Montag, 18. März 2013

Zur Einstimmung: Ging der heilige Joseph schon am Stock?

Sankt Joseph, "steinalt und eisgrau"?
Fridolinsmünster Bad Säckingen
Wie soll man sich den heiligen Joseph eigentlich vorstellen? Oder ausmalen? Kein gutes Haar an so manchem Elaborat der Kunst seiner Zeit läßt der Weilheimer Stadtpfarrer Christoph Selhamer (um 1635-1708) und kommt dabei auch auf den heiligen Joseph zu sprechen. Der gehe bei so manchem Künstler offenkundig schon schwer am Stock und wird gemalt,
... als wär er steinalt und eisgrau gewesen, der auch den dritten Fuß gebraucht, da doch von ihm der heilige Isaias längst vorprophezeit: iuvenis cum virgine habitavit, ein junger, angehender Mann, ein Jüngling, wird mit der Jungfrau hausen, so nach Lyrä und Cornellii Meinung auf Joseph und Maria geredt ist. Hat denn Joseph als ein junger, angehender Mann die Heilige Jungfrau geheiratet, wie kann er so geschwind schneeweiß sein wie ein uralter Greis?
Berechtigte Frage, die im schlimmsten Fall keine schmeichelhaften Rückschlüsse auf das Wesen Unserer Lieben Frau zuließe! Selhamer weiter (und eigentlich muß man sich solche Sätze von einer Barockkanzel heruntergedonnert vorstellen; Selhamer nannte seine Predigtbücher und -sammlungen nicht von ungefähr Tuba rustica, Tuba civica, Tuba etcetera (Hauptsache Tuba!) - zurück zum eingegreisten Joseph:
Wie hätt er, so alt, der zarten, übergebenedeiten Mutter des Allerhöchsten recht an die Hand gehen können? Zudem, wie hätt sich ein alter Detl für die zarte Jungfrau geschickt?
Der Pfarrer nutzt die Gunst der Stunde, seiner Gemeinde - so manchem alten Detl mag es um die Ohren geflogen sein - zuerst einen Beziehungstipp mit auf den Weg zu geben (willst du passend heiraten, dann heirate gefälligst was Gleiches) und sich danach einige Darstellungen des heiligen Evangelisten Johannes vorzuknöpfen:
Si qua voles apte nubere, nube pari, dieser Heirat [hingegen] wär ein ungereimter Heirat gewesen. Herentgegen malen sie den heiligen Johannem hundsjung, schnurgrad das Widerspiel ...
 Zitate aus: Georg Lohmeier (Hrsg.): Geistliches Donnerwetter. Bayerische Barockpredigten. München 1967. S. 143.

Kommentare:

Meckiheidi hat gesagt…

Absolut göttlich! Meine Eltern sind immer ins Allgäu in die Ferien gefahren, und der Pfarrer von Lechbruck war auch so ein Donnerer.Manchmal haben wir sie dort besucht. Jetzt müsste man das Ganze nur noch hören!Und auf Bayrisch!

Frischer Wind hat gesagt…

Ich erkläre mir das so:
Wahrscheinkich hat man versucht, das innere Wesen des hl. Joseph bildlich darzustellen: seine Abgeklärtheit, seine Weisheit...
Um mit Papst Franziskus Hölderlin zu zitieren:
" „Es ist ruhig das Alter und fromm.“ – Es ist die Zeit der Ruhe und des Gebets."