Montag, 25. März 2013

Verkündigung und Pascha

Verheißung der neuen Schöpfung:
Adam und Eva schauen die Wurzel
Jesse - Wandbild im Presbyterium
der Kirche Maria Lourdes, Zürich
Gott habe die Welt im Frühling erschaffen, so glaubte es die Kirche der ersten Jahrhunderte - zu jener Zeit, zu der die Juden das Pascha des Alten Bundes begehen und die Ekklesia die Erfüllung dieses Bundes im Pascha des Kyrios feiert. 
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Die Schöpfung und der Auszug aus Ägypten gelten jeweils als Typos der Neuschöpfung und der Erlösungstat des Logos, der durch den Tod zur Auferstehung schreitet und uns, den zur Erlösung Berufenen, als der verherrlichte Kyrios offenbar wird. 
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Spüren wir diesen Gedanken ein wenig näher nach! Die Pascha-Erzählung des Buches Exodus beginnt mit den folgenden Worten:
Und der Herr sprach zu Moses und Aaron  im Land Ägypten also: Dieser Monat sei für euch der Anfangsmonat! Der Jahresmonde erster sei er für euch! (Ex 12, 1f.).
Dies verknüpft zum Beispiel der hl. Ambrosius mit der Annahme, die Welt sei zu jener Jahreszeit erschaffen worden:
"Dieser Monat soll euch der Anfang der Monate sein". Diese Stelle muß freilich auch zeitlich verstanden werden, weil eben vom Pascha des Herrn die Rede war, dessen Feier in den Frühlingsanfang fällt. An diesem "Anfang der Monate" nun hat Gott den Himmel und die Erde geschaffen; denn die Entstehung der Welt sollte zu der Zeit statthaben, da allen Dingen warmer günstiger Frühlingshauch wehte (Exameron 1, 4, 13).
In dieser Parallelität glaubte die Alte Kirche nun auch einen weiteren Zusammenhang zu erkennen: Hierbei fallen die Schöpfung und das Pascha des Alten Bundes mit dem Anfang und dem großen Pascha der Erlösung zusammen - alles wird in einem Datum zusammen geschaut: im heutigen Tag, dem 25. März. So schreibt etwa der hl. Augustinus über die Menschwerdung Christi im Schoß Mariens:
Wir glauben nämlich, daß er am 25. März empfangen wurde, an dem er auch gelitten hat — dem neuen Grabmal, in das er gelegt wurde, in das noch kein Toter gelegt worden war, weder vorher noch nachher, entspricht der Schoß der Jungfrau, in dem er empfangen wurde und sonst kein Sterblicher (De trinitate 4, 5).
Nun wissen wir heute, daß diese Datierung nicht zutreffend ist. Das muß aber kein Grund sein, den Gedanken über die Ordnung des Heils als Ganzes zu verwerfen, zumal der tiefere Sinn dieses Gedankens nicht an bestimmten Daten hängt. Als Neuanfang läßt uns das Erlösungswerk fast zwingend an die Schöpfung zurückdenken, ebenso wie wir von Maria auf Eva zurückblicken, von jener Frau, die Gottes Willen angenommen und erfüllt hat, zu jener Mutter, die sich über diesen Willen einst hinweggesetzt hatte. Im "Ja" Mariens zur Verkündigung des Engels ist das Kreuz bereits inbegriffen, beginnt die freiwillige Erniedrigung des ewigen Logos in der Menschwerdung, wie wir es gestern erst in der Lesung des Palmsonntages gehört haben:
Er, der in Gottesgestalt war, glaubte nicht, sein gottgleiches Sein festhalten zu müssen. Nein, er entäußerte sich, nahm Knechtsgestalt an und wurde den Menschen gleich. Er erschien im Äußeren als Mensch, erniedrigte sich und ward gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz (Phil 2, 6 ff.).
Deswegen liegt die betende Kirche so falsch nicht, wenn sie in der Entfaltung der oben angeführten Annahmen die Verkündigung an Maria mit dem Leiden und Sterben Christi sozusagen in einem Atemzug nennt, wie etwa im Fragment eines Salzburger Sakramentars, in dem sich das folgende Gebet über die Opfergaben findet:
Laß, wir bitten dich, Herr, dieses Opfer deiner Volkes, das wir ob der Menschwerdung und zugleich auch des Leidens unseres Erlösers Jesus Christus wegen darbringen, dir angenehm sein ...
Sehr deutlich leuchtet der Zusammenhang zwischen Verkündigung und dem Leiden des Herrn übrigens in jener Oratio auf, die uns als Schlußgebet vom Fest der Verkündigung (das in diesem Jahr - der Karwoche wegen - auf den 8. April "verschoben" ist) sowie von der Messe Unserer Lieben Frau im Advent vertraut ist und die wir täglich beten, wenn wir der Menschwerdung Christi beim Angelus gedenken:
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Wir bitten dich, Herr:
Gieße deine Gnade in unsere Herzen ein.
Durch die Botschaft des Engels
haben wir Christi, deines Sohnes, 
Menschwerdung erkannt.
Durch sein Leiden und Kreuz
führe uns zur Herrlichkeit der Auferstehung!

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