Dienstag, 19. Februar 2013

Aus den Scherben eine Schale

In te speravi, Domine;
dixi:
Tu es Deus meus,
in manibus tuis tempora mea.
.
Gehofft, Herr, habe ich auf dich
und gesprochen:
Du bist mein Gott,
in deinen Händen ruht meine Zeit!
.
¶ Antiphona ad Offertorium (Ps 30, 15 f.)
Dienstag nach dem ersten Fastensonntag
.
Jeder hat seine Lieblings-Schriftverse; ich etwa mag diesen Vers in der Lesart der Vulgata besonders: in des Herren Händen ruht meine Zeit! Oft wird das Wort von der Zeit mit "Leben" oder "Schicksal" übersetzt, was den Kontext dieses Psalmverses unzweifelhaft geschickter auffängt, und dennoch trifft bei mir das Wort "Zeit" ins Schwarze. Vielleicht mag es daran liegen, daß mir das Wort vom "Leben" zu selbstverständlich scheint (was es sicher nicht ist) und das vom "Schicksal" zu ungreifbar. 
.
"Zeit" aber nehmen wir wahr, gerade auch, wenn die eigene Zeit spürbar zu verrinnen beginnt, etwa, weil man zu viele liebe Menschen bereits zu Grab geleitet hat, um nicht zu wissen, daß die Zeit eingrenzt und selbst begrenzt ist: "Du Tor, noch diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern" schilt Christus den nur diesseitig umtriebigen Menschen (Lk 12, 10). Nicht, daß dieser Mensch die Zeit nicht wahrgenommen hätte, denn im Eifer, die Scheunen zu füllen, dürfte sie ihm allzu bewußt gewesen sein - die Frage lautet also: Wozu hat er sie wahrgenommen?
.
Eine Frage, die sich auch mir immer wieder stellt - oder stellen sollte. Was hast du mit deiner Zeit angestellt? Es ist schön, wenn wir dem Herrn unsere Zeit schenken können, und es ist zugleich ein Trost, daß wir auch verlorene und vertane Zeit in Gottes Hand legen dürfen, sofern wir ihm immer wieder die Unzulänglichkeiten unserer Tage entgegenhalten. 
.
Gerade auch, indem wir - woran uns diese Antiphon bei der Zurüstung der eucharistischen Opferfeier erinnert - all diese Zeit, die glückliche, die unglückliche, die verunglückte, auf den Altar legen, damit Gott aus den Scherben doch noch ein Schale bilde, die seinen Leib - mit und für uns - zu bergen vermag ... als Stärkung bis zu jenem Tag, an dem diese Zeit ein Ende hat. Wir stehen in diesem Leben, unsere Zeit aber mag in Gott ruhen.
.
Gehofft, Herr, habe ich auf dich
und gesprochen:
Du bist mein Gott,
in deinen Händen ruht meine Zeit!

Kommentare:

Wolfram hat gesagt…

Und da gibts noch dieses, äh, Lied:
"Meine Zeit liegt in deinen Händen", ein grausiger Ohrwurm, obwohl der Text gut ist...

Kaufe die Zeit aus! (dixit Dominus)

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Mhh, gehört zu jenen NGL, die ich eigentlich ganz gerne habe. Liegt warscheinlich mithin am Text, der genau das Zitat aufgreift.

Das könnte ich mir sogar als Lied zum Offertorium während der Missa tridentina vorstellen. Vielleicht versuche ich mal, es dem Klerus und dem Volk unterzujubeln ...?