Donnerstag, 21. März 2013

"Flinke Verteilabfertigung"?

Vor wenigen Tagen hatte ich einen fb-Eintrag kommentiert, kam in diesem Zusammenhang auch auf die Spendung der heiligen Kommunion zu sprechen und schrieb von einer "flinken Verteilabfertigung". Ein Blogozesen-Kollege schalt mich darob der Respektlosigkeit. Die kann ich aber nicht sehen, denn wenn etwas respektlos ist, dann eher das Beschriebene als die Beschreibung. Aber was meine ich eigentlich?
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Vielleicht formuliere ich es zuerst einmal etwas positiver: Die Art und Weise, wie in manchen Kirchen und Gottesdiensten die heilige Kommunion gespendet wird, ist verbesserungsfähig. Das gilt übrigens für beide Formen des römischen Ritus. Der äußere Vollzug der Spendung steht nicht immer in einem angemessenen Verhältnis zu dem, was wir erhalten: Christus selbst in der Gestalt des Brotes.
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Ich beginne einmal mit der ordentlichen Form des römischen Ritus: Ich sehe da mancherorts diese Schlange im Kirchenschiff, die sich nach vorn wälzt, immer in Bewegung. Vorn wartet der Priester und gibt jedem den Herrenleib in den Mund oder in die Hand. Hält einem die heilige Gabe gegebenfalls schon entgegen, ehe man aus der Bewegung heraus überhaupt Stand gewonnen hat. Erhalten. Zur Seite treten. Wegtreten. Subito. Der Nächste steht schon bei Fuß. Kaum die Möglichkeit des Innehaltens; will man zudem das Knie beugen, tanzt man seltsam aus der Reihe und stört den Fluß. Kaum etwas deutet auf das Besondere dieses Moments hin. Müssen wir uns wirklich wundern, daß der Glaube an die Gegenwart Christi in dieser Brotsgestalt mehr und mehr schwindet, wenn dieses Sakrament mit solcher "Beiläufigkeit" (wie passend ist hier der Begriff!) und, ja eben: "Respektlosigkeit" - rein deutsch etwa: "Un-acht-samkeit" - gespendet wird (um von anderen Gründen hier abzusehen)? 
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Etwas anders steht es in der außerordentlichen Form des römischen Ritus: Hier ist die Gelegenheit, inne zu halten, durch den knienden Empfang an der Kommunionbank oftmals besser gegeben. Dafür habe ich schon Priester erlebt, welche - ohne Punkt und Komma die etwas längere Spendeformel hermurmelnd - in Windeseile die Kommunionbank entlangliefen, als gelte es, einen Marathon zu gewinnen. Auch dieser Vollzug wird der Bedeutung des Augenblicks nicht gerecht und konterkariert all die vielen frommen Predigten über Wert und Würde des Altarsakramentes und über die Verehrung, die zu erbringen angezeigt sei.
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Nun mag jeder selbst entscheiden, ob das Wort von der "flinken Verteilabfertigung" respektlos sei oder vielleicht die Sache doch treffen könnte ...?!?

Kommentare:

ed hat gesagt…

...und wo läßt sich dementsprechend etwas verbessern?

Es scheint mir eine grundlegend problematische Annahme der Gläubigen zu sein, dass Messbesuch = Kommunion ist, bzw. es keinen Sinn macht die hl. Messe zu besuchen ohne zu kommunizieren (weswegen man nicht zur Messe geht, wenn man kein Bedürfnis nach Kommunion hat und in der hl. Messe nicht sitzen bleibt, sollte die heiligmachende Gnade von Todsünden verschüttet sein). Dass die Kommunion der Gläubigen aber nur integraler und nicht wesentlicher Bestandteil der hl. Messe ist, wurde aus dem kooperativen Bewusstsein des gläubigen Gemeinschaftswesens vollkommen verdrängt. Diese Haltung ist in etwas geminderter Form auch bei den Altgläubigen zu spüren.

Eines der äußeren Unterscheidungsmerkmale von Gläubigenkommunion und hl. Messe war längste Zeit das "2. Confiteor", dass heutzutage auch nach 1962er Messbuch ad libitum gestellt ist. Denn die Kommunionspendung ist ein eigener Ritus, zu dessen Vollzug der Gläubige sich entsprechend vorbereiten muss. Da V2-Liturgisten diese "überflüssigen Dopplungen" ohnehin nicht mögen und heutzutage kaum einer mehr weiß, dass man die hl. Kommunion auch außerhalb der hl.Messe empfangen kann, schwindet auch das Bewusstsein für das Wesen eben dieses Ritus.

Im dunklen Mittelalter empfingen laut modernistischen Litrugiewissenschaftlern die meisten Gläubigen die Kommunion nicht während der hl. Messe, sondern im Rahmen des später stattfindenden Wortgottesdienstes, der unsererzeit bestenfalls noch von den Piusbrüdern gepflegt wird.

Dass ein schnell gesprochenes Gebet weniger aufrichtig/würdig/richtig sein soll, scheint mir lediglich im deutschen Sprachraum eine weit verbreitete Meinung zu sein. Man merkt es ja beim Messvollzug, wie so mancher Priester schon fast wieder theatralisch die Wörter in die Länge zieht, um sie würdiger zu machen, während von Heiligen wie Philipp Neri und Pius X. überliefert ist, dass sie die hl. Messe in weniger als 20min gelesen haben (dafür auch "gerügt" wurden, bzw. eben jener Sachverhalt vom advocatus diaboli im Kanonisationsverfahren vorgetragen und dokumentiert wurde).
Ein zu großes Gewicht auf das ex opere operato? Ich finde nicht...

ankerperlenfraun hat gesagt…

In meiner Diözese (die allgemein als weniger fromm gilt) erlebe ich die Kommunionausteilung selten unbefriedigend. Vor gut 20 Jahren wurde die Kommunion einmal von einer älteren Frau ausgeteilt, die blickte mich an - in aller Ruhe - hielt mir den Leib Christ vor Augen und sagte ganz konzentriert: "Der Leib Christi", daß es mir durch Mark und Bein ging. In ihrer ganzen Haltung war klar, ohne entschiedenes Amen geht es nicht. Die Predigten in der Gemeinde durch den (leider früh verstorbenen) Pfr. Gropper war lässig - liberal. Die gesamte Eucharistiefeier jedoch war von einer schlichten Schönheit und von einem liturgischen Ernst, der an der Heiligkeit der Handlung keinerlei Zweifel ließ. Dazu eine moderne Kirchenarchitektur und alle liturgischen Gegenstände von Künstlern der Moderne gestaltet.

"Liturgischen Sensus" hat einer oder eben nicht: ich habe große Zweifel, ob der Ritus allein das Geheimnis durchscheinen läßt. Die handelnden Personen sind meines Erachtens viel entscheidender.

einfachentfachend hat gesagt…

@ed

Sehr interessant, das wußte ich gar nicht! Hieß das im MA, daß die Wandlung dann auch seperat stattfand, oder war der Meßkanon derselbe aber nur der Priester kommunizierte? (wobei ich letzteres schwer vermute)

Braut des Lammes hat gesagt…

Es ist dies meines Dafürhaltens keine Frage der Form, in der die hl. Messe gefeiert wird, sondern eine Frage der Ruhe und der Art, wie einerseits die Kommunikanten hinzu- und hinwegtreten (da hat man ja manchmal das Gefühl, unversehens in eine Stampede geraten zu sein) wie auch der Art, wie die Spender die hl. Kommunion reichen. Geschieht beides mit Konzentration und in Ruhe, fördert das sehr die Andacht. Wo nicht, kann es zur Qual mutieren. Es geht um den Leib des Herrn, das sollte man der Art zu spenden wie der Art des Empfangs anmerken können.

ed hat gesagt…

Zur hl. Messe gehört wesentlich nur die Kommunion des Priesters, der damit das Messopfer vollendet. Eine Messe ohne Wandlung gab es bis zur Reform Pius' XII. lediglich am Karfreitag (missa praesanctificatorum), wie sie heute nur noch bei den Orthodoxen gepflegt wird, da die Bugnini-Reform hier wesentliche Einschnitte tat. Zur Messe gehört immer [sic!] die Wandlung und die Kommunion des Priesters. Die Gläubigenkommunion ist wenn man so möchte optional (und erwünscht), denn wie sonst wären Privatmessen der Priester möglich? Was wenn die ganze Gemeinde sich versündigt hat und noch keine Gelegenheit zur Buße hatte und dementsprechend nicht zur Kommunion geht?
Wir konnten unseren Gemeindepfarrer nach dem motu proprio sumpof dazu gewinnen die überlieferte Messe zu lesen und es kam infolge dessen zu einer kleinen Verwirrung während der Gläubigenkommunion, da er sich mit rubrizistischer Korrektheit an das Messbuch hielt, in dem weder das 2. confiteor vorhanden war, noch das "ecce agnus dei" mit darauffolgendem "non sum dignus", denn diese Gebete gehören nunmal nicht zum canon missae, sondern bilden einen eigenen Ritus, der lediglich eingeschoben wird.

Was ich dabei aber für wichtig halte, ist die Unterscheidung beider Riten und das Bewusstsein der Gläubigen einerseits, dass es schwer ist im Rahmen eines Pontifikalhochamtes (und jeder, der bei einer Papstmesse war, weiß genau was ich meine!) mehr als die Einhaltung der Form zu erwarten (ich erwarte zumindest von keinem Priester nach 200x Kommunion"austeilung" (ich finde "-spendung" passender) immernoch super konzentriert und inbrünstig mit Augenkontakt und bliblablu seinen Dienst zu verrichten). In einer kleinen Gemeinde mag eben solches Verhalten lieblos oder unandächtig erscheinen, aber grundsätzlich gilt zur Bewertung einer Handlung immernoch: Intention, Handlung, Umstände....