Donnerstag, 14. März 2013

Liturgie und Aktion

Liturgie ist, richtig verstanden, höchste Kirchenpolitik. Ihr Kern ist freilich rein pneumatisch, das heißt übernatürlich; er ist das Heilswerk Christi, das in die andere Welt hineinragt und die Menschen zur Ewigkeit führt.
Aber insofern sich in dem Gottesdienst die Gemeinschaft der Kirche auch nach außen hin aufs eindringlichste und machtvollste zu erkennen gibt, ist Liturgie auch politisch von größter Kraftwirkung. Statt theoretischer Worte verweisen wir auf die berühmte Erzählung von der Messe des heiligen Basileios in Gegenwart des arianischen Kaisers Valens, die in Rom zu Sankt Peter auf dem Altar des heiligen Basileios dargestellt ist. Der heilige Gregor von Nazianz erzählt:
"Der Kaiser trat mit seinem ganzen Gefolge in das Heiligtum ein - es war aber der Tag der Epiphanie und viel Volk versammelt - und wurde ein Teil des Volkes und stellte sich, als ob er zur Einheit gehörte. Als er nun drinnen war, da brauste ihm gewaltig die Psalmodie entgegen; er sah das Meer des Volkes und die wundervolle Ordnung derer, die beim Altare standen und die sich daran anschlossen, und die mehr nach Engeln als nach Menschen aussahen; aufrecht stand der Führer des Volkes, so wie die Schrift den Samuel beschreibt, ungebeugt in seiner Haltung, in seinem Blick und in seinem Geiste, als ob überhaupt sich nichts ereignet hätte; er stand da, wenn ich mich so ausdrücken darf, wie eine Säule vor Gott und vor dem Altar; um ihn herum aber standen seine Gehilfen voll Furcht und Verehrung. Als der Kaiser dies sah und da er das Geschaute mit nichts vergleichen konnte, da begegnete ihm etwas Menschliches. Seine Augen und seine Seele wurden vor Staunen mit Finsternis und Schwindel erfüllt. Und dies blieb den meisten noch unsichtbar. Als aber die Zeit kam, die Gaben zum heiligen Tische zu bringen, die er selbst vorbereitet hatte, und als keiner sie in Empfang nahm, wie es Sitte war, da man nicht wußte, ob Basileios sie annehmen werde, da merkte man, wie sehr er gepackt war. Denn er wankte, und wenn nicht einer von den Altardienern die Hände hingehalten und ihn gestützt hätte, dann wäre der Bedauernswerte niedergestürzt" (Oratio 43, 52).
Wenn aber die Liturgie so auch in das Leben der Geschichte hineinwirkt, so bleibt sie in ihrem Sein rein übernatürlich und göttlich. Sie zeigt uns den innersten Triumph der Kirche, die alle Macht der Welt überwindet. In der Liturgie ist alles, auch die Materie, der Leib, kurz die ganze Kreatur auf das ewige Ziel in Gott hingeordnet. So zeigt sie uns sinnenfällig das Ziel aller echten katholischen Aktion, dem All wieder ein Haupt zu geben in Christus und die ganze Schöpfung zur ursprünglichen Gottesidee und Paradiesesschönheit zurückzuführen in Christus.
Odo Casel OSB: Liturgische Handlung und Katholische Aktion (1930) in: Mysterium der Ekklesia. Von der Gemeinschaft aller Erlösten in Christus Jesus. Aus Schriften und Vorträgen. Mainz 1961. S. 270 f.

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