Samstag, 9. März 2013

E-Learning "Glauben" - Modul 1

Was heißt "glauben"? Wie geht "glauben"? Ist "glauben" nur eine mögliche Reaktion auf das Gefühl der Gegenwart von etwas "Göttlichem" im jeweiligen Individuum, sofern sich dieses Gefühl nur kräftig genug einstellt? Ferner: Was wird wodurch bestimmt, gefügt, geprägt? Kann ein verlässliches Gottesbild von individuellen Gefühlen und Empfindungen bestimmt werden? Oder sollen sich unsere Empfindungen und Gefühle eher von einem Gottesbild abseits der eigenen Erfahrung prägen lassen?
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Es scheint mir notwendig, in einer Zeit, in der selbst Theologen keine verbindlichen und allgemein gültigen Auskünfte über Form, Wesen und Anspruch des Glaubensaktes geben können oder wollen, die Lehre der Kirche in Erinnerung zu rufen. 
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Das soll in loser Folge über mehrere Beiträgen hinweg geschehen. Als Grundlage dient das Buch von Peter Bürger SJ: Unterweisungen über die christliche Vollkommenheit (Freiburg 1895), dessen Text für eine möglichst einfache Rezeption von mir ein wenig bearbeitet und zuweilen kommentiert wird. Er ist dem siebten Abschnitt entnommen, in welchem der Autor die drei göttlichen Tugenden bespricht, und darin dem ersten Punkt "Vom Glauben" (ab S. 243):
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Der erste Schritt, womit wir uns Gott nähern,
der Anfang unseres Heiles und
der Ausgangspunkt eines Gott wohlgefälligen Lebens,
die Wurzel und Grundlage aller Rechtfertigung,
aller Tugend und Heiligkeit
ist der christliche Glaube.
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[Bereits hier wird nahegelegt, daß "glauben" ein aktiver Vollzug ("Schritt") seitens des Menschen ist, um zu Gott zu kommen und sich das Heil zu gewinnen. Bürger zieht den hl. Paulus als Gewährsmann heran:]
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"Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen; 
denn wer zu Gott kommen will, 
muß glauben, 
daß er sei, 
und daß er denen, welche ihn suchen, 
ein Vergelter sei" (Hebr 11, 6).
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[Grundsätzlich gibt es zwei Arten, in denen Gott sich uns mitteilt:]
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In seiner unaussprechlichen Güte hat es nämlich Gott gefallen,
nicht allein 
durch das Licht unserer Vernunft
und die Werke seiner Schöpfung
sich selbst und seinen Willen uns kundzutun -
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er wollte auch auf eine neue, übernatürliche Weise
mit uns in Verbindung treten und
durch ausdrückliche, unmittelbare Rede
uns Wahrheiten enthüllen,
die wir aus den Geschöpfen
entweder nur dunkel und unvollkommen
oder überhaupt gar nicht 
zu erkennen vermögen.
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[Gott gibt sich also einerseits durch die menschliche Vernunft und durch die Schöpfung zu erkennen, andererseits aber durch eine Offenbarung, welche die Möglichkeiten unserer Vernunft, sie zu durchdringen, übersteigt. Letzteres geschieht durch "ausdrückliche" und "unmittelbare" Rede, um "Wahrheiten zu enthüllen"(!). Gott wirft, wenn er zum Menschen spricht, also keinen Nebelwerfer an, sondern will Orientierungspunkte geben; darauf muß nicht zuletzt angesichts manch aktueller theologischer Rezeption der Offenbarung nachdrücklich hingewiesen werden - Beide Arten dieser Selbstmitteilung Gottes an den Menschen gründen in der "Güte" Gottes und sind, so möchte man hinzufügen, mit Dankbarkeit anzunehmen. - Bürger kommt nun auf die "neue, übernatürliche Weise" näher zu sprechen:]
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Diese übernatürliche Belehrung Gottes
hatte bereits ihren Anfang genommen im Paradiese,
wo Gott selbst mit unseren Stammeltern redete;
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sie wurde fortgesetzt
durch die Patriarchen und Propheten des Alten Bundes,
durch welche Gott zu seinem auserwählten Volke  gesprochen;
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sie ist endlich in der vollkommensten Weise vollendet worden
durch den menschgewordenen Sohn Gottes,
Jesus Christus.
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[Der bereits erwähnten Güte Gottes wird man zurechnen dürfen, daß er seine Offenbarung, auch wenn diese unsere Vernunft übersteigt, in einer Form dargeboten hat, welcher wir in der Regel eine besondere Authentizität beilegen: in der Form direkter Kommunikation mit Menschen, wie dies vor allem in Christus geschehen ist:]
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"Gott, 
der manchmal und auf mannigfache Weise
vordem geredet zu den Vätern durch die Propheten,
hat zuletzt in diesen Tagen
zu uns geredet
durch den Sohn, den er zum Erben über alles gesetzt" (Hebr 1, 1-2).
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[Grundsätzlich gilt: Wenn Gott zum Menschen spricht, dann nicht, um ihm das Leben sauer zu machen, sondern um ihn ans Ziel zu bringen. Und hier ist das übernatürliche (!) Ziel gemeint, auf das alle Mitteilung Gottes letztlich hingeordnet ist:]
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Und in der Tat,
nachdem Gott nach ewigem Ratschlusse
voll Weisheit und Liebe beschlossen hatte,
daß wir nicht ein natürliches, sondern ein übernatürliches Ziel
der ewigen Seligkeit erreichen sollten,
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das Ziel 
der unmittelbaren, seligen Anschauung
seiner göttlichen Wesenheit,
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durften wir auch nicht mehr wie 
ausgesetzte und verlassene Kinder uns selbst
und unseren rein natürlichen Fähigkeiten überlassen werden.
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Denn mit unseren natürlichen Kräften der Seele
hätten wir notdürftig
auch nur ein natürliches Ziel und Glück erreichen können.
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[Die Hinordnung auf ein "übernatürliches Ziel" darf in Glaubenssachen nie ausgeblendet werden. Eine der Offenbarung entspringende Ethik der natürlichen Ordnung ist nur Mittel zum Zweck - Fortsetzung folgt ...]

Kommentare:

Arminius hat gesagt…

Herzlichen Dank, daß Du uns hier an Deinen Gedanken teilhaben läßt!

Ph. hat gesagt…

Gut gemacht- Exzellente Arbeit!