Mittwoch, 6. Februar 2013

Adipositas

Täuscht mich meine Erinnerung? Oder hatten deutsche Bischöfe während der jüngsten Bischfssynode zum Thema Neuevangelisierung nicht doch den ein oder anderen benachbarten Episkopat ermuntert, das hiesigen Modell der Zusammenarbeit zwischen Kirche und Gesellschaft in Augenschein zu nehmen und daraus zu lernen? Wenn's denn so war: Willkommen in Absurdistan! Vor allem, weil unseren Bischöfen der Laden sowas von um die Ohren fliegt, da hilft auch keine Schleimspur mehr.
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Um ehrlich zu sein: Von den meisten unserer Bischöfe erwarte ich mir ähnlich viel, wie zum Jahr des Glaubens hierzulande aufgeboten wird: Wenig bis nichts, zumindest in der Breite. Von anderen "Optionen" ganz zu schweigen ... Bekennermut? Fehlanzeige. Verkündigung in Mark und Bein? Fehlanzeige. Uferloses Blabla? Jede Menge. Dialog? Am laufenden Meter, denn der Dialog bietet noch jedem Rübengeist die willkommene Möglichkeit, hie so zu tun, als hätte er einen Standpunkt, und da so zu tun, als hätte er keinen, zumindest keinen, den man ernst nehmen müsste. Kaum kommt Gegenwind auf, wird relativiert, verkriecht man sich, werden die Segel gestrichen. Ob man das den Bischöfen anderer Länder wirklich empfehlen will?
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Und der Gegenwind bläst zunehmend heftig, in Medien und Stimmungsmache, in Worten und eben auch in Werken. Es gibt wenig, was einen Katholiken mit der gegenwärtigen Gesellschaft noch in gemeinsamer oder zumindest kompatibler Anschauung verbinden könnte - das macht der Fall Lohmann erneut deutlich. Daß ein Funktionär aus dem Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz dem katholischen Publizisten überdies in den Rücken fällt, ist Armutszeugnis und Wegmarke eines im Glauben ebenso mürben wie im Zeitgeist sich ins Elend verhechelnden Katholizismus, adipös vor lauter aggiornamento.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Also davon Neuevangelisierung höre ich seit Beendigung des zweiten vatikanischen Konzils. Immer wieder wird gesagt, wie wahnsinnig wichtig die Neuevangelisierung Deutschlands wäre.
Das Ergebnis ist, dass alle reden, aber keiner etwas wirklich wirksames für die Neuevangelisierung tut.
Wie lange will man mit dem Beginn einer Neuevangelisierung Deutschlands denn noch warten und vor allen WIE stellt man sich die Neuevangelisierung eigentlich vor? Wie soll das funktionieren, wenn praktisch ALLE wichtigen Lehren der Kirche vom allergrößten Teil der Bevölkerung als völlig inakzeptabel abgelehnt werden?
Selbst wenn man, wie die katholische Kirche, davon ausgeht, dass man als einziger weltweit eine bestimmte Ware anbieten kann, also ein absolutes Monopol hat, nämlich die Wahrheit, so muss diese immer noch an den Mann und die Frau gebracht, also verkauft werden. Und wenn keiner diese Ware braucht, oder sie schlicht und einfach zu teuer ist, dann wird diese Ware Wahrheit wie Blei in den Regalen der Kirche liegen bleiben.
Vielleicht sollte man einmal seine Verkaufsstrategie und Preispolitik überdenken, nachdem der Verkauf der katholischen Ware, pardon Wahrheit, scho so lange stagniert.

Anni Freiburgbärin von Huflattich hat gesagt…

Willkommen im Club der Illusionslosen.
Wir beten jeden Morgen um 6:00 einen Rosenkranz. Dass unser Einsatz die Mutter Gottes erreicht, ist gewiss. Ob die Mutter Gottes die deutschen Bischöfe erreicht ist, wenigstens zur Zeit mehr als ungewiss, was aber nicht an der Gottesmutter liegt.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Anonym, die Frage entscheidet sich in diesem Fall natürlich nicht daran, ob einer die "Ware" will, sondern was die "Ware" taugt. Wäre man davon selbst überzeugt, daß man etwas anzubieten hat, was auf den ersten Blick womöglich unbequem, letztlich aber sinnvoll ist, dann sollte die Vermittlung an den "Kunden" kein unüberwindliches Problem sein - da aber liegt der Hund begraben.

Anonym hat gesagt…


@Heilshoffnung

Der alte Trugschluss, dem viele Verkäufer zum Opfer fallen. Sie betrachten ihre Ware nur von der eigenen Warte aus und sind völlig unfähig, sehr oft auch unwillig, ihre Ware, die sie für die beste der Welt halten, mit den Augen ihrer Kunden zu betrachten.
Im Kopf des Kunden denken ist das beste Mittel die Bedürfnisse des Kunden zu erkennen und ihm die eigene Ware dann so anzubieten, wie es den Bedürfnissen des Kunden entspricht.

Wenn der Verkäufer zu wissen glaubt, was das Beste für den Kunden ist und deswegen auf die Bedürfnisse des Kunden keinen Gedanken mehr verschwendet, hat er schon verloren und seine Ware bleibt wie Blei in den Regalen liegen.

Früher wars einfach für die Kirche. Sie hatte das Monopol und wer die Ware nicht kaufte, bekam ganz schnell mittlere bis größere Probleme.
Das Monopol ist weg und die einzigen, die das noch nicht begriffen haben, sind die Wahrheitsverkäufer der katholischen Hierarchie.

Dabei wäre es doch wirklich so einfach, die Frohbotschaft Jesu, die ja unter den viertausendzweihundert Religionen weltweit beinahe einzigartig ist, an die Frau und an den Mann zu bringen.
Man müsste nur vom Glauben, dass die eigene Ware, in Ihren Worten spe salutis "unbequem" ist, wegkommen. Wenn ein Verkäufer immer und immer wieder betont seine Ware sei die einzig taugliche, aber unbequem, ist der Kunde schon weg.

Und wenn die Firma des Verkäufers dann noch ein Chaosladen ist, der mit den eigenen Mitarbreiterinnen und Mitarbeitern lieber nach Gutsherrenart verfährt, denn wie ein vernünftiger Arbeitgeber, der die Fürsorgepflicht für ALLE seine Angestellten ernst nimmt, dann wird es sehr, sehr lange dauern, bis wieder akzeptable Ergebnisse auftauchen.








Pro Spe Salutis hat gesagt…

Hallo Anonym - das Problem bei Vergleichen ist, daß sie irgendwann nicht mehr passen, so auch dieser mit der "Ware".

Gottes Wort an uns ist nicht unserer Verfügung und nicht unserem sich stets wandelndem Geschmack anheimgestellt. Gottes Anspruch an uns geht oft unserer Bequemlichkeit gegen den Strich. Hier endet das Bild von Angebot und Nachfrage, von der Ware und dem Kunden; auch mit Verkaufspsychologie kommt man nicht wirklich weiter.

Was nutzt ein Hustensaft (um den nächsten, natürlich auch hinkenden Vergleich zu bemühen), den man solange verdünnt, bis er schmeckt? Selbst wenn man ihn billig anböte und in Geschenkpapier mit Schleifchen wickelte ...

Gott ist uns widerständig, vom Alten Bund mit Dekalog und Geboten über den neuen Bund mit dem "Zeichen, dem widersprochen wird" bis hinein in das Wachsen des Gottesreiches in unserer Zeit. Und wenn man sich die Glanzleistungen der Menschen so anschaut, dann scheint es gut, daß Gott widerständig ist und sein heilendes Wort kein billiger Jakob.

Das mit dem "Chaosladen" überlese ich mal, wobei natürlich nicht von der Hand zu weisen ist, daß Menschen der Kirche in der Kirche immer wieder Schaden angerichtet haben, der weder der Kirche zum Ruhm noch den Menschen zum Segen gereichte.

Was mich immer stutzig macht, um noch einmal auf den eingangs genannten Vergleich zurückzukommen: Warum sind die doch so viel "kundenfreundlicheren" Evangelen von einem weit stärkeren Exodus betroffen als die katholische Kirche? Oder warum kommen die Altkatholiken auf keinen grünen Zweig?

Anonym hat gesagt…

Hallo Anonym -
Was nutzt ein Hustensaft (um den nächsten, natürlich auch hinkenden Vergleich zu bemühen), den man solange verdünnt, bis er schmeckt?.


Sie gehen immer von der Krankheit der Menschen aus, für das die Kirche das einzige Heilmittel anbietet. Das ist zwar ein bestechendes Geschäftsmodell. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Anbieter der Heilmittel, die Pharmaindustrie, inzwischen angeblich selbst Krankheiten erfinden soll. Das ist so, als würde man Sünden erfinden, um dann, zu einem bestimmten Gegenwert, Absolution anzubieten.
Ihr Trugschluss bei diesem Vergleich ist, dass die katholische Kirche eben nicht als einzige ein Heilmittel anbieten kann, sondern dass sie im Wettbewerb steht mit allen anderen christlichen Kirchen und sogar mit allen anderen Religionen und noch dazu mit den ganzen esoterischen Erlösungsanbietern auf dem Markt der Spiritualität.
Wenn der Hustensaft der katholischen Kirche nicht schmeckt, wählt man eben den des Mitbewerbers. Wenn man überhaupt einen Hustensaft braucht; immer mehr Menschen scheinen sich nämlich zur Zeit von allen Religionen und Kirchen zu verabschieden. Es ist ja nicht nur die katholische Kirche, die konstant schrumpft.
Es geht also darum, dass man den Hustensaft nicht verdünnt, sondern beim Kunden das Bedürfnis nach genau diesem Hustensaft weckt. Man muss das Grundbedürfnis des Kunden herausfinden und es befriedigen. Dann akzeptiert der Kund das Medikament, das ich anbiete automatisch.
Gute Pfarrer vor Ort können das perfekt, wenn man sie lässt. Und die haben ihre Pfarreien hinter sich stehen wie ein Mann. Aber es werden immer weniger. Das heisst es können sich immer weniger Geistliche um die Bedürfnisse der Gläubigen kümmern. Der Weg in die Komplett-Diaspora ist so vorgezeichnet.


Gott ist uns widerständig, vom Alten Bund mit Dekalog und ...
... dann scheint es gut, daß Gott widerständig ist und sein heilendes Wort kein billiger Jakob.


Also wenn alle Missionare immer so ein unverständliches Religionskauderwelsch von sich geben, wundert mich der magere Verkaufserfolg der Kirchen mitnichten. Was bedeutet um Gottes Willen "Gott ist uns widerständig"? Er widersteht uns? Wundert mich nicht, bei der Allmacht, die ihm zugeschrieben wird.

Warum sind die doch so viel "kundenfreundlicheren" Evangelen von einem weit stärkeren Exodus betroffen als die katholische Kirche? Oder warum kommen die Altkatholiken auf keinen grünen Zweig?

Es ist für Sie wirklich ein Erfolgsnachweis, dass unsere Bruderkirche von den Protestanten angeblich noch schlechter dasteht, als die katholische Kirche. Im normalen Leben ist schrumpfender Umsatz ein Alarmsignal!
Das muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen. Dass Sie es als Erfolg werten wollen, wenn ihr Geschäft schrumpft.

Bei solchen Einstellungen und dieser Argumentationsschiene ist es wahrlich ein Wunder Gottes, dass überhaupt noch jemand an die römisch katholische Lehre glaubt.
Dabei könnte die Verbreitung der Frohbotschaft Jesu wirklich ganz einfach und leicht sein, bei der umfassenden Qualität die ihr innewohnt. Und viele Pfarrer vor Ort können das und machen das auch, völlig ohne die von mir erwähnte Verksufspsychologie. Den Pfarrern, die nicht so gut mit Menschen umgehen können, kann sie aber eine große Hilfe sein, weil man Fehler im Umgang mit Menschen dadurch von vornherein vermeiden kann. Aber wenn man die Prämissen beachtet, die Sie haben, ist das wohl unmöglich. Leider.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Hallo Anonym ...

> "Sie gehen immer von der Krankheit der Menschen aus, für das die Kirche das einzige Heilmittel anbietet ..."

Ich weiß nicht, in welcher Welt Sie leben. Mag sein, daß dort alles in schönster Ordnung ist und die Menschen an Seele und Leib sich bester Gesundheit erfreuen, daß Sie keine Kriege führen, die Umwelt nicht zerstören, den Anderen nicht ausbeuten usw. Das geht so weiter bis hin zur Frage, ob man überhaupt selbst mit sich im Reinen ist, wenn man in die Abgründe des eigenen Unterbewußten oder auch der Seele schaut. Schauen Sie so mal in die Welt und hinterfragen Sie auch das, was wir gemeinhin als friedlichen Zustand bezeichnen - und dann fragen Sie sich, ob der Mensch nicht doch der Heilmittel bedarf, sowohl in leiblicher, aber auch in geistiger oder geistlicher Persepektive.

Im Gegensatz zum orthodoxen Protestantismus würde ich zwar nicht sagen, daß der Mensch durch die Ursünde restlos verderbt und aus sich selbst zu nichts Gutem fähig ist; die Lehre der Kirche, die Ursünde habe ihn verwundet und anfällig gemacht, scheint mir aber gerade auch angesichts des Zustandes unserer Welt durchaus verständlich.

> "Was bedeutet um Gottes Willen "Gott ist uns widerständig"? Er widersteht uns?"

Na bitte, Sie verstehen es ja. Zum "Religionskauderwelsch" ... ich halte es nicht falsch, daß man beim Lesen auch einmal ins Stocken geführt wird. Sprache ist (und muß mehr sein) als eine auf Effizienz getrimmtes System zur Übermittlung einer Nachricht.

> "Es ist für Sie wirklich ein Erfolgsnachweis, dass unsere Bruderkirche von den Protestanten angeblich noch schlechter dasteht, als die katholische Kirche".

Sie weichen meinem Argument aus, aber das lasse ich Ihnen nicht durchgehen. Also nochmals: Viele der Rezepte, die Sie propagieren, finden Sie in anderen Kirchen (oft sogar sehr weitgehend) in Gebrauch (Mitbestimmung der Laien, Ehe der Geistlichen, flache bis keine Hierachien, zeitgemäße Gottesdienste, reine römische Zentrale usw.).

Das Produkt stimmt. Die Werbung stimmt. Warum stömen ihnen nun nicht die Massen Käufer, also der Gläubigen ... zu?

Erklären Sie es mir!

Anonym hat gesagt…

Ich weiß nicht, in welcher Welt Sie leben. Mag sein, daß dort alles in schönster Ordnung ist und die Menschen an Seele und Leib sich bester Gesundheit erfreuen ...

Ich lebe wahrscheinlich nicht in Ihrer katholischen Welt in der jeder alles, aber auch wirklich alles bis in die intimsten Winkel des Lebens sub ratione peccatis sehen muss, oder alles was auf Erden nicht seinem katholischen Gusto entspricht, katholisch machen muss. Ja, Not, Leid und Elend sind allgegenwärtig auf diesem Planeten aber dass alles krank, böse und heilungsbedürftig durch den Katholizismus ist, glaube ich auch nicht. Vielleicht ist mein Weltbild in Ihren Augen zu rosig, das gängige katholische Weltbild, das Sie verbreiten, ist mir zu düster und depressiv, auch wenn der Papst diesem Weltbild anhängt.
Vielleicht kann man es gut mit einem englischen Sprichwort beschreiben: Best things in life are free! Ich möchte es abwandeln: die besten Dinge des Lebens sind NICHT für hardcore-Katholiken mit schwarzem Weltbild reserviert!

Sie weichen meinem Argument aus, aber das lasse ich Ihnen nicht durchgehen. Also nochmals: Viele der Rezepte, die Sie propagieren, finden Sie in anderen Kirchen (oft sogar sehr weitgehend) in Gebrauch (Mitbestimmung der Laien, Ehe der Geistlichen, flache bis keine Hierachien, zeitgemäße Gottesdienste, reine römische Zentrale usw.).

Gute Analyse! Vielleicht ist genau deswegen noch nicht die ganze Welt katholisch; und natürlich eine blendende Bestätigung meines Absatzes über katholische und nichtkatholische Weltbilder.

Das Produkt stimmt. Die Werbung stimmt. Warum stömen ihnen nun nicht die Massen Käufer, also der Gläubigen ... zu?

Wieso nicht? Die Massen strömen doch zu den ganzen Angeboten von Spiritualität, Esoterik und Co! Das Bedürfnis ist da, der Markt boomt so, dass es zu diesem Thema sogar schon Ausstellungen und Messen in großen Messezentren geben soll. Es ist halt nur so, dass sich die großen Kirchen nicht so gut auf die neue Nachfrage einstellen können, sondern immer noch ihr Angebot aus den vorigen Jahrhunderten verkaufen wollen. Der Papst will sogar das Angebot der katholischen Kirche VOR 1517 wiederbeleben. Vielleicht einer der Hauptgründe, warum alles von der katholischen Kirche weg, hin zu Anthroposophie, fernöstlichen Philosophien und anderen spirituellen Angeboten strebt.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Hallo Anonym!

Wir reden hier, mutmaße ich, ziemlich aneinander vorbei. Was Sie "sub specie peccatis" nennen (und mir unterschieben, was ich - wenn ich mal versuche, mich in Sie hinein zu versetzen - durchaus verstehen kann), würde ich "sub specie aeternitatis" nennen - denn darum gehts doch am Ende ... um die Frage, wie diese Welt wieder zurückfinden kann zur usprünglichen Idee Gottes. Meiner Meinung nach setzt das zuerst einmal voraus, daß wir unsere aktuelle Welt, so viel Schönes wir auch in ihr entdecken können, nicht zur "besten aller Welten" erklären, sondern stets im Auge behalten, daß auch viel im Argen liegt: angefangen bei uns selbst, bei Ihnen (unterstelle ich jetzt mal) wie auch bei mir.

Übrigens, das werden Sie mir jetzt natürlich kaum glauben ... so übel finde ich diese Welt nun auch wieder nicht. Sie hat, bei allen Schwächen, das Zeug zum Guten - und das ist doch schonmal ein guter (immer neuer) Anfang!

Und noch etwas wird sie verwundern: Nein, ich denke nicht, daß die Welt zwingend besser wird, wenn wir nur alles hübsch katholisch machen. Nicht, daß mir die Vorstellung, alles hübsch katholisch zu machen, unsympathisch wäre, aber auch in der hübsch katholischen Welt hätten wir es, wie schon jetzt, mit Heiligen und Sündern zu tun. Oder, um er etwas bildlicher zu formulieren: Mit denen, die sich Mühe geben, eine gute Suppe zu kochen, und mit denen, die in die Suppe spucken. Das kriegt man auch nicht mit und in einer hübsch katholischen Welt in den Griff.

Ich nehme an, Sie wissen ebenso gut wie ich, daß das Bessere oft das Anstrengendere ist und das Gute manchmal sogar der Feind des Besseren, wenn man eine Sache auch nur halbwegs ernst nimmt. Das ist nicht nur bei uns Katholiken so, sondern auch bei den meisten anderen Menschen, Sie und mich eingeschlossen.

Und was machen wir jetzt mit der ganzen Esoterik und sonstigen spirituellen Angeboten?

Ehrlich gesagt ... wenn ich so manchen unserer "zeitgemäßen" katholischen Gottesdienste unserer Tage anschaue, dann wundert es mich nicht, daß die Menschen ihre Sehnsucht nach dem Heiligen, nach Innerlichkeit und nach Erfahrungen, die jenseits des drögen Alltags liegen, anderswo suchen. Das hängt aber nicht zwingend damit zusammen, daß die Liturgie der katholischen Kirche in unseren Tagen zu altmodisch sei, sondern eher damit, daß sie zur einen Hälfte banal gefeiert und zur anderen Hälfte nicht einmal halbwegs ordentlich verständlich gemacht wird, was hier eigentlich gefeiert wird.

Statt dessen erlebt man mit gewisser Regelmäßigkeit ein im wahrsten Sinn des Wortes (!) ritualisiertes Tralala, besonders krass in Szene gesetzt in Gestalt eines Priester, der die Messe mit einer roten Pappnase feiert. Nichts gegen Pappnasen, aber alles hat seine Zeit und seinen Ort.

Eine Rückfrage: Es sei "noch nicht die ganze Welt katholisch", weil andere Konfessionen mit bequemeren Programmen erfolgloser sind? Diese Logik müssen Sie mir erklären! Leider sehe ich hier weit und breit keine "blendende Bestätigung" ihres "Absatzes über ..." (außer, daß Sie meiner Frage ein weiteres Mal zu entwischen suchen).

Ein Hinweis sei abschließend noch gestattet, und ich meine das jetzt, auch wenn es etwas fies klingt, durchaus nicht fies:

Wenn Sie eine anspruchslose Religion suchen sollten, die Sie in ihrem aktuellen Lebenskreis nicht aufstört und zu nichts verpflichtet, weil ohnehin alles, so wie es ist, gut ist ... eine anspruchlose Religion, an der Sie sich aber die Seele bei Bedarf wärmen können und die Ihnen vielleicht sogar das Blaue vom Himmel verspricht ... wenn Sie das suchen, dann würde ich Ihnen vom Christentum dringend abraten, egal, unter welchem konfessionellen Label.