Mittwoch, 6. März 2013

Der hl. Fridolin und die Mumie(n)

Der heilige Fridolin führt den toten Urso als Zeugen vor Gericht -
Deckenbild über dem Chorbogen im Fridolinsmünster Bad Säckingen
Die Münster in den Städten, die Kirche im Dorf, die Kapelle am Berg, Bildstöcke und Kreuze an Wegen und Häusern, hie Prozessionen, da Wallfahrten und Glockengeläute allenthalben - unterwegs in meiner Heimat, zumindest in den katholisch geprägten Landstrichen, ist der Glaube als feste Größe mannigfach sichtbar und erfahrbar; und keine Frage, ich habe Freude daran.
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Einige Tage im Jahreslauf lassen jene Menschen in den Blick treten, denen wir diese Einwurzelung des Glaubens in unserem Land besonders mit verdanken. Der heutige Tag erinnert zum Beispiel an den hl. Fridolin, der vor gut 1500 Jahren das Christentum an den Oberrhein brachte und zu Bad Säckingen ein Kloster gründete.
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Mit den Heiligen ist das manchmal so eine Sache. Man freut sich über eindrucksvolle Tatsachen und wundersame Legenden, staunt - und gibt sich im Zweifelsfall mit einem Stoßgebet zufrieden. Natürlich wissen wir, daß Heilige auch Vorbilder sind. Aber auch das sind wir gerne im Allgemeinen zu lassen geneigt. Wenn wir dem hl. Fridolin - und mit ihm den vielen anderen Glaubensboten in unseren Breiten - aber wirklich Dank erweisen wollen, so scheint es wenigstens angebracht, für einen Augenblick intensiver innezuhalten und sich einigen Gedanken auszusetzen ... etwa solchen ...
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Was für ein starker und glühender Glaubensgeist muß in diesem Mann gesteckt haben, der ihn antrieb, sich aus ferner Heimat aufzumachen, um unter fremden Menschen und unter unwägbaren Umständen das Evangelium zu verkünden? Dieser Glaube muß ihm unheimlich viel bedeutet haben! Was bedeutet uns unser Glaube? Was stellen wir mit ihm an? Verstecken wir ihn gar? Ist er uns nicht manchmal peinlich? Fühlen wir uns nicht mitunter etwas beklommen, wenn wir danach gefragt werden? Gerät unsere Rede von Gott, vom Kyrios Christus, von der Ekklesia nicht immer wieder allzu kleinmütig, als daß wir unsere Zeitgenossen damit wirklich beeindrucken, ja: überzeugen könnten? Auf einer Internetseite kann man das schön ausbreiten - aber wie breit stellt sich diese Glaubensbasis im so ganz unvirtuellen Diesseits dar?

Barocke Schocktherapie: Ein Toter als Zeuge ...
Die Legende erzählt, ein gewisser Urso habe dem hl. Fridolin einst ein Stück Landes übereignet. Nach dem Tod des Wohltäters focht dessen Bruder Landolf dies jedoch an. Es kam zu einem Prozess, in dessen Verlauf der Heiligen den toten Urso aus dem Grab rief und vor das Gericht führte, wo dieser die Schenkung bezeugte. Eine anverwandte "Erweckung" wäre vielleicht auch uns (mir zumindest) immer wieder einmal notwendig - zu gern begnügt man sich damit, sozusagen als Mumie des Glaubens anstatt als dessen lebendiger Zeuge in die Welt hinaus zu schreiten. 
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Gott erneuere daher auf die Fürsprache des hl. Fridolin in uns immer wieder die Glut des Glaubens, damit wir wenigstens ein wenig brennen von jenem Geist, der den hl. Fridolin umgetrieben hat.

1 Kommentar:

Severus hat gesagt…

Sehr schön!
Herzlichen Gruß "ins Badische"!