Montag, 11. März 2013

Der Dialog ist zu Ende!

Einige von euch kennen bereits die nette Anwendung The way of the fathers (hier). Man beantwortet halb ernsthaft, halb augenzwinkernd einige Fragen und bekommt einen Kirchenvater geliefert, der zu den jeweils bezogenen Positionen besonders passt. Vor zwei Jahren habe ich das bereits einmal durchgespielt; mir wurde damals der hl. Justinus der Martyrer zugesprochen, ein sehr, sagen wir einmal, "dialogfreudiger" Kirchenvater. Und genau das ist nun ein Problem.
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Also nicht der hl. Justinus, sondern die Tatsache, daß ich - vor allem in den letzten Wochen - mehr und mehr an mir selbst wahrgenommen habe, wie überdrüssig und müde ich des Dialogs mit der anderen Seite - von mir zunehmend als "Gegenseite" empfunden - geworden bin. Diese Gegenseite besteht vor allem aus "Kirchenreformern", diversen säkularen und kirchlichen "Medien", einigen progressiv katholischen (?) Bloggern und Kirchenfunktionären. Überdies stellten sich Momente ein, die diesen Prozess beschleunigt haben, etwa wenn Menschen, die von der Kirche Lohn und Brot beziehen, diese als totalitär hinstellen, oder wenn Ordensleute den Rücktritt von Benedikt XVI. hämisch kommentierten. Tumbe Narren im Habit (wenn sie ihn denn trügen)! Erfahrungen aus persönlichen Gesprächen vergangener Monate und Jahre, die in den letzten Tagen vor meinem geistigen Auge nochmals vorbei gezogen sind, machen die Sache nicht besser. Im Gegenteil.
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Mit diesen Leuten ist kein Dialog möglich. Sie können nur an der Kirche motzen, die Kirche kritisieren, die Kirche zerspalten und bei alldem ihren Unglauben verbreiten. Sie betrollen anonym Kommentarspalten oder proben anderweitig den Aufstand, indem sie überall das Haar in einer Suppe suchen, die sie ohnehin nicht essen mögen. Sie schütten einem mit Fragen, Unterstellungen und Behauptungen zu, gehen aber keinen Deut auf eine Argumentation ein, sobald diese ihre je eigene Position ins Wanken bringen könnte. Dann halten sie einem rasch das nächste faule Ei unter die Nase, das sie so lange bebrütet haben, bis es tatsächlich zu stinken angefangen hat.
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So sehr sie alles, was genuin katholisch ist, zu hinterfragen geneigt sind, so wenig sind sie in der Lage, ihre eigenen Positionen kritisch zu beleuchten. Unterschwellig geben sie dem Gegenüber gerne zu verstehen, der Andere sei eben "noch nicht so weit" und würde bestimmte traditionelle Positionen nachbeten, weil man nicht den Mut habe, die Dinge neu zu denken oder in veralteten Gottesbildern oder sonstwo befangen sei. 
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Sie reden davon, daß sie es gelernt hätten, die Dinge historisch-kritisch zu betrachten und zu bewerten und verkennen, daß Gott und die Heilsgeschichte in ganz anderen Kategorien zuerst zu denken sind, ehe man sie auseinander nimmt wie ein beliebiges antikes Papyrusfragment. Obendrein sind sie allzu oft haarsträubend das, was sie gerne den anderen in die Schuhe schieben: Ignorant und borniert, verkrustet und selbstreflexiv bis auf die Knochen. Alsdann fläzen sich sich vor dem Altar und vor dem Allerheiligsten und geben vor zu wissen, was das Konzil wirklich wollte
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Trampelt nur weiterhin auf dem herum, was anderen heilig ist. Oder genauer: Trampelt nur weiterhin auf dem herum, was heilig ist. Oder noch genauer: Trampelt nur weiter auf dem herum, welcher der absolut Heilige ist, ganz gleich, wer auch immer was dabei "fühlt" ...
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Um nun abschließend dieses kleine Sammelsurium an Eindrücken und Beobachtungen, Begegnungen und Gesprächen, Lektüren und Zufallsfunden mit einem konkreten Erlebnis abzurunden, das sich mir, obwohl schon Jahre her, offenkundig ins Gedächtnis gebrannt hat und in dem sich viel auch später Erfahrenes in gewisser Weise immer neu und merkwürdig unter wandelnden Gestalten zu manifestieren scheint: Sie schreien einem bei Gelegenheit auch wutentbrannt und hysterisch an (wenn man zum Beispiel in ihrer Gegenwart den Kirchenrechtler Georg May zu erwähnen wagt, wie es mir passierte).
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Ich habe es satt! Ich kündige den "Dialog" mit diesem Haufen auf. Bleibt, wo der Pfeffer wächst oder werdet endlich alt-katholisch oder wechselt zu Amnesty, zu Occupy, den Grünen oder Greenpeace
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Verkriecht euch in eure Ecken, feiert eure bescheuerten Tischmessen und zieht euch dabei eure Pappnasen auf, tragt Fladenbrote in Grillzangen durch die Gegend und knabbert als Gemeinschaftserlebnis "heiliges Brot", auch wenn ihr keinen blassen Schimmer habt, was das überhaupt heißen könnte: "heilig" - und wer sich im Zeichen dieses Brotes birgt. Feiert euren Unglauben mit euren Brotstücken und schlagt meinetwegen in den Wind, was höher, schöner, herrlicher, was faszinierender, staunenswerter, größer, was erschütternder und gnadenvoller ist als eure peinlich abgeschmackten Vorstellungen davon. Ihr habt Augen und seht nicht, ihr habt Ohren und hört nicht und Nasen und riecht nicht, also lügt euch weiter in die Tasche und glaubt an die Zukunft eurer Gemeinden, die ihr so lange traktiert, bis wirklich keiner mehr kommt.
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Glaubt an die Medien und an euren Warmduscher-Jesus, der natürlich nie so fiese und unliebe Sachen gesagt hätte, wie ich sie hier geschrieben habe. Euer gescheiterter Kuschel-Wanderrabbi, der nur "im Glauben der Jünger" wieder auferstanden sein soll und in eurem Glauben meinetwegen tatsächlich "weiterlebt" - er interessiert mich nicht. 
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Und ihr mich auch nicht mehr. Die Sache Jesu braucht Begeisterte? Na dann schaut mal in den Spiegel!

Kommentare:

Ester hat gesagt…

Ich versteh dich, und kann von 'vor Ort' auch einiges, wenig erfreuliches, aus der Serie "der ganz normale katholische Wahnsinn zum Thema beisteuern".
Ich könnte Dinge erzählen, da graust es einem nur noch.
Gerade Leute die für alles und jedes offen sind, die dir ständig erzählen, dass du dich in der Kirche wohl fühlen, zuHause fühlen sollst .. die haben Probleme damit, wenn du mit deinem Kind während der Messe in der Sakristei aufs Klo gehst. z.B ...
Aber ich hab letzten Sonntag den Oberstricker am Hochgebet, der, glaub ich, noch nie das Evangelium so vorgelesen hat, wie es dasteht, im vorschriftsmäßigen Lätare rosa Messgewand gesehen und in der Predigt seines Mitbruders, (der auch ein großer Stricker vor dem Herrn ist) ging es vor Erstkommunionkindern! um Sünde (ja er hat das Wort Sünde benutzt, einige Male) und Beichte und das man das tun muss, vor der Erstkommunion.
Also Kopf hoch, und virtuelles Schulterklopfen.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Im Moment mache ich eher den Kopfstand ... aber Danke! :-)

damasus hat gesagt…

Das muß man lernen- mit den romfeindlichen Zeitgeistkirchen-Anhängern, gibt es keinen Dialog. Sie, die wie festgeklebt in den Ideen der 60-er Jahre verharren und immer noch deren massive Antiautoritätsprobleme haben, die in die Pubertät gehören, ausgerechnet sie wollen mit der Zeit Schritt halten und die Kirche jeder Mode anpassen. Dabei allerdings haben sie eines ganz aus den Augen verloren: es ist Seine Kirche- nicht ihre, Er lenkt sie nach seinem Gefallen und er hat sie Petrus und seinen Nachfolgern anvertraut. Was sie mit Kirche verwecheln ist ein Schrebergartenverein, eine Selbsthilfegruppe, Theater-AG usw.
Wie sollte man mit ihnen einen Dialog über Glauben und Kirche führen können? Auch ich sage: Schluß damit.

NonKonform hat gesagt…

Die Gründe für Ihre (innere) Kündigung völlig nachvollziehend hätte ich noch eine Frage zu folgender Passage: "Euer gescheiterter Kuschel-Wanderrabbi, der nur "im Glauben der Jünger" wieder auferstanden sein soll"

Ist es tatsächlich so, dass die Reformer_innen quasi öffentlich Irrlehren verkünden? Und könnten Sie dazu etwas mehr sagen, vielleicht konkrete Beispiele nennen?
Ich selbst habe soweit "nur" einen häretischen Text auf der Website von Wir sind Kirche gefunden, zwar scheinbar von einem Gastautor, aber das tut wohl nichts zur Sache, da dieser Beitrag unkommentiert veröffentlicht wurde.
Dort wird die körperliche Auferstehung Jesu eindeutig bestritten.
Ich meine die ganzen Forderungen, wie z.B. Frauenpriestertum etc. sind eine Sache, aber hier geht es um einen Angriff auf den christlichen Glauben als solchen. Hier wird nochmal eine ganz andere Dimension erreicht. Vor diesem Hintergrund gewinnt für mich die "Ökumene" an neuer Bedeutung - habe ich doch das seit geraumer Zeit das Gefühl, dass es gläubige Protestanten gibt, die "katholischer" sind als so mancher, der sich selbst als Katholik bezeichnet.

Bellfrell hat gesagt…

Das mußte wohl endlich raus und das ist gut so.
Esters Post von der letzten Sonntagsmesse macht immerhin Hoffnung und jetzt blicken wir einfach nach Rom.
Man darf sich von diesem pseudokatholischen Haufen einfach nicht entmutigen lassen.
Auch von mir ein virtuelles Schulterklopfen.

ed hat gesagt…

Du sprichst mir aus dem Herzen. Schopenhauer hat es auf den Punkt gebracht:
“Auch wird man einsehn, daß, Dummköpfen und Narren gegenüber, es nur einen Weg gibt, seinen Verstand an den Tag zu legen, und der ist, daß man mit ihnen nicht redet.” -Aphorismen zur Lebensweisheit

Gorgasal hat gesagt…

@Ester: könnten Sie Ihre Stricker mal an meine Gemeinde ausleihen? Ich wohne hier seit zweieinhalb Jahren und habe das Wort "Sünde" oder gar "Beichte" noch nicht ein einziges Mal gehört, wenn es nicht gerade im Evangelium vorkommt. Confiteor gibt es hier sowieso überhaupt gar nie. Dafür wird fleissig gestrickt...

Sursum corda hat gesagt…

Danke für die klaren Worte!
Für meine Person glaube ich auch nicht, daß der Katholizismus als Volkskirche in unseren Städten und Dörfern noch zu retten ist. Keine 10 Jahre mehr, und "Macher" von heute haben 80 Prozent der Kirchengemeinden quasi ausgerottet. Dann kommt zuerst der Bagger, danach können wir uns dann endlich wieder auf den Glauben konzentrieren.

einfachentfachend hat gesagt…

Der Hl. Ignazius von Loyala glaube ich war es, der sagte, man solle da anklopfen, wo eine Tür offen ist. Dies ist ja immer wieder der Fall, auch bei vermeintlich Glaubensfernen. Gegen auch innerkirchliche Betonköpfe anzureden,ist dagegen verschwendete Zeit und Kraft, die uns woanders fehlt. Für die Treue zum Depositum Fidei gibt es in der Kirche keinen Rechtfertigungszwang, für die grundsätzliche Untreue keine Rechtfertigung, schon gar nicht für ein kirchliches Amt. Punkt.

Jorge Sensenbrenner hat gesagt…

Glückwunsch, ein erfrischender, pointierter Kommentar, den ich gern gelesen habe und hübsch geschrieben finde, wiewohl ich ihn inhaltlich doch ziemlich bedenklich und leider auch charakteristisch für das Ausgrenzungs- und rechtskatholischen Spektrum finde.

"Progressiv katholische Blogger" kenne ich gar nicht, wo gibt es die denn? Ich hatte bislang immer den Eindruck, die katholische Bloggerszene ist doch recht fest in der Hand von Katholiken, die Worte wie "progessiv", "modernistisch" oder "katholisch (?)" (mit Fragezeichen) als Kampfbegriffe verwenden und irgendwelche anderen Leute in der Kirche als "Gegenseite" empfinden (und natürlich gegen den "Zeitgeist", den allgegenwärtigen "Relativismus", die "Mainstreammedien" und sonstige "liberale" oder "linke" Feindbilder anschreiben). Auf die Dauer kann das recht ermüdend sein, das gilt auch für mich als notorischen Leser und gelegentlichen Kommentator solcher Meinungsäußerungen.

Nervig ist dieses rechthaberische und polemische Herumgekeife von allen Seiten (also weißgott nicht nur aus Deiner Ecke) allemal. Auseinandersetzung und auch Provokation kann in gewissen Grenzen heilsam sein und den Erkenntnishorizont erweitern, aber wenn sie in Häme und unfruchtbare Polemik umschlagen, bringt das dann nicht mehr wirklich weiter im Glauben. Deshalb gleich den ganzen "Dialog" aufzukündigen, ist natürlich eine frustrierte Überreaktion. Vielleicht hast Du nur die falschen "Dialogpartner" erwischt oder die falschen "Gegner" oder Feindbilder. Dann zieh Dich einfach ein wenig zurück, studiere, bete, und hüte Dich vor Schuldzuweisungen.

Präge Dir die selbstlose Weisheit der Heiligen ein: Schuld sind nie die anderen, und wenn doch, ist es auch nicht so schlimm und meistenteils verzeihlich, denn der Balken steckt ja meist im eigenen Auge. Diese Einsicht, gewürzt mit einer Prise intelligenten Humors, der Dir gewiss nicht abgeht, und natürlich viel Verständnis für die Dummheit der Mitmenschen aller Coleur ... und du wirst sehen: Die Resignation verfliegt und macht Platz für gesunde ignatianische Indifferenz und wahre Glaubensstärke. Glaub mir, ich sage das aus Erfahrung und nicht aus Besserwisserei.

Irgendwann geht Dir dann bestimmt auf, dass die Grenzen zwischen denen, die für Christus sind, und den anderen quer durch alle Lager und ganz anders verläuft, als wir uns das in unserem begrenzten Horizont vorstellen.

Martina Katholik hat gesagt…

"gehen aber keinen Deut auf eine Argumentation ein, sobald diese ihre je eigene Position ins Wanken bringen könnte."

Wie wahr!

Ich lese überhaupt nicht mehr, was solche Leute schreiben oder sagen, auch im Privaten habe ich mich von diesen, mit Verlaub, "Taufscheinkatholiken" getrennt und habe es noch nicht bereut. Man erwischt sich bei zu viel "Dialog" mit diesen sonst nur dabei, dass man zu viel Zeit mit dem Überdenken ihrer katastrophal falschen Positionen verbringt.
Diese Zeit kann man sinnvoller im Gebet für sie und einen selbst verbringen.

Severus hat gesagt…

Na, da ist ja jemandem ordentlich der Kragen geplatzt! Recht so - das reinigt die Atmosphäre!
Schließe mich dem Dampf-Ablassen ausdrücklich an!

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Erst einmal allen "Leidensgenossen" vielen und herzlichen Dank für den Zuspruch, den diese - zugegeben: cum ira et studio geschriebenen - Zeilen gefunden haben.

Auf die ein oder andere Frage, die sich aus den Kommentaren ergeben hat, werde ich in den kommenden Tagen in einem eigenen Beitrag gerne nochmals eingehen ...