager, die - Angst vor "Abweichlern"? - zum Start die Schweigespirale nochmals latent festdrehen und obendrein Zielmarkierungen abwerfen. Letzteres erinnert an die sogenannten "Masterbomber" bei den Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg ...
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Ehe jetzt einer laut Aua schreit ... Nein, ich bezeichne die Professoren Walter und Striet nicht als die Masterbomber der Diözesanversammlung, auch wenn mir deren Einsatz angesichts beider Impulsreferate (hier) ähnlich ankömmt. Besonders der Text des Fundamentaltheologen Striet hat es in sich. 
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Striets Taktik ist altbewährt. Man picke ein paar packende Schlagworte aus Schrift und Tradition, verabsolutiere diese und baue darauf einen vordergründig beeindruckenden Argumentationsgestus auf. Daß der Akademiker Striet dabei vor einem - mutmaßlich - eher gemischten Publikum mit einem hanebüchen unreflektierten Freiheitbegriff hantiert, der aber für den besagten Argumentationsgestus von großer Bedeutung ist, mag man hierbei, je nach Sichtweise, ärgerlich, unprofessionell, heimtückisch oder irreführend finden. Aber unzweifelhaft: Striet stellt eine ganze Reihe von interessanten Behauptungen auf, die um die Stichworte Moderne, Freiheit und Glaube kreisen. Kernaussage dürfte der folgende Passus sein:
Im Jahr des Glaubens ist daran zu erinnern, dass der Glaube selbst nach Freiheit verlangt. Gott sucht den Menschen zum Freund und zur Freundin, und Freundschaft gibt es nur zwischen Freien. Theologisch und kirchlich gilt es meines Erachtens endlich zu begreifen, dass der Freiheitswille in der Moderne der frohen Botschaft vom menschenwilligen und unbedingt menschenfreundlichen Gott gerade nicht entgegensteht. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn das letzte Konzil mit der Kategorie Freundschaft Gottes Sehnsucht nach dem Menschen beschrieben hat, so hat es den Kern des Evangeliums neu entdeckt.
Und jetzt der Höhepunkt, bitte anschnallen:
Noch nie gab es eine Epoche, in der Gottes Sehnsucht nach dem Menschen mehr hätte entsprochen werden können als in der Moderne, nämlich in tatsächlicher Freiheit. Diese Zeit ist deshalb auch gerade nicht als Teufelswerk zu begreifen. Wenn ich das so leidenschaftlich betone, so nicht, um die dunklen Seite unserer Zeit tot zu schweigen. Aber wer wollte ernsthaft auf Freiheit verzichten?
"Tatsächliche Freiheit"! Wer um Himmels Willen hat dem guten Mann denn diesen Floh ins Ohr gesetzt? Welche "tatsächliche Freiheit" im Sinne einer intakten Autonomie soll das denn sein? Sehen wir einmal vom politisch-korrekten Gutmensch-Freiheitsurrogat hierzulande ab ... weiß der Mann denn nicht, daß der Mensch in seinem Streben und Erkennen, in Tun und Lassen von der Ursünde verwundet ist? Gewiß weiß er davon, nur glauben wird er es womöglich nicht, obschon Indizien und Folgen allenthalben zu sehen sind; mit einem Halbsatz zu den "dunklen Seiten unserer Zeit" lassen sie sich jedenfalls nicht so einfach in die Ecke der Nachrangigkeit bannen. Und überdies: Die von Striet so sehr in die Mitte seiner Ausführungen gerückte "Moderne" ist nicht nur eine "Seite unserer Zeit", sondern blättert, um das Bild zu wechseln, noch ganz andere Seiten auf; je nachdem, wann man die Moderne starten läßt, zählt auch die Grande Terreur der Französischen Revolution bereits dazu, geschweige denn jene noch weit größeren - unzweifelhaft modernen - Massaker danach. Der Konjunktiv in Striets Lobpreis der Moderne ist - so gesehen - immerhin sehr trefflich formuliert: Noch nie gab es eine Epoche, in der Gottes Sehnsucht nach dem Menschen mehr hätte entsprochen werden können ... wie gesagt: so gesehen ist an diesem Satz ja etwas Wahres dran, sofern wir in Betracht ziehen, daß für so manchen von Strietens Kollegen die Moderne sowieso epochal abgehakt ist.
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Aber ist es denn nicht eher so, daß die gesamte Heilsgeschichte durch beide Testamente hindurch ein fortlaufender Eingriff Gottes in diverse Freiheitsambitionen des Menschen ist? Fortlaufend tönt es entgegen: Tu dies! Laß das! Verlasse das! Geh dahin! Sündige nicht mehr! Halte dich bereit! Der Mensch bedarf dieses Korrektivs unbedingt. Seine Freiheit empfängt der Mensch nicht aus sich selbst, sondern bekommt sie - letztlich eschatologisch - von Gott geschenkt, wenn er sich dem Anruf dieses für ihn heilsamen Korrektivs nicht widersetzt. Was hingegen Striet die "tatsächliche Freiheit" nennt und in der Moderne verortet, ist letztlich die Unfreiheit des von Gott distanzierten Geschöpfs. Und ausgerechnet hierauf soll die Kirche die Heilsgeschichte in der Zeit fortschreiben, indem sie sich ausgerechnet damit aussöhnt und ausgerechnet darauf Ja und Amen sagt? Gott behüte um der Menschen willen!
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Aber sobald es ans Eingemachte geht, zum Beispiel an das Ausloten des Verhältnisses der menschlich so vielgestaltigen "Freiheit" Gott gegenüber, verflüchtigt sich der Impuls in Phrasen, wie sie einer solchen Versammlung angemessener nicht sein könnten (etwa: "Dieser Gott klebt nicht kleinlich am Buchstaben eines Gesetzes. Er will, dass Menschen Luft zum Atmen haben" - Ja danke, schnarch).
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Genug für heute davon. Um den Abend schwach tröstend, aber dennoch versöhnlich zu beschließen - es bleibt die kleine Hoffnung, daß das Schlimmste auf diesem Treffen womöglich schon gesagt wurde ...

Kommentare:

Geistbraus hat gesagt…

ich weiß zwar nichts über diese Sabbelrunde, aber:

wunderbare Wutrede, danke!

Martina Baro hat gesagt…

Gratuliere!
Diese unsachliche Polemik steht in großer Tradition: Goebbels & kreuz.net in einem Beitrag.
So was hat die Welt noch nicht gesehen, reife Leistung.

Gott sei Dank ist das nicht die Regel.

Martina Baro hat gesagt…

HÄH?
Was soll der Mumpitz?

Frischer Wind hat gesagt…

Sehr bedenklich, die "Impuls"-Referate von Walter und Striet.

Walter buddelt wieder die üblichen Themen aus und hat scheinbar noch immer nicht den Unterschied zwischen allgemeinem und sakramentalem Priestertum verstanden und Striets Freiheitstraum hat mit Christentum und der wahren Freiheit in Christus überhaupt nichts mehr zu tun...

Irreführung pur. EB Zollitsch scheint es aber ganz okay zu finden...

Frischer Wind hat gesagt…

Backlink:
http://frischer-wind.blogspot.de/2013/04/entpastoralisierungspastoral.html

MfG :-)

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Hallo Martina!

... das mit Goebbels und kratz.net hätte aber jetzt nicht sein müssen, alldieweil ich doch schwer hoffe, daß ich zumindest rhetorisch das Niveau von kratz.net und inhaltlich das von Goebbels hinter mir lasse ... ;-)

Geistbraus hat gesagt…

@Andreas: wie hab ich nun das zu verstehen? Du meinst also, Du kombinierst die rhetorische Brillanz von Goebbels mit der inhaltlichen Klarheit von kreuz.net? :D