Dienstag, 19. Februar 2013

Dort und hier

"Vergiß deine Heimat und deines Vaters Haus; denn der König trägt Verlangen nach deiner Schönheit" (Ps 44, 11 f.). Ja, es ist leicht, in der Liebe des Bräutigams, im Prunke seines Schlosses das Elend Babylons zu vergessen. Im Himmelssaal - mitlebend in der ewigen Liebe - noch an das Elend der Verbannung zurückzudenken, wäre Unrecht gegen den Retter und Heiland. Nur ewiger Dank quillt von den Lippen der Seligen, daß der Herr sie aus dem Staube, aus dem Schmutz erlöst und sie den Fürsten, den Fürsten seines Volkes, zugesellt hat.
"Mein Pneuma frohlockt in Gott, meinem Heiland; denn er sah hinab auf die Niedrigkeit seiner Magd" (Lk 1, 47 f.). So singt und dankt die auf ewig befreite Kirche im Himmel. Wie die Wundmale die Glorie des Herrn nur erhöhen, so leuchtet die Kirche umso mehr, je mehr sie - von ferne an die üblen Tage der Sünde und des Sündenelends zurückdenkend - dem Erlöser dankt.
Anders ist es, solange die Kirche noch auf Erden wandelt; auch wir sind erlöst, befreit, gerettet. Es wäre Unrecht, sich dessen nicht dankbar bewußt zu sein; es wäre undankbar, immer nur der Sünde und des Gerichtes zu gedenken, nur zu zittern vor der Strafgerechtigkeit Gottes. Wir haben den Heiland und in ihm das Heil gefunden; wir sind gereinigt und geheiligt durch das Blut des Lammes. Aber solange wir noch auf Erden, im Tale der Prüfung leben, ist unsere Rettung noch nicht endgültig gesichert. Hier ist noch die Zeit des Kampfes, des Ringens ...
¶ Odo Casel OSB: Mysterium der Ekklesia. Von der Gemeinschaft aller Erlösten in Christus Jesus. Aus Schriften und Vorträgen. Mainz 1961. S. 287 - hier der vorgängige Teil dieser Passage.

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