Dienstag, 12. März 2013

Und jetzt Origenes ...

Im Vorfeld der Philippika von gestern Abend fand das reizvolle Patristik-Quiz auf der Seite The way of the fathers Erwähnung, das einem flüstert, welchem Kirchenvater man sich besonders nahe fühlen darf. Natürlich konnte ich mir - soviel curiositas darf sein - eine neue Runde nicht verkneifen. Würde mir noch immer der hl. Justinus der Martyrer als anverwandt zugesprochen? Damit war wohl kaum noch zu rechnen; und dem war dann auch nicht so. Was aber soll ich nun davon halten?!?
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You’re Origen!
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You do nothing by half-measures. If you’re going to read the Bible, you want to read it in the original languages. If you’re going to teach, you’re going to reach as many souls as possible, through a proliferation of lectures and books. If you’re a guy and you’re going to fight for purity … well, you’d better hide the kitchen shears.


Du bist Origines!
Du gibst dich nicht mit dem Mittelmaß zufrieden. Wenn du anfängst, die Bibel zu lesen, dann willst du dies in den Original-Sprachen tun. In der Lehre versuchst du, durch eine Unmenge an Büchern und Vorträgen so viele Menschen wie möglich zu erreichen. Wenn du ein Mann bist und den Kampf für die Keuschheit ausfechten willst, dann wäre es aber besser, du würdest die Küchenscheren verstecken.
Um ehrlich zu sein: Ich bin ziemlich mittelmäßig, was sich nicht zuletzt daran zeigt, daß ich nur mit Ach und Krach durchs Graecum gekommen bin. Ich habe zwar die Biblia Hebraica im Regal, aber das Erlernen der zugehörigen Sprache im Selbststudium habe ich nach einer Weile wieder aufgegeben. Und da gebe ich mich nicht mit dem Mittelmaß zufrieden? Origenes hilf! Die Küchenscheren werde ich ohnehin nicht verstecken; es reicht schon, daß ich dauernd den Dosenöffner suchen muß ...
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Öffnen wir aber keine Dose, sondern den Kommentar zum Johannes-Evangelium (X, 35), dann können wir mit den Augen des Origenes - im Anschluss an Joh 2, 19 ("Reißt diesen Tempel nieder und ich werde ihn innerhalb dreier Tage wieder aufbauen") - einen Blick auf die herrliche Zukunft der Ekklesia werfen, allen Widerwärtigkeiten, die sie von innen wie von außen bedrängen, zum Trotz:
Auch wenn die Verbindung der Steine des Tempels aufgelöst und zerrissen zu werden scheint, wie im 21. Psalm geschrieben ist, nämlich daß alle Gebeine Christi durch die Nachstellungen in Verfolgungen und Drangsalen [ausgerenkt werden] von denen, die die Einheit des Tempels bekämpfen, so wird doch um des Wortes willen: "Ihr seid Leib Christi und Glieder für euren Teil" (1 Kor 12, 27), der Tempel wieder aufgerichtet, und der Leib wird auferstehen am dritten Tage nach dem für ihn heranstehenden Tag der Bosheit, an dem darauf folgenden Tag der Weltvollendung. Denn es steht ein dritter Tag bevor im "neuen Himmel" und der "neuen Erde" (Offb 21, 2), wenn "dies Gebein", nämlich "das ganze Haus Israel", am großen Herrentag auferweckt wird und der Tod besiegt ist. So schließt die schon geschehene Auferstehung Christi aus dem Kreuzesleiden das Geheimnis der Auferstehung des ganzen Leibes Christi ein.
Origenes: Das Evangelium nach Johannes. Übersetzt und eingeführt von Rolf Glöger. Einsiedeln 1959. S. 230 f.

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