Samstag, 9. Februar 2013

Am Abend und am Morgen des Sonntags Quinquagesima

Der Engel des Herrn gebietet Abraham Einheit, seinen Sohn
Isaak zu opfern - Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, Wittnau
Die Magnificat-Antiphon in der ersten Vesper des Sonntags Quingagesima führt uns zu einem der großen Momente in der Heilsgeschichte:
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Pater fidei nostræ Abraham summus,
obtulit holocaustum super altare pro filio.
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Abraham, der große Vater unseres Glaubens,
brachte auf dem Altar ein Brandopfer dar anstelle seines Sohnes.
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St. Augustinus schreibt dazu im 16. Buch von De Civitate Dei, Kapitel 32:
... In diesem Sinne ist die Sache auch aufgefaßt und ausgelegt im Brief an die Hebräer: "Im Glauben ging Abraham dem Isaak voran, da er versucht wurde, und opferte den Einzigen, auf dem die Verheißungen ruhten, über den gesagt worden war: In Isaak wird dein Same gerufen werden; er dachte, daß Gott auch von den Toten aufzuerwecken vermag"Und dann heißt es: "Dafür hat er (Gott) ihn (Abraham) auch zum Gleichnis vorgeführt" (Hebr 11, 17-19).  
Zu wessen Gleichnis? Offenbar zum Gleichnis dessen, von dem der Apostel sagt: "Der des eigenen Sohnes nicht geschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat“ (Röm 8, 32). Deshalb trug, wie der Herr sein Kreuz, so auch Isaak sich selbst das Holz, auf das er auch gelegt werden sollte, zur Opferstätte. 
Aber Isaak sollte nicht getötet werden, und deshalb zeigte sich ein Widder, nachdem seinem Vater der tödliche Streich verwehrt worden war, und durch dessen Hinschlachtung wurde das Opfer in sinnbildlichem Blute vollzogen. Was hat es nun mit diesem Widder für eine Bewandtnis? Er hing, als Abraham ihn sah, mit den Hörnern im Gesträuche fest. Wen also sinnbildete er? Doch wohl nur Jesum, wie er vor seiner Hinopferung von den Juden mit Dornen gekrönt ward.
Doch hören wir vielmehr Gottes Worte aus dem Munde eines Engels. Die Schrift also erzählt: "Und Abraham streckte schon seine Hand aus nach dem Messer, um seinen Sohn zu töten. Da rief ihn ein Engel des Herrn vom Himmel an und sprach: Abraham! Er erwiderte: Siehe, hier bin ich. Und der Engel sprach: Du sollst nicht Hand anlegen an den Knaben und ihm nichts zuleide tun; denn nun bin ich inne geworden, daß du deinen Gott fürchtest und deines geliebten Sohnes nicht geschont hast um meinetwillen“ (Gen 22, 10-12). ... 
"Und der Engel des Herrn rief Abraham zum zweiten Mal an vom Himmel her und sprach: Bei mir selbst habe ich geschworen, spricht der Herr, weil du dieses Wort erfüllt und deines geliebten Sohnes nicht geschont hast um meinetwillen, so werde ich dich wahrhaftig mit Segen reich bedenken und deinen Samen mächtig mehren wie die Sterne des Himmels und wie den Sand am Gestade des Meeres. Und zum Erbe eigen wird besitzen dein Same die Städte der Gegner, und es werden in deinem Samen gesegnet werden alle Völker der Erde, weil du gehorcht hast meiner Stimme"(Gen 22, 15-18). 
So ist jene Verheißung von der Berufung der Heidenvölker im Samen Abrahams nach dem Opfer, das Christum bedeutete, selbst durch einen Schwur Gottes bekräftigt worden.
Als einen Berg im Land Morija weist Gen 22, 2 den Ort dieses Geschehens aus. Ein Berg Morija wird später wieder namhaft werden. Dort errichtet Salomon Gottes Tempel (vgl. 2 Chr 3, 1); es ist der Tempelberg zu Jerusalem. Wenn die betende Kirche diese Nacht durchschritten haben wird, singt sie zu den Strahlen des neuen Lichtes in den Laudes die folgende Antiphon zum Benedictus:
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Ecce, ascendimus Ierosolymam,
et consummabuntur omnia,
quæ scripta sunt de Filio hominis:
tradetur enim gentibus,
et illudetur, et conspuetur;
et postquam flagellaverint, 
occident eum,
et tertia die resurget.
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Seht, wir steigen hinaus nach Jerusalem,
und es wird alles vollbracht werden,
was über den Menschensohn geschrieben steht:
Er wird den Heiden überantwortet
und verspottet und angespuckt werden.
Und nachdem sie ihn gegeißelt haben,
werden sie ihn töten.
Am dritten Tag wird er auferstehen.

1 Kommentar:

Wolfram hat gesagt…

Also bei uns - und ich spreche jetzt aus dem Herzen, nicht von meiner Dienstkirche, die da leider im (allerdings verzeihlichen) Irrtum ist - heißt der Sonntag estomihi.

Der Sonntagsvers ist aber durchaus Lk. 18,31.