Samstag, 16. Februar 2013

Frau Mayer braucht Geld

Maria im Chor der Heiligen -
Monumentalfresko über das
Jüngste Gericht (Detail)
von Martin Lochner im
Stephans-Münster zu Breisach
Auch wenn das Thema in der Quadragesima nicht von allererster Ordnung zu sein scheint ... aber stellen wir uns einfach vor, jemand, nehmen wir mal Frau Mayer, benötigt, vielleicht sogar dringend, 100.000 Euro. Leider kann sie sich das Geld nicht aus dem Ärmel schütteln. Schlimmer: Sie ahnt, daß sie diese Summe nie und nimmer allein wird aufbringen können.
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Jetzt hört Frau Mayer von einem großen und unsagbar reichen Wohltäter, von dem man sagt, er verschenke, wenn man ihn darum bittet und er sich die Sachlage kurz angeschaut hat, Geld, ohne sich dabei lumpen zu lassen. So manche Not habe dieser gute Herr auf diesem Wege schon dauerhaft lindern, ja ... beheben können! 
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Frau Mayer informiert sich: Man müsse zuerst einmal das Anliegen vortragen. Dann prüft der freundliche Spender, ob man das Geld wirklich benötige und ob es für den Bittenden insgesamt förderlich sei, ihm auf einen Schlag den heiß ersuchten Betrag in die Hand zu drücken und so ihn seiner Sorge zu entledigen. Denn der Spender ist nicht nur ausnehmend begütert, sondern obendrein ein großer Menschenkenner und unterscheidet mit schier traumwandlerischer Gewißheit, in welchem Fall die Unterstützung wirklich weiterhilft. 
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Nicht jeder bekommt also das Erbetene. Doch heißt es von jenen, die - vordergründig - mit leeren Händen entlassen wurden, es sei auch ihnen Gutes widerfahren, sofern sie sich die Worte jenes Herrn zu Herzen genommen hätten. Denn ohne Rat, eine Ermunterung, eine Stärkung müsse kein Bittender von dannen ziehen. Frau Mayer schiebt natürlich etwas Muffe, mit ihrer Bitte vor einen offenbar so hohen Herren zu treten, aber sie bemüht sich um einen Termin.
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Dies aber scheint nicht so einfach ... und die Zeit läuft. Zum Glück fällt ihr ein, daß sie - mehr oder minder flüchtig - jemanden kennt, der zu dem großzügigen Geber ein besonders enges Verhältnis pflegt. Dieser Jemand lebte früher unter ganz ähnlichen Verhältnissen wie Frau Mayer ... und sollte darob, denkt sich unsere Bittstellerin, besonders mitfühlen können, wie ihr zumute sei. Mehr noch! Man sagt, dieser Jemand zähle zu jener großen Schar von Menschen, die unser Spender bereits überreich beschenkt habe, und dürfe sich obendrein zu den Freunden des großzügigen Spenders allzugleich rechnen! Da könnte es doch sein, daß er ein gutes Wort für sie einlegte. Frau Mayer greift zum Telefon.
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Natürlich weiß Frau Mayer, daß besagter Jemand ihre Bitte selbst nicht erfüllen kann (obgleich ihr diese Vorstellung natürlich auch sehr sympathisch wäre). Aber ein gutes Wort bei jenem hohen Herrn kann nicht schaden, und, wer weiß? Vielleicht freut sich dieser hohe und offenkundig sehr menschenfreundliche Herr auch, wenn sie einem seiner besten Freunde ebenfalls Vertrauen entgegenbringt ...
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Hier endet der Vergleich, der, wie alle Vergleiche, gewiß ein Hinkebein hat, aber vielleicht das Eigentliche nicht ganz verfehlt. Um auf die Quadragesima zurück zu kommen - mögen uns die Heiligen mit ihrem Beispiel durch diese Zeit leiten und durch ihre Fürsprache unterstützen!

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