Dienstag, 30. April 2013

Der ewige, gute Hirte

Pastor æternus: Der Kyrios als der
gute Hirt - Mosaik in der Liebfrauen-
basilika Zürich.
Das Wort von Christus als dem guten Hirten, welches uns die Ekklesia vor rund zwei Wochen, am zweiten Sonntag nach Ostern, erneut ins Ohr gelegt hat, wird gerne auf eine gewisse Niedlichkeit hin reflektiert. Wir denken mitunter eher an das in den synoptischen Evangelien hinterlegte – gewiß schöne - Bild jenes Menschen, der neunundneunzig Schafe zurücklässt, um das eine verirrte Schaf zu suchen (Mt 18, 12 und Lk 15, 4), als an das uns durch Johannes überkommene Herrenwort, welches den Kyrios als den guten Hirten ausweist, der sich nicht nur aufmacht, um einem verlorenen Schaf nachzugehen, sondern der sein Leben für die Schafe hingibt. 
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Der wichtigste Unterschied: Bei Matthäus und Lukas hören wir ein Gleichnis, bei Johannes eine Ankündigung des großen Pascha des Kyrios: "Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für seine Schafe ... Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen. Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin. Ich habe macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen" (Joh 10, 11-18). Und wenige Sätze später: "Meine Schafe hören meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen" (Joh 10, 27 f.). 
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Der hl. Petrus Chrysologus fragt in einer Predigt (Sermo 40), ob und wie der Tod des Hirten den Schafen einen Nutzen bringen könne? Er weist dabei auf die Verfolgungen und Ärgernisse hin, denen die Herde Christi immer wieder ausgesetzt sei:
Denn vom Augenblick an, wo er sein Leben für seine Schafe hingab und sich von den rasenden Juden töten ließ, sehen wir seine Schäflein geraubt von den gleich Räuberhorden hereinbrechenden Heiden. Wir finden sie als Schlachtopfer in den Kerkern, ... finden sie ohne Unterlaß von den Verfolgern, die gleich sind wütenden Wölfen, zerfleischt, zerrissen von Irrlehrern mit giftigem Zahn wie von fremden Hunden. Das bezeugt der Apostel Schar durch ihren Tod; das ruft laut zum Himmel das Blut der Martyrer, das vergossen ist ringsum auf dem ganzen Erdkreis; davon sind laute Zeugen die Glieder der Christen, die den Tieren vorgeworfen, vom Feuer verzehrt, von den Fluten versenkt wurden. Und dies hätte alles doch ebenso gut durch das Leben des Hirten verhindert werden können, wie es eintreten musste, nachdem der Hirte gestorben war.
Der Kirchenvater spitzt seine Überlegungen sogar noch zu:
Wie will denn so der Hirt durch seinen Tod seine Liebe zu dir beweisen, dass er, obwohl er sieht, dass seinen Schafen Gefahr droht und er die Herde nicht verteidigen kann, lieber sterben will, ehe er noch das Unheil über seine Herde hereinbrechen sieht?
Die Antwort deutet der Heilige ganz aus den österlichen Mysterien heraus:
Aus diesem einen Tod des Hirten leuchtet hervor eine einzigartige Kraft. Der Hirt litt für seine Schafe den Tod, der über diese verhängt war, um den Satan, den Urheber des Todes, aufs neue, (obschon scheinbar selbst) gefangen, gefangen zu nehmen, (obschon scheinbar selbst) besiegt, zu besiegen, (obschon scheinbar selbst) dem Tode verfallen, ihn dem Todesurteil auszuliefern, und um so seinen Schafen durch seinen Tod den Weg zu zeigen, wie der Tod zu überwinden sei. Denn während der Teufel auf den Menschen Jagd machte, stürzte er auf Gott; während er wütete gegen den Angeklagten, fiel er auf den Richter.
So zeigt sich uns Christus, der gute Hirt, als der durch das Kreuz in der Auferstehung erhöhte und im Aufstieg zum Vater bestätigte Kyrios, den die Kirche nicht von ungefähr in der Osterzeit als jenen pastor æternus, als den "ewigen Hirten" anruft (vgl. hier), der, selbst aus dem Grab neu geboren, die Begrabenen von den Toten auferstehen heißt, da er sie in der Taufe gereinigt hat.

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