Dienstag, 19. März 2013

Adelig von Geburt, noch adeliger aber war sein Herz - Sankt Joseph

Der hl. Joseph - Altarblatt in der Josephskapelle
in der ehem. Klosterkirche St. Marien zu Gegenbach
Brüder, ruft euch ins Gedächtnis, wer der Patriarch Josef war ... von dem Josef, der Mann Mariens, nicht nur den Namen, sondern auch seine Sittsamkeit, Reinheit und sein freundliches Wesen geerbt hat. Jener erhielt vom Himmel die Gabe, Träume zu deuten (Gen 40; 41); dieser bekam nicht nur die Erkenntnis der Geheimnisse des Himmels geschenkt, sondern auch die Ehre, an ihnen teilzuhaben. Der erste hat für den Bestand eines ganzen Volkes gesorgt, indem er ihm Getreide in Fülle verschaffte (Gen 41, 55); der zweite wurde zum Hüter des lebendigen Brotes bestellt, das der ganzen Welt Leben schenken soll (Joh 6, 51). 
Ganz sicher war Josef, der mit der Mutter des Retters verlobt war, ein guter und treuer Mann, oder vielmehr "ein tüchtiger und treuer Diener" (Mt 25, 21), den der Herr seiner Familie zugewiesen hat: als Tröster seiner Mutter, als Ziehvater seiner menschlichen Natur, als treuer Mitwirkender an der Neugestaltung der Welt. Und er war aus dem Hause Davids ... von königlicher Herkunft, adelig von Geburt; noch adeliger aber war sein Herz. 
Er war wirklich Davids Sohn, nicht nur von seiner Abstammung her, sondern durch seinen Glauben, seine Heiligkeit, seinen Eifer im Dienste Gottes. In der Gestalt des Josef hat sich der Herr - wie in der Gestalt Davids - wirklich "einen Mann nach seinem Herzen" (1 Sam 13, 14) gesucht, dem er getrost das größte Geheimnis seines Herzens anvertrauen konnte. 
Er hat ihm "im Verborgenen Weisheit" gelehrt (Ps 51, 8), hat ihm ein Wunder erleben lassen, wie es kein Fürst dieser Welt erlebt hat; und hat ihm schließlich gewährt zu sehen, "was viele Könige und Propheten sehen wollten und nicht gesehen haben", und den zu hören, den viele "hören wollten und nicht gehört haben" (Lk 10, 24). Und er hat ihn nicht nur gesehen und gehört, sondern auf den Armen getragen, an der Hand geführt, ans Herz gedrückt, geküsst, ernährt und behütet.
St. Bernhard von Clairvaux: 2. Predigt zur Bibelstelle Der Engel Gabriel wurde gesandt, 16.

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