Samstag, 23. Februar 2013

Im Feuerofen

"Nach den 62 Wochen wird Christus getötet
werden" - Prophetie des Daniel (Dan 9, 26) -
Pfarrkirche St. Georg, Ehrenstetten
In der Prophetie des Daniel hören wir von den drei Jünglingen im Feuerofen (Kap. 3, von Sidrach, Misach und Abdenago, die sich weigerten, ein goldenes Götzenbild zu verehren, wie es von König Nebukadnezar befohlen ward.
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Sie wurden in einen Feuerofen geworfen, doch die Flammen krümmten ihnen kein Haar. In den Flammen stimmten die Jünglinge ein Loblied an, das im Breviarium Romanum fester Bestandteil der österlich geprägten Laudes am Sonntag ist. Überdies zählt dieser Bericht zu den Lesungen aller vier samstäglichen Quatembermessen; gerade in der Quadragesima spricht dieser Text - so auch heute - besonders reich zu uns, denn er deutet auf das heilige Pascha, auf Sterben und Aufstehung des Kyrios. Des Herren Engel nämlich stieg in den Ofen, die Feuerflamme ...
... aus dem Ofen jagend, und machte des Ofens Innenraum so kühl wie einen frischen Wind beim Morgentau, daß sie das Feuer nicht berührte und nicht belästigte, noch ihnen wehe tat. Da lobten diese Dreie wie aus einem Munde Gott, verherrlichten und priesen ihn im Ofen, also sprechend: Gepriesen bist du, Herr, Gott unserer Väter, gelobt, verherrlicht und erhöht in Ewigkeit. Gepriesen sei der heilige Name deiner Herrlichkeit, gelobt, erhöht in alle Ewigkeit ... (Dan 3, 49 f.).
Für den hl. Hieronymus stellt dieser Engel ...
... im Typos unseren Kyrios Jesus Christus dar, der in den Feuerofen der Unterwelt, wo die Seelen der Sünder und der Gerechten verschlossen gehalten wurden, hinabstieg, um ohne Verbrennung und ohne Schaden die dort Gefangenen von allen Fesseln zu befreien (In Danielem Prophetam; Migne PL 643).
Descendit ad inferos - als den, der "hinabgestiegen ist in die Tiefe", in den, wie es Hieronymus formuliert, Feuerofen der Unterwelt zu den der Erlösung harrenden Vätern, als den dorthin Herabsteigenden also bekennen wir den Kyrios in seinem Pascha; dieses Hinabsteigen zu den Vätern hat seinen Ort nach alter Überlieferung zwischen dem Tod und der Auferstehung Christi - ein zutiefst österliches Geschehen.
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Der Gedanke mag zudem weiterschreiten zu all den Seelen, die nach ihrem Tod in der Läuterung der vollen Gemeinschaft mit Gott sich entgegensehnen - im Memento der Verstorbenen betet die Kirche im Canon Romanus, Gott möge ihnen gewähren den locum refrigerii, den Ort der Erfrischung quasi angesichts des "Feuerofens" der Reinigung, jenen "Wind im Morgentau", von dem Daniel spricht, gemäß Gottes Verheißung, des Herren Wort, von dem selbst es heißt, es sei "ein Silber, gut geläutert, und von der Erde siebenfach gereinigt" (Ps 11, 7).
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Doch müssen wir nur an die Anderen denken? Ist nicht auch diese Weltzeit ein Feuerofen, dessen Flammen uns immer wieder zu verschlingen drohen? Tun wir nicht gut daran, die Augen stets auf den in Kreuz und Auferstehung triumphierenden Kyrios zu richten und selbst einzutreten in dessen Pascha? Er steht an unserer Seite, wenn die Flammen der Welt draußen und der Welt in uns drinnen uns verzehren wollen. Er hat unser Fleisch angenommen und sich selbst dem Feuerofen ausgesetzt, um uns nahe zu sein, damit wir singen können:
Er hat uns ja der Unterwelt entrissen und heil aus Todeshänden uns entlassen. Er hat uns aus der Flammenloh gerettet und mitten aus dem Feuer uns befreit. 
O dankt dem Herrn! Denn er ist gut. Es währet sein Erbarmen ewiglich (Dan 3, 89).

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