Mittwoch, 13. Februar 2013

Einäscherung als Faßnachtspossen

Putto an der Kanzel - Wallfahrtskirche St. Ulrich
Zwar hat der Herr Alipius seinen für den Leser ohnehin der Gewöhnung bedürftigen Vorsatz, die Fastenzeit debloggierend zuzubringen, zwischenzeitlich abgeblasen, aber seine Seite und alle Putten darauf und darinnen mit violettester Farbe übertüncht. Deswegen gibts hier erstmal eine Ersatzputte, und alldieweil uns heute vorgelesen wurde, man solle beim Fasten nicht verdrossen aus der Wäsche schauen (vgl. Mt 6, 16 f.), eine fromme Mahnung zu nützlichem Ergötzen. Aus einer Predigt des Augustiners Ignatius Ertl (1645-1713):
Höre denn auf die zwei traurigen Geschichten eine lächerliche Histori! Ein alter, zu Bett liegender prodagraischer Herr Pfarrer sprach seinen Mesner an, er solle für ihn am Aschermittwoch die Leut einäschern. Er darf solches schon tun, weiln die Einäscherung nur eine bloße Ceremonie und kein Sakrament seie. Es schicke sich auch die Einäscherung für seine Person, weiln er ohnedas neben dem Mesneramt die Stelle eines Totengräbers vertrete. Der einfältige Mesner laßt sich überreden, fragt allein um die Weise und Form der Worten, die er bei der Einäscherung gebrauchen solle.
Merke es wohl, sprach der Pfarrer, wann du den Aschen auf den Kopf streuest, so sage diese Worte dabei: gedenke, Mensch, du seiest Staub und wirst zu Staub werden. Sage es nur also Teutsch, Lateinisch kannst du es doch nicht vorbringen, sonst möchten die Bauren meinen, du wolltest wetzen.
Ist schon recht, antwortet der Mesner, will alles fleißig merken und verrichten. Er gehet hierauf hin, spintisiert und phantasiert die ganze Nacht über diese Wort. Am Aschermittwoch in der Früh hat er sie vergessen und laufet daher abermals zum Pfarrer hin und fraget ihn über die Form der Worten, worüber der gute Herr Pfarrer auch in seinen großen Podagraschmerzen herzlich lachen mußte: gehe hin, sprach er zum Mesner, es ist halt wahr, du bist ein Narr und bleibst ein Narr. Wohl, wohl, antwortet der Mesner, jetzt hab ich schon alles gefasset, laufet mithin der Kirchen zu, nimmt seinen Chorrock und das Teller mit den schon geweihten Aschen, gehet herum und streuet den da knieenden Bauren und Bäurinnen den Aschen mit diesen Worten auf den Kopf: du bist ein Narr und bleibst ein Narr, du bist eine Närrin und bleibst eine Närrin. 
Die Bauren reißen über diese Worte die Augen angelweit auf, wissen nicht, was das bedeute, daß ihnen der Mesner samt den ausgestreuten Aschen die Narrenkappe wolle aufsetzen. Ist also aus dieser unformlichen Einäscherung ein lächerlicher Faßnachtspossen worden.
Schaue, o Sünder und Sünderin, de te fabula narratur. Ob nicht dein Beichtvater und Pfarrer zu dieser österlichen Zeit einen gleichen Ausspruch von dir tun könne und gleichermaßen sprechen: du bist ein Sünder und bleibst ein Sünder, der alte Wucherer und Geizhals, Fresser und Saufer, Fleischpengel und Ehebrecher etc, der du zuvor gewesen bist? Pfui der Schand!
Notabene: Vielleicht sollte man als weitere Nutzanwendung zudem den übergebührlichen Einsatz von Laien in der Liturgie kritisch betrachten ...
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 Georg Lohmeier: Geistliches Donnerwetter. Bayerische Barockpredigten. München 1967. S. 68 f.

1 Kommentar:

Wolfram hat gesagt…

Schuld hatte hier aber der Priester - entweder hätte er den Dienst selbst leisten müssen oder dem Mesner auf seine Frage nach dem richtigen Satz auch antworten. Er hat aber nicht geantwortet, sondern einen dummen Spruch geleistet.

Was mich an einen anderen Geistlichen erinnert, der auch nicht ordentlich auf eine einfache Frage geantwortet hatte...
Ein Pfarrer hatte einen neuen Kaplan. Den schickte er nun zu seiner ersten "Letzten Ölung", heute heißt es ja biblisch korrekt wieder Krankensalbung. "Wie mach ich das denn?" "Nun, du trägst das Öl auf und sprichst dazu die heiligen Worte."
Eine Zeit später war der Kaplan zurück und meinte, die LEute seien etwas verwundert gewesen. "Was hast du denn gemacht?" Nun, er hatte den Kranken von oben bis unten eingeölt und dazu gesprochen: HOC EST ENIM CORPUS MEUM.
Der erschütterte Priester schrieb ausführlich ans Bistum und bekam eine knappe Antwort:
PAROCHUS ASINUS. CAPLANUS SUSPENDENDUS.
Traurig schüttelte er den Kopf: "Daß ich ein Esel bin, das ist wahr. Aber muß man den armen Kaplan nun wirklich gleich aufhängen?"