Samstag, 16. Februar 2013

Aus dem Schmutze heraus

"Er kam in sein Eigentum, und die Seinigen nahmen ihn nicht auf" (Joh 1, 11). Sie liebten die Finsternis mehr als das Licht. Die Menschheit war nicht wie eine Braut, die des Geliebten harrt, die ihm mit brennender Lampe entgegengeht, voll Verlangen, sein Licht aufzunehmen. Nein, sie verschloß ihre Tür vor dem Bräutigam; sie war, wie der Prophet Ezechiel so gewaltig schildert (vgl. Ez 16, 1 ff.) zur Sklavin fremder Herren, zur Buhlerin geworden. Sie ging ihre eigenen bösen Wege. Sie lag im Staube der Landstraße, beschmutzt und geschändet. Da ging der Herr vorüber.
Der Blick seiner Liebe fiel auf die Jammergestalt, und was wir im Märchen oft lesen, aber nicht recht glauben können, das wurde hier Wirklichkeit: der königliche Prinz nahm die Bettlerin aus dem Schmutze heraus, hob sie auf sein Pferd und brachte sie auf sein Schloß. Und er kämpfte um sie mit dem Widersacher, der sie entführte, verspritzte sein Blut für sie und starb für sie. Dann stand er glorreich auf und machte sie, die nun endgültig Befreite und Gereinigte, zu seiner Braut. "Christus gewann die Kirche lieb und opferte sich selbst für sie, damit er sie heilige und reinige durch das Bad des Wassers im Worte, damit er sich die Kirche herrlich hinstelle, ohne Makel und Runzel ..., damit sie vielmehr heilig sei und fleckenlos" (Eph 5, 25 ff.).
So wurde aus dem Bettelkind die Königsbraut, die nun einherschreitet im Prachtgewand der Heiligkeit statt in den schmutzigen Lumpen der Sünde. "Vergiß deine Heimat und deines Vaters Haus; denn der König trägt Verlangen nach deiner Schönheit" (Ps 44, 11 f.).
¶ Odo Casel OSB: Mysterium der Ekklesia. Von der Gemeinschaft aller Erlösten in Christus Jesus. Aus Schriften und Vorträgen. Mainz 1961. S. 286 f. - hier der vorgängige Teil dieser Passage.

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