Samstag, 23. März 2013

Vom Sinn der Palmen und Ölzweige

Die Taube trägt den Ölzweig zur
Arche des Noah: ein Typos der
Ekklesia -  Filialkirche St. Michael,
Niederrotweil am Kaiserstuhl
Wer in eine ältere Ausgabe des Missale Romanum einen Blick wirft, wird feststellen, wie sehr die Liturgie der Palmweihe bereits vor dem Konzil in der außerordentlichen Form des römischen Ritus gekürzt (fast mag man sagen: zusammengestutzt) wurde. Weggefallen sind die Lesung, eine Präfation und eine ganze Reihe an Orationes; wunderbare Gebetstexte finden sich darunter, die uns in immer wieder neuen Worten die Mysterien des Heils und den geistigen Sinn der Palmen, der Zweige und der Prozession vor Augen führen. Die Regel des Betens wird hier wirklich zu einer Regel des Glaubens und die Liturgie zur Predigt - eine kleine Auswahl aus diesen alten Weihegebeten:
... wie du als Vorbild für die Kirche Noah reich gesegnet hast, da er aus der Arche ging, und Moses, da er mit den Kindern Israels fortzog aus Ägypten, so laß auch uns nun, Palmen und Ölzweige tragend, mit guten Werken Christus entgegen eilen ...
... Segne und heilige dieses Geschöpf, den Ölzweig, den du aus dem Baumstamm hast hervorsprossen lassen, und den die Taube, als sie zur Arche zurückkehrte, in ihrem Schnabel trug ... laß, Herr, dies Sinnbild deiner Gnade für uns ein Hilfsmittel zum ewigen Heil werden.
... Segne auch diese Palm- und Ölzweige, die deine Diener zur Ehre deines Namens in Empfang nehmen. Wohin immer sie gebracht werden, da mögen die Bewohner deinen Segen erfahren. Deine Rechte verjage alle feindliche Gewalt und schütze die, welche dein Sohn Jesus Christus, unser Herr, erlöst hat.
... Gott, du wolltest nach einer wunderbaren Ordnung deiner Ratschlüsse auch durch leblose Dinge das Werk deiner Erlösung darstellen lassen ... gib, wir bitten dich, daß die dir ergebenen Herzen deiner Gläubigen zu ihrem Heile den geistigen Sinn in jener Tatsache verstehen, daß heute die Volksschar, von himmlischem Licht erleuchtet, dem Erlöser entgegenzog und mit Palm- und Ölzweigen seinen Weg bestreute.
... Die Palmzweige deuten nämlich den Sieg an, der über den Fürsten des Todes errungen werden sollte, die Ölzweige aber verkünden gleichsam, daß die geistliche Salbung gekommen ist ...
... darum brachten sie zur Huldigung jene Dinge herbei, die seinen glorreichen Sieg wie auch den Reichtum seiner Barmherzigkeit versinnbildlichen sollten.
... segne diese Palm- und Ölzweige und gib, daß dein Volk, was es heute äußerlich zu deiner Verehrung tut, geistig mit ganzer Hingebung vollbringe: daß es den Sieg erstreite über den Feind und das Werk deiner Barmherzigkeit aufs höchste liebe.
... verleihe, daß wir ihm durch den Glauben einen Weg bereiten, von dem der Stein des Anstoßes und des Ärgernisses entfernt ist, und auf dem statt dessen unsere Werke vor dir grünen mögen als Zweige der Gerechtigkeit, damit wir so den Fußstapfen dessen zu folgen würdig werden, der mit dir lebt und herrscht ...

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