Dienstag, 9. April 2013

Das Pascha als österlicher Tanz

In den vergangenen Tagen kamen mir Auszüge einer Pascha-Homilie des Hippolyt von Rom in die Finger, die - dem Thema entsprechend - einen Bogen spannt vom Kreuzestod des Kyrios zu dessen Auferstehung, um alsdann in hymnischem Schluß aufzulaufen, indem zuerst anhand der bekannten Wechselrede des 23. Psalms geschildert wird, wie die "Mächte" den "oberen Heeresscharen" das Kommen des Königs der Herrlichkeit künden und diese, da sie "das neue Wunder ersahen, daß ein Mensch mit Gott vermischt war", nach der Hoheit dieses Königs fragten, worauf ihnen als Antwort zuteil ward:
"Der König der Mächte, er ist der König der Herrlichkeit, der Starke, Kräftige, gewaltig im Streit" - O des Vortänzers im mystischen Tanze! O des geistlichen Hochfestes! O des göttlichen Pascha, übergehend von den Himmeln bis zur Erde, und von der Erde wiederum aufsteigend in die Himmel! O neue Feier aller Dinge! O kosmische Festversammlung! O Freude des Universums, o Ehre, o Lust, o Entzücken, durch die der finstere Tod vernichtet, das Leben dem All mitgeteilt, die Tore des Himmels geöffnet wurden, Gott als Mensch erschien und der Mensch als Gott emporfuhr, durch den die Pforten der Hölle zerschmettert und die ehernen Riegel gesprengt wurden. Und das untere Volk ersteht von den Toten und verkündet der Fülle droben: der Chor der Erde kehrt zurück! (Hippolyt von Rom, De Pascha Homilia 6, MPG 59, 743 ff. - dt. von Hans Urs von Balthasar).
Ein, wie ich finde, sehr bewegender Text - und ein Text voller Bewegung! Von Ab- und Aufsteigen ist die Rede bei dieser "neuen Feier aller Dinge", einer "kosmischen Festversammlung", voller Freude, voller Lust, voller Entzückens. Das Herz hüpft dabei geradezu mit im Leib. Das ist womöglich kein Zufall, denn die Metapher des Tanzes bildet eine große Klammer in den hymnischen Versen gegen Ende dieser Homilie:

Wirft man einen Blick in das griechische Original, wird das noch etwas deutlicher. Zuerst ist die Rede von Christus als quasi des "Vortänzers im mystischen Tanze": Ho tes choregías tes mystikes. Am Ende nun heißt es, der "Chor der Erde" kehre zurück: apò ges apedóte chorós. Ursprünglich nun bedeutet Choros der "Tanzplatz" und der Choregos ist der "Tanzführer", dessen Aufgabe die choregia ist. Wir haben es mit einem Bild des Tanzes der Erlösung und der Tanzes der Erlösten zu tun, mithin ein Bild bewegter Osterfreude, die auch auf uns - im wahrsten Sinn des Wortes - "überspringen" möchte. So müssen wir Ostern feiern!

Kommentare:

einfachentfachend hat gesagt…

Ja, so sollte es sein!

Der jubelnde Tanz ist auch in die gregorianischen Choralmessen deutlich eingeprägt. (gut, in der Messe reicht's mir, wenn Seele und Sinne mittanzen ;-)

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Ich wollte das auch nicht als Aufruf zu jener Batiktüchergymnastik verstanden wissen, die man ab und an als "liturgischen" Tanz geboten bekommt ... ;-)

Wolfram hat gesagt…

Hast du auch die apostola apostolorum gefunden bei deiner Hippolyt-Lektüre? ;)

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Nein, aber sollte Sie mir über den Weg laufen, dann werde ich's Dir verraten ... ;-)